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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Bessere Versorgung für Wachkomapatienten

Patienten mit apallischem Syndrom benötigen ein hochspezialisiertes Betreuungsnetz. In Niederösterreich wurde kürzlich ein Konzept dafür erstellt.

Durch den medizinischen Fortschritt im Bereich der Notfallmedizin überleben heute viele Menschen schwerste Hirnschädigungen. Für Patienten, die in komaähnlichen Zuständen bleiben, sind jahre- und zum Teil lebenslange medizinische, therapeutische und pflegerische Anstrengungen notwendig. Zudem fehlt dem Patienten im Vollbild eines Wachkomas die Fähigkeit zur Kommunikation. Dies macht eine intensive und professionelle Angehörigenarbeit notwendig, die sich von der Akutphase bis in die Langzeitbetreuungsphase ziehen muss. Eine Untersuchung des NÖGUS vom November 2002 ergab eine Gesamtzahl von 50 Wachkomapatienten in Niederösterreich, davon 37 in Landes- und Pensionistenheimen und 13 Patienten in den FondsKrankenhäusern. Da einige Patienten auch im häuslichen Bereich untergebracht werden und vermutlich nicht alle Patienten mit wachkomaähnlichen Zuständen erfasst wurden, ist letztendlich von einer noch höheren Zahl auszugehen.

Der NÖGUS hat sich in Zusammenarbeit mit der Landesregierung, dem LKH Grimmenstein und dem Ostarrichiklinikum Mauer die Aufgabe gestellt, eine bestmögliche Betreuung auf medizinischer, therapeutischer und pflegerischer Ebene zu ermöglichen. Als beratende Mitglieder des Projektteams waren Experten der Wachkomagesellschaft, der Gesellschaft für Schädelhirntraume und des Vereins HOPE in die Konzeptierung einbezogen. Die bestmögliche Betreuung beginnt am Unfallort. Logistische Pläne sollen den Patienten dorthin bringen, wo die entsprechenden Versorgungsstrukturen sichergestellt sind. Im Akutkrankenhaus wird nicht nur der Patient auf der Intensivstation betreut, sondern es werden auch die Angehörigen in den Behandlungsprozess mit einbezogen und erhalten Hilfestellung für diese schwierige Lebensphase.

Lückenlose rehabilitative Kette

Das neue Konzept sieht vor, dass Wachkomapatienten anschließend in spezialisierten Einrichtungen an den neurologischen Abteilungen des Landes Niederösterreich eine qualitativ hoch stehende Behandlung und Rehabilitation erfahren. Im Sinne eines kontinuierlichen Versorgungskonzeptes wurden auch die Landespensionisten- und Pflegeheime in die Planung miteinbezogen. Das Wachkomaversorgungskonzept sieht im Wesentlichen ein bedarfsdeckendes Angebot in folgenden Bereichen vor:

  • qualifizierte Pflegeplätze im Sinne einer Wachkomaeinheit an den neurologischen Abteilungen (im LKH Grimmenstein und dem Ostarrichiklinikum Mauer/Amstetten),
  • Neuschaffung respektive Ausbau von bereits vorhandenen qualifizierten Pflegeplätzen im Sinne einer Langzeitförderpflege an den Landespensionisten- und –pflegeheimen (Tulln, Melk, Wr. Neustadt, Mauer/Amstetten, Purkersdorf),
  • qualifizierte Pflegepersonen und Therapeuten,
  • lebenslange Pflege und Therapie in vertrauter Umgebung mit allen Möglichkeiten zur Mobilität, Kommunikation und sozialen Teilhabe (zum Beispiel betreutes Wohnen, ambulante Nachsorge, etc.) unter ärztlicher Anleitung und Aufsicht.

Weiters sind die Voraussetzungen für eine adäquate Betreuung und Einschulung von Angehörigen zu schaffen. Für die einzelnen Betreuungseinheiten sind klare Strukturkriterien in der räumlichen und apparativen Ausstattung sowie im personellen Bereich festgelegt.

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