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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Salzburg: Psychotherapie in mehreren Variationen

3,2 Millionen Euro will die Salzburger Gebietskrankenkasse in eine intensivere psychotherapeutische Versorgung investieren. Dieses Budget würde allerdings sehr schnell aufgebraucht sein und langfristig keine nachhaltige Verbesserung der Versorgung ermöglichen, befürchten Standesvertreter. Auch die Regelungen, wer was anbieten dürfe, stoßen auf Kritik.

Künftig wird es bei der Inanspruchnahme von Psychotherapie in Salzburg drei Varianten geben: Als Sachleistung mit einem Selbstbehalt von 10,20 Euro pro Therapiestunde oder als Zuschussleistung, bei der entweder 31,80 oder – wie bisher – 21,80 Euro pro Stunde von der Kasse refundiert werden. Das Land steuert ein Budget von 0,6 Mio. Euro bei, und zwar für Personen, die den Selbstbehalt nicht zahlen können. Dieser Betrag steht allerdings schon jetzt im Rahmen des Behindertengesetzes für PatientInnen des Sozialmedizinischen Dienstes für Psychotherapie zur Verfügung. Psychotherapie als Sachleistung ist an einen bestimmten Grad des Ausmaßes der Krankheit, der Dringlichkeit sowie der sozialen Situation gebunden. Dazu sind vom Psychotherapeuten Fragebögen auszufüllen, welche die Kasse auswertet

Aus der Sicht von Dr. ErwinWalter, ärztlicher Psychotherapeut und Referent für psychosomatische Medizin in der Salzburger Ärztekammer, hat die neue Vereinbarung einige Haken: „Vor etwa 13 Jahren wurden von der GKK die Sozialabgaben für Arbeitnehmer und –geber erhöht. Ein wichtiges Argument waren die hohen Kosten, die eine flächendeckende psychotherapeutische Versorgung verursachen würde.“ Walter stellt sich die Frage, wohin dieses Geld tatsächlich verschwunden ist.

Kritik an Verhandlungen

„Bei den Verhandlungen wurde der Salzburger Landesverband für Psychotherapie dann ausgeklammert“, kritisiert der Psychotherapeut. Und Sachleistungen könnten nur von bestimmten Therapeuten angeboten werden bzw. gebe es nur bei diesen Therapeuten die Möglichkeit eines erhöhten Zuschusses. Das sind jene, die in der Ausbildung eine entsprechend lange Erfahrung im stationären Bereich gemacht haben.

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Die Übergangsbestimmungen für Therapeuten mit langjähriger Praxis, „die diesen Hintergrund mehr als ausgleichen“, wären für viele unerfüllbar. In die neue Regelung ebenso nicht einbezogen sind Ärzte mit Psy-Diplom. „Dort gibt es seit langem die Möglichkeit der Sachleistung, nur wird das kaum publik gemacht“, betont Walter. Noch dazu würden von der Kasse nur sehr niedrige Sätze gezahlt. Walter befürchtet, dass das Budget für die Psychotherapie auf Krankenschein sehr schnell aufgebraucht sein wird und es langfristig zu keiner nachhaltigen Verbesserung der Versorgung komme wird.
„Das bestehende Angebot wird fast verdoppelt“, meint dazu Dr. Ulla Diltsch, stellvertretende Präsidentin der Salzburger Gesellschaft für psychotherapeutische Versorgung, die extra für die Verhandlungen mit der Kasse gegründet wurde. „Wir sind uns bewusst, dass die Honorarsätze für den Bereich der Sachleistung nicht besonders hoch sind.“ Aber es würde sich hier eben um berechtigte Sozialtarife handeln, und nebenbei könnte natürlich die Psychotherapie mit Zuschussleistung angeboten werden. Jeder Therapeut könne selbst bestimmen, wie viele Stunden an Sachleistung er oder sie tatsächlich anbieten möchte. „Zudem laufen die Verhandlungen weiter, bei denen wir uns darum bemühen, noch bessere Konditionen zu erreichen“, betont Diltsch. Für sie sind auch die Übergangsbestimmungen kein Problem.

Zu viele Limitierungen?

Walter befürchtet dennoch Zustände wie in Deutschland: Bei laufender Therapie würde die Gefahr bestehen, dass kein Geld mehr für Zuschussleistungen vorhanden ist. „Das Budget und damit auch die zur Verfügung stehenden Therapiestunden sind eben limitiert“, betont Walter. Unklar wäre zudem, wie lange es jeweils tatsächlich dauert, bis die Kasse feststellt, welchen Zuschuss ein Patient bekommen kann.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 18/2004

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