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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Wahlärzteverein für Österreich

Das standespolitische Engagement von Wahlärzten hält sich in den meisten Bundesländern in Grenzen. Eine neue, überregionale Plattform soll die Interessen bündeln und steht für Anfragen interessierter KollegInnen zur Verfügung.

Dr. Christoph Reisner, Orthopäde in Wiener Neustadt, ist ein typischer „Hans Dampf in allen Gassen“. Nationale Bekanntheit kam jedoch erst jüngst auf, als er 2003 nach den Kammerwahlen zum ersten Vizepräsidenten der Niederösterreichischen Ärztekammer avancierte. Selbst als Wahlarzt und Klinikarzt mit mittlerweile reduziertem Umfang tätig, ist er Initiator und Obmann des Vereins Wahlärzte und Mittelbau Niederösterreich, dessen Ziele er auch im Rahmen aller seiner Tätigkeiten und Aktionen vertritt. „Obwohl die Wahlärzteschaft schon einen ernst zu nehmenden Teil der niedergelassenen Ärzte stellt, bin ich auf ein großes Vakuum gestoßen, was die politische Arbeit für diese Gruppe betrifft“, so Reisner. So zieht Reisner ein Resümee aus seiner mittlerweile einjährigen Tätigkeit als Vizepräsident. Ein umfangreicher Wahlarztratgeber, der allen Ärzten gratis elektronisch zur Verfügung steht, wurde erstellt. Wichtig war für ihn auch, den Begriff Wahlarzt immer besser in der Bevölkerung zu verankern. Eine vor einigen Monaten durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass nur etwa 30 Prozent der Bevölkerung ohne Hilfe den Begriff Wahlarzt definieren können. Regelmäßige Berichte in Radio und Fernsehen trugen aber messbar zu einer Steigerung gegenüber den Vorjahren bei. Verschiedene Informationsprogramme für Patienten sollen diese Zahl in den kommenden Jahren spürbar vergrößern.

Fortbildung darf nicht diktiert werden

Reisner hat auch das Thema Informationsveranstaltungen für Wahlärzte aufgegriffen. Mittlerweile gibt es Infotage in der Kammer, die fast wie kleine Niederlassungsseminare ablaufen. Niederösterreich steht auch bei Praxisgründungs-Seminaren österreichweit an vorderster Front. Neben einem offiziellen Niederlassungsseminar der Kammer, bei der Reisner als Referent tätig ist, organisiert er ein Gründungsseminar des Vereins Wahlärzte und Mittelbau. Darüber hinaus ist er beim Praxis&Wirtschaft-Gründungsseminar von Basler Ärztedienst und ÄRZTE WOCHE in die Konzeption eingebunden, natürlich für Niederösterreich als Referent. Er hilft aber auch in anderen Bundesländern aus, wo die Kammer keinen Referenten stellen kann oder will.

Reisner betont, dass er kein Problem mit Konkurrenzsituationen habe. Der Arzt sollte sich sein Seminar aus mehreren Angeboten aussuchen oder auch alle besuchen können. Es könne nicht sein, dass eine Kammer – wie in manch anderem Bundesland – den Fortbildungssektor diktiert und keine Mitbewerber im Seminarbereich zugelassen werden. „Das zeigt mir auch die Notwendigkeit, dass sich Wahlärzte in den anderen Bundesländern als Fraktion engagieren“, empfiehlt der Referent.

Die neue Dachorganisation

Enttäuschend ist für ihn das politische Engagement der Wahlärztekollegen in den anderen Bundesländern. Und das, obwohl die Wahlärzte selbst dort auch vorhanden sind und die Vereinsarbeit in Niederösterreich schätzen. Da die Statuten eine Mitgliedschaft für Nicht-Niederösterreicher nicht vorsehen, wurde von Reisner vor kurzem ein Österreichischer Wahlärzteverein als Dachorganisation für alle regionalen Wahlärztevereine gegründet.

Internet: www.wahlarzt.net

Auch Wahlärzte aus Bundesländern, wo die Wahlärzteschaft noch nicht organisiert ist, sollen in diesem Verein „Wahlärzte Österreich“ ihre Heimat finden. Das bereits vorhandene Internetportal www.wahlarzt.net befindet sich gerade in einer Umbauphase, um auf diese Strukturänderung einzugehen. Reisner steht jedenfalls für Anfragen aus allen Bundesländern gerne zur Verfügung. Geradezu nebensächlich mutet seine Tätigkeit im Bereich Ärztesoftware an. Reisner ist Mitentwickler eines Programms für Wahlärzte („Wahlarzt“ - www.wahlarzt.com) mit mittlerweile mehr als 100 Anwendern. Sein Programm ist nicht als „Abfallprodukt“ eines Kassen-ärzteprogramms konzipiert, sondern ein echtes Spezialprogramm, in dem Anwendern nicht das Korsett der Kassenabrechnung aufgedrückt wird.

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