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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Wiener Kassenstreit schadet der ÖVP

Das anhaltende Chaos um den Wiener Ärztevertrag hat dem Image der Regierung geschadet. Die ÖVP gilt als Partei der Leistungsminimierer.

Laut einer aktuellen OGM-Umfrage würden 24 Prozent der Wienerinnen und Wiener im Falle eines vertragslosen Zustandes Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat für die Schuldige halten. 19 Prozent sehen die Verantwortung bei der Gebietskrankenkasse und 16 Prozent beim Hauptverband. Nur 6 Prozent meinen, die Ärztekammer sei schuld, und verschwindende zwei Prozent halten die Wirtschaftskammer, aus der Dr. Martin Gleitsmann kommt, für verantwortlich. „Daran sieht man, wie vereinfacht die Bevölkerung das Problem wahrnimmt“, sagt Wolfgang Bachmayer, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstitutes OGM, das im Auftrag der Ärztekammer für Wien diese Werte erhoben hat.

Hohe Zufriedenheit mit der Versorgung

Noch sind 89 Prozent der Bewohner der Bundeshauptstadt mit ihrer Gesundheitsversorgung zufrieden. Doch die Zahl der „weniger Zufriedenen“ steigt langsam. „Diese Untersuchung zeigt sehr deutlich, dass die Wienerinnen und Wiener wissen, was sie an ihrem Gesundheitssystem haben“, sagte Ärztekammerpräsident MR Dr. Walter Dorner. Man sehe aber auch, dass sie mit großer Kritik an der derzeitigen Situation Anteil nehmen. 78 Prozent wissen, dass der Kassenvertrag vom Hauptverband nicht genehmigt wurde. Über die möglichen Folgen eines vertragslosen Zustandes fühlen sich 32 Prozent informiert. Etwa zwei Drittel der Befragten erklärten, im Falle eines vertragslosen Zustandes sei mit einer Refundierung von zwei Drittel der Arzthonorare durch die WGKK zu rechnen. 91 Prozent erwarten für den Fall des Falles Probleme in der Abwicklung durch die Gebietskrankenkasse.

Bedenkliche Aussagen

Bei einem vertragslosen Zustand in Wien käme es wahrscheinlich zu gesundheitspolitisch unerwünschten Konsequenzen. Dorner: „50 Prozent der Befragten würden nur noch bei gröberen oder schweren Beschwerden zum Arzt gehen. Um 38 Prozent mehr Menschen würden Spitalsambulanzen aufsuchen. Das ist aus gesundheitspolitischer Sicht bedenklich.“ Bei einer „Grippe“ beispielsweise geben 27 Prozent der Befragten an, im Fall eines vertragslosen Zustandes auf einen Arztbesuch verzichten zu wollen. Ein EKG würden nur 13 Prozent der Befragten zu vermeiden versuchen. Zwölf Prozent der Frauen würden auf eine Mammographie verzichten, wenn sie im Rahmen eines vertragslosen Zustandes dafür teilweise bezahlen müssten.
Gesundheit ist auch in der Bevölkerung ein sehr politisches Thema: Derzeit wird die SPÖ mit 46 Prozent am stärksten als jene Partei gesehen, die sich für die Sicherung der Versorgung einsetze. Die ÖVP gilt bei der Hälfte der Wienerinnen und Wiener als jene Partei, die „Leistungen einschränken will“. „Das zeigt, dass die Gesundheitsthemen von der Regierung bisher aus der Sicht der Öffentlichkeit schlecht bis dilettantisch angepackt wurden“, analysiert Bachmayer.„Da wurde die emotionale Sensibilität des Themas viel zu wenig beachtet.“ Im Vergleich zu anderen gesellschaftlichen Bereichen sei die Bevölkerung in Fragen des Gesundheitswesens sehr solidarisch, betonte der Meinungsforscher, denn: „Jeder kann sich vorstellen, dass er es einmal plötzlich selbst brauchen könnte.“

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