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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Ärzte-Netzwerk als Pilotprojekt kommt gut an

Das „Praxisnetzwerk Mödling“ besteht offiziell seit Jahresbeginn. Zur Zeit kooperieren über 80 Haus- und Fachärzte, laufend kommen weitere dazu.

Insgesamt gibt es im Bezirk mehr als 80 Kassen- und ebenso viele Wahlärzte, die über 100.000 Personen betreuen. Grundlage des Pilotprojekts war ein „Konzept für Allgemeinmedizin“, das der Initiator und Vertreter der Allgemeinmediziner in der Ärztekammer für Niederösterreich, Dr. Christoph Eckhard, erarbeitet hat. Mit sieben anderen Kollegen wurde dieses zum Praxisnetzwerk weiterentwickelt. Ein Grundpfeiler des „Praxisnetzwerks“ ist intensive Kommunikation. So laufen alle Befunde beim jeweiligen Hausarzt zusammen. Von der Ärztekammer wurde zudem eine geschlossene und speziell abgesicherte Benutzergruppe im Internet eingerichtet, über die mit Key-code jederzeit ein Zugriff auf alle Patientendaten und Befunde möglich ist.
„Der Hausarzt kann so tatsächlich eine Lotsenfunktion übernehmen“, betont Eckhard. In diesem Intranet finden sich auch alle Adressen der teilnehmenden Ärzte und ihre Spezialgebiete. Integriert wurden weiters alle Ansprechpartner in den Spitälern bzw. den Ambulanzen sowie eine Jobbörse.

Für die Überweisungspraxis wurde eine eigene gemeinsame Vorgangsweise festgelegt. Am Überweisungsschein wird durch einen kurzen Code festgehalten, ob der Patient vorher vom Hausarzt untersucht wurde und ob nur eine spezielle Untersuchung nötig ist bzw. eine intensivere Abklärung.

Überweisungen auch an Nicht-Mitglieder des Netzwerks

mieden werden so auch Mehrfachuntersuchungen“, betont Eckhard. „Natürlich kann auch an Nicht-Mitglieder des Netzwerks überwiesen werden – es gibt keinen Zwang“. Festgehalten wird bei der Überweisung auch die Dringlichkeit der gewünschten Untersuchung. Termine sind kurzfristig innerhalb eines Tages bis maximal einer Woche machbar, die längste Wartezeit beträgt drei Wochen.
Ein zentrales Qualitätsmerkmal des Netzwerks ist laut Eckhard, dass die teilnehmenden Allgemeinmediziner unter der Woche von 7 bis 19 Uhr telefonisch erreichbar und auch die Telefonansagen entsprechend normiert sind: „Damit ist - unter Einschluss des Wochentagnachtdienstes - eine qualitativ hoch stehende Betreuung rund um die Uhr gewährleistet.“ Unmittelbar möglich ist im Netzwerk auch ein Feedback der Fachärzte an die Allgemeinmediziner mittels Rückmeldeformular. „Einrichtungen wie diese fördern die gegenseitige Kommunikation und Kooperation“, so Eckhard. Für die Mitglieder des Netzwerks gibt es drei- bis viermal im Jahr Sitzungen, die auch mit Fortbildungsangeboten verbunden sind.

Befragungen als Mittel für Qualitäts-Management

Ein wichtiger Teil des Konzepts ist das Qualitätsmanagement. Derzeit werden die Mitglieder des Netzwerks über die Erfahrungen mit dieser Arbeitsweise befragt. Vorgesehen sind auch Patientenbefragungen. Das Netzwerk präsentiert sich ganz bewusst auch in der Öffentlichkeit. Ein eigenes Logo wurde dafür entwickelt, und die Gruppe nutzt auch immer wieder Gelegenheiten, bei verschiedenen Fachveranstaltungen in Erscheinung zu treten. Die Kosten für die Entwicklung des Logos und gemeinsame Informationsmaterialien wurden von der Landesärztekammer übernommen. Das Projekt läuft zunächst ein Jahr lang und soll dann zum Alltag der Gesundheitsversorgung in Niederösterreich gehören.
„Wir verstehen unser Projekt als innovatives Angebot an die Gesundheitspolitik“, so Eckhard. Es gehe vor allem auch darum, den Spitalsbereich zu entlasten bzw. durch die Drehscheibenfunktion des Hausarztes Mittel effizienter einsetzen und die Qualität insgesamt steigern zu können. Die ersten Rückmeldungen sowohl der teilnehmenden Ärzte als auch von Patienten wären jedenfalls sehr positiv. Die Initiatoren sind davon überzeugt, dass sukzessive weitere Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeiten des Praxisnetzwerkes Mödling nutzen werden.

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