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© Philipp Horak
Margaretha Maleh, Präsidentin Ärzte ohne Grenzen Österreich
 
Gesundheitspolitik 1. Juni 2016

„Den Flüchtlingen ihre rechtmäßige Hilfe zukommen lassen“

3 Fragen, 3 Antworten

Die gebürtige Tirolerin Margaretha Maleh, Psychotherapeutin und langjährig als Präsidentin und Geschäftsführerin des Österr. Verbands für Spastiker-Eingliederung tätig, wurde im Mai 2015 zur Präsidentin von Ärzte ohne Grenzen Österreich gewählt. In diesem Sommer sah sich die Hilfsorganisation mit einer humanitären Krise riesigen Ausmaßes mitten in Europa konfrontiert.

Als frischgebackene Präsidentin mussten Sie sich sogleich mit dem Problem der Flüchtlingsströme in Europa auseinandersetzen? Neuland für Ihre Organisation?

Maleh: In einer gewissen Form ist es sicher Neuland, weil eine Bedingung für Ärzte ohne Grenzen lautet, dass wir dort unsere Einsätze und unsere Hilfe leisten, wo entweder Katastrophen sind, die plötzlich sind, ein Land überfordern, oder wo Ausbrüche von Epidemien stattfinden. Oder auch, wo die Armut eines Landes oder unzureichende Möglichkeiten der medizinischen Versorgung unsere Hilfe nötig machen. Es war aber so, dass die Menschen – die Zivilgesellschaft – uns aufgefordert haben: Schaut einmal nach Traiskirchen, was passiert denn da, das ist ja unmenschlich, untragbar!

Was kann Ärzte ohne Grenzen in dieser Situation tun?

Maleh: Wichtig war und ist uns, darauf zu drängen, dass Österreich, aber auch Deutschland, Griechenland, Italien etc. – MSF ist ja hochgradig vernetzt – den Flüchtlingen jene Hilfe zukommen lässt, die ihnen rechtmäßig zusteht. Wir wollen nicht, dass die Solidargemeinschaft der NGOs, der Non-Profit-Organisationen oder die Zivilgesellschaft jene Aufgaben übernehmen, die eigentlich als Maßnahmen von den politisch Verantwortlichen einzufordern sind. Jedoch reagierten wir in Österreich auch mit konkreter Hilfe und wurden erstmals mit einem kleinen Team tätig. Auch unterstützten wir die Initiative Medical Aid for Refugees.

Ihr Aufruf an Ärzte und Pflegepersonal für einen Hilfseinsatz bei Ärzte ohne Grenzen ...

Maleh: Ich kann nur sagen: Es ist immer eine Bereicherung! Jeder, dem es möglich ist, sich für eine gewisse Zeit für einen Einsatz bei uns zu melden, wird für das ganze Leben eine Bereicherung erfahren. Auch im Sinne von Lernen. Viele Kolleginnen und Kollegen sagen danach: Meine Güte, man lernt so viel! Das ist übrigens ein wichtiger Aspekt von MSF, dass wir derart viele Möglichkeiten bekommen, um Neues zu lernen.

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