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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Ärzte für brenzlige Situationen

Bundesweit gibt es derzeit etwa 200 aktive Leitende Notärzte, durchwegs Anästhesisten aus Spitälern oder Allgemeinmediziner, die in das Notarztsystem einer Region eingebunden sind. Zu einer Vereinheitlichung der unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern gibt es zahlreiche Vorschläge, z.B. zum Status dieser Funktion und zur Honorierung der Bereitschaftsdienste.

„Der Leitende Notarzt ist der medizinischer Manager in Extremsituationen der medizinischen Versorgung“, erklärt Dr. Bernd Mayer, Arzt für Allgemeinmedizin in Passall (Steiermark) und Leiter des Referats für Notfall- und Katastrophenmedizin der Österreichischen Ärztekammer. Für diese Tätigkeit ist eine spezielle Ausbildung zu absolvieren, die nächste findet vom 19. bis 26. Mai in Schladming statt.

Neben der Koordination und Überwachung medizinischer Einsätze, z.B. bei Großunfällen oder Katastrophen, sind Leitende Notärzte in die Planung und Vorbereitung der sanitären und medizinischen Betreuung von größeren Veranstaltungen, etwa Konzerten, eingebunden. „Sie sollen aber auch bei Gefahr im Verzug zugezogen werden“, betont Mayer.

Regelungen der Bundesländer

Die Funktion des Leitenden Notarztes ist im Ärztegesetz definiert. Wie er dann in der Region verankert ist, liegt aber an den Bundesländern, wo es sehr unterschiedliche Regelungen gibt. So wurde die Personalhoheit in Oberösterreich an das Rote Kreuz übertragen; der Leitende Notarzt ist dort auf freiwilliger Basis tätig. In Tirol und Salzburg gibt es ebenso einen Vertrag mit dem Roten Kreuz, wobei in Salzburg tatsächlich alle Regionen entsprechend versorgt sind. In Vorarlberg sind alle Leitenden Notärzte mit Pager ausgestattet und werden gleichzeitig alarmiert. Wer verfügbar ist, kommt dann zum Einsatz. „Ein äußerst unbefriedigender Zustand“, so Mayer. Im Wiener System sind die Leitenden Oberärzte der Rettung eingebunden.

Modell für die Steiermark

In der Steiermark steht ein Modell unmittelbar vor der Umsetzung, wobei derzeit noch die Finanzierung der Bereitschaftsdienste offen ist. Vorgesehen sind in acht Regionen jeweils fünf Leitende Notärzte, die sich abwechseln. „Eigentlich sollte dieser wichtige Koordinator innerhalb von 20 bis 30 Minuten am Einsatzort sein können“, fasst Mayer zusammen. Deshalb wünscht er sich, dass diese in der Struktur des Bundeslandes auf behördlicher Ebene eingebunden sind, denn „ein Leitender Notarzt muss oft unmittelbar Entscheidungen treffen, die auch Kosten verursachen“.

Mayer hat selbst einen Einsatz betreut, bei dem 19 Tonnen Polyäthylen in Brand geraten waren und Medien die Meldung verbreiteten, in der Rauchwolke seien auch Furane und Dioxine enthalten. So wurde ein spezialisierter Messwagen angefordert, der zwei Tage lang vor Ort stationiert war. Aus Mayers Sicht fehlt in Österreich ein einheitlicher Stellenplan, in dem Zahl und Status der Leitenden Notärzte festgelegt sind: „Vorkommnisse wie in Galtür oder am Kitzsteinhorn zeigen, wie wichtig diese Funktion ist. Es ist die falsche Politik, erst solche einschneidenden Ereignisse abzuwarten und danach eine ‚bessere Versorgung’ zu fordern.“

Was ist die Bereitschaft wert?

Die einheitliche Regelung der Honorierung des Bereitschaftsdienstes liegt dem Kammerreferenten ebenfalls am Herzen. Kein gutes Vorbild dafür sei Deutschland. Dort werde die Bereitschaft sehr niedrig dotiert, der Einsatz hingegen sehr gut bezahlt. „Diese Regelung führt dazu, dass Leitende Notärzte erst spät alarmiert werden, um Kosten zu sparen“, analysiert Mayer. Sein Vorschlag: Die Sätze für Österreich sollten sich an jenen orientieren, die für diensthabende Oberärzte der Anästhesie gezahlt werden. Bedarf an Vereinheitlichung sieht Mayer auch bei der Ausbildung der Notärzte: „Hier gibt es sehr unterschiedliche Curricula, bei denen manche Schwerpunkte einfach zu kurz kommen.“ Sowohl die Inhalte sollten verbindlich für ganz Österreich festgelegt werden wie auch die Zeiträume, wann Refresherkurse zu belegen bzw. wie diese im Detail zu gestalten sind.

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