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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Heikle Gutachten: Allgemeinmediziner müssen Hundeführer beurteilen

Tirolerinnen und Tiroler, die einen „bissigen“ Hund ihr Eigen nennen möchten, müssen ihre physische und psychische Qualifikation dafür vom Hausarzt bestätigen lassen. Die Landesärztekammer hat einige Bedenken hinsichtlich der gesetzlichen Vorgaben.

Für ganz Österreich gibt es seit kurzem neue Regelungen für das„Halten und Führen“ von „bissigen“ Hunden. Auslöser dafür waren insbesondere Vorfälle, bei denen Rottweiler & Co. auch Kinder anfielen. Die Liste der „bissigen“ Hunde umfasst derzeit 15 Rassen, wobei der Amtstierarzt prinzipiell aber jeden Hund aufgrund seines Verhaltens als „bissig“ einstufen kann. In allen Bundesländern müssen Personen, die einen solchen Hund haben, zumindest einen Kurs in einer Hundeschule absolvieren. Der Tiroler Landesregierung schien dies offensichtlich zu wenig an Sicherheit zu bringen, dort ist zusätzlich das Gutachten eines Allgemeinmediziners notwendig.„Wir konnten uns bei der Entstehung dieser Regelung überhaupt nicht einbringen und wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, berichtet Dr. Arthur Wechselberger, Präsident der Tiroler Ärztekammer. Die Standesvertretung hat für die Hausärzte Fortbildungsveranstaltungen zur Handhabung der Regelung angeboten und Mindestanforderungen für die Erstellung des Gutachtens empfohlen. Analysiert werden muss die physische und psychische Gesundheit des Hundehalters. Explizit „ungeeignet“ wären laut Gesetzestext etwa Menschen mit Drogenproblemen, körperlichen Behinderungen oder psychischen Problemen.
„Ein Grundproblem dieser unerfreulichen Regelung ist: Wir begutachten den Hundehalter und werden aber letztlich mitverantwortlich für das konkrete Verhalten des Hundes gemacht“, so Wechselberger. Bekommt also jemand ein positives Gutachten und sein Hund wird „ausfällig“, könnte theoretisch auch der Arzt mitbelangt werden, weil er die Fähigkeiten des Hundehalters falsch eingeschätzt hat. „Bei einer Umfrage der Ärztekammer konnte zumindest in jedem Bezirk ein Arzt gefunden werden, der bereit ist, solche Gutachten zu erstellen“, berichtet Dr. Arthur Wechselberger, Präsident der Tiroler Ärztekammer. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1.500 Tiroler den Gang zum Hausarzt antreten müssen, wollen sie weiter einen „bissigen“ Hund halten oder führen. Denn die Regelung betrifft auch Personen, die einen solchen Hund schon länger haben.

Kritik auch von Tierärzten

„Prinzipiell ist das Ganze auch der Arzt-Patient-Beziehung nicht gerade förderlich“, meint Wechselberger. Von Tierärzten und Vertretern der Züchter und Hundehalter wird zudem die Einteilung in „bissige“ und „nicht bissige“ Hunde kritisiert; diese sei nicht gerechtfertigt, auch wenn einige Rassen den Ruf als „Kampfhunde“ haben. Aus Wechselbergers Sicht enthält das Landesgesetz noch andere Ungereimheiten: „Da im Text auch vom ‚Führer‘ des Hundes die Rede ist, müsste eigentlich die ganze Familie begutachtet werden oder jede Person, die für längere Zeit die Verantwortung für den Hund übernimmt.“ Skurril werde es auch, wenn sich eine Person aus einem anderen Bundesland für einige Zeit in Tirol aufhält; diese bräuchte nach der neuen Regelung keine ärztliche Bestätigung. Für das Gutachten kann der Arzt maximal 110 Euro verrechnen. „Allein die Auswertung des psychologischen Tests erfordert schon sehr viel Zeit“, berichtet Wechselberger, der selbst schon einige Hundehalter „begutachtet“ hat. Er gibt der neuen Regelung keine lange Lebensdauer und vermutet, dass sie zumindest in einigen Regionen nicht bis ins Letzte exekutiert werden wird.

"<p class=""vorspann"">Tirolerinnen und Tiroler, die einen &bdquo;bissigen&ldquo; Hund ihr Eigen nennen möchten, müssen ihre physische und psychische Qualifikation dafür vom Hausarzt bestätigen lassen. Die Landesärztekammer hat einig", Ärzte Woche 18/2004

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