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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Prävention – Stiefkind der Medizin

Zahlreiche epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass Prävention mittels Bewegung und Ernährung die effektivste und kostengünstigste Vorsorgemaßnahme ist. Der Universitätslehrgang „Medizinische Gesundheitsprävention“ an der Donau Universität vermittelt die Grundsäulen der Themen Bewegung – Haltung – Ernährung sowohl in Theorie als auch in der Praxis als Einheit.

Lebensstil und ein lange beschwerdefreies Leben stehen im engen Zusammenhang. Obwohl der positive Effekt präventiver Maßnahmen im Sinne von regelmäßiger körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung sowohl auf das Herzkreislaufsystem als auch auf den Bewegungsapparat belegt ist, sprechen die Statistiken leider eine andere Sprache.
Schon im frühen Schulalter zeigen zirka 50 Prozent der Kinder Auffälligkeiten am Bewegungsapparat. Rund ein Drittel der Bevölkerung leidet an chronischen Rückenschmerzen. Erkrankungen des Bewegungsapparates sind in Österreich die zweithäufigste Ursache von Krankenständen und die häufigste Ursache für Frühpensionen. Auch bezüglich Herz-Kreislauferkrankungen sind die Zahlen alarmierend. Sie sind nach wie vor mit 54 Prozent Todesursache Nummer eins und werden durch eine Kombination von ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel begünstigt. Die Zahl der Adipösen hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Die „Volksseuche” Übergewicht ist ein Wegbereiter für viele chronische Erkrankungen.
Man kann zwar den Zeitungen fast täglich entnehmen, dass die Österreicher viel zu fett essen und sich zu wenig bewegen, aber dennoch gelingt es nicht, den Einzelnen dazu zu bringen, frühzeitig die richtigen präventiven Maßnahmen zu ergreifen. Prävention hat eine enorme volkswirtschaftliche und sozialpolitische Auswirkung im Hinblick auf sinkende Kosten für Krankenhaustage, Pflegebedürftigkeit, Frühpensionen und Verdienstverluste infolge von Krankenstandstagen.

Gesundheitsmanager Arzt

Gesundheitserziehung sollte ein Hauptfach in der Schule sein, da ein gesunder Lebensstil eine der wichtigsten Investition in die Zukunft ist. Aber das ist sicher noch ein weiter Weg. Bis dahin haben Ärzte eine Schlüsselrolle als persönlicher Gesundheitsmanager. Da rund 80 Prozent der Bevölkerung zumindest einmal jährlich einen Arzt aufsucht, erscheint besonders die Berufsgruppe des Arztes geeignet, den Patienten zu motivieren, seinen Lebensstil langfristig zu ändern. Allgemeine Ratschläge reichen nicht aus. Hilfreich sind Ratschläge immer nur dann, wenn sie mit praxisbezogenen Tipps garniert werden. Ganz wesentlich dabei ist es, Zielvereinbarungen zu treffen, die auch umsetzbar und für den Betreffenden vorstellbar und realisierbar sind. Für eine umfangreiche Beratung muss der Arzt über den Komplex: Aktivität, Ernährung, Haltung – und darüber, wie sich die einzelnen Komponenten gegenseitig beeinflussen, Bescheid wissen.

Ausbildung in Medizinischer Gesundheitsprävention

Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, vermittelt der Universitätslehrgang „Medizinische Gesundheitsprävention“ der Donau Universität die Themen Bewegung Haltung und Ernährung sowohl in Theorie als auch in der Praxis als „Einheit“, weil nur die Kombination dieser drei Grundsäulen der Prävention, gekoppelt mit einer Lebensstiländerung, auf lange Sicht erfolgreich sein kann. Mit diesem neuen Universitätslehrgang soll die vom Präsidenten der Wiener Ärztekammer MR Dr. Walter Dorner und der Gesellschaft für Präventive Medizin und Ernährung 2001 ins Leben gerufene Ausbildung erweitert werden. Er schließt mit einem Abschlusszeugnis der Donau Universität Krems, einem Zertifikat der Ärztekammer für Wien, ab und wird mit 70 DFP Punkten bewertet.

Tricks für das tägliche Leben

Da Ärzte ihre Patienten kompetent und überzeugend beraten sollen, ist es nötig, präventive Maßnahmen auch am eigenen Körper zu erfahren. Gerade der praktische Teil der Ausbildung macht den Teilnehmern oft schmerzlich bewusst, wie wenig man auch als Arzt über einzelne präventive Maßnahmen weiß. Eine schrittweise Änderung des Lebensstils muss nicht unbedingt mit enormem Zeitaufwand verbunden sein. Mit wenigen Tricks, die ins tägliche Leben eingebaut werden können, kann jeder ohne viel Zeitaufwand etwas für das „Gesund bleiben“ tun.
Dass diese Ausbildung auch von der Öffentlichkeit positiv angenommen wird, zeigt die Tatsache, dass eine Versicherung für ihre Versicherten die Kosten für eine komplette Untersuchung und Beratung bei einem Arzt mit dem Abschlusszeugnis der Donau-Universität übernimmt. Ziel des Lehrganges ist es nicht nur, theoretisches Wissen zu vermitteln, sondern die Absolventen des Lehrganges durch Übungseinheiten und eigenständiges Arbeiten zu befähigen Bewegungs-, Sport- und Ernährungsprogramme in Theorie und Praxis erstellen zu können. Der Universitätslehrgang ist eine neue zukunftsorientierte Zusatzausbildung für Ärzte, die nicht nur sich selbst Gutes tun wollen, sondern auch einen fundierten Beitrag zur Eindämmung von Zivilisationskrankheiten und der Kosten des Gesundheitssystems leisten wollen.

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