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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Aufwertung der Kassenmedizin

Anstatt eigene Praxen zu eröffnen, sollten angestellte Ärzte mit niedergelassenen stärker kooperieren und so die Kassenmedizin aufwerten. Vorschläge dazu kommen aus Oberösterreich.

Kaum ein Tag vergeht, an dem kein Politiker etwas zur „Gesundheitsreform“ sagt. „Eigentlich weiß aber niemand genau, was konkret geschehen soll“, kritisiert Dr. Otto Pjeta, Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer. „Es werden die falschen Prioritäten gesetzt und zu viele Institutionen arbeiten unkoordiniert am selben Thema.“ Dringende Gründe für eine Reform gäbe es ausreichend: etwa die hohe Zahl stationärer Aufenthalte, die nach wie vor oft massiven Probleme im Schnittstellenmanagement sowie die demographische Entwicklung. Außerdem sei der Zugang zur Medizin durch „zu viele Türen möglich“, mehr Koordination wäre erforderlich. Pjeta hält diese Themen auch in Zusammenhang mit der Diskussion über Gesundheitsagenturen für wesentlich: „Eine Zentralisierung der Gesundheits- und Finanzplanung ist dabei sicher der falsche Weg.“

Spitäler endlich entlasten

Die Spitäler dürften im Gesundheitswesen nicht länger „Mädchen für alles“ sein. Eine Entlastung der Krankenhäuser und der Ambulanzen mit gleichzeitiger Aufwertung des niedergelassenen Bereiches sei überfällig, so Pjeta. Das hätten auch Spitalsärzte erkannt, denen nicht nur die optimale intramurale Betreuung ein großes Anliegen ist, sondern auch die Nachsorge.„Dass viele Spitalsärzte eigene Praxen eröffnen, ist aus meiner Sicht weder finanziell noch organisatorisch ein wirklich sinnvoller Weg“, meint der Kammerpräsident. Diese Ärzte könnten in den verschiedenen Modellen der Gruppenpraxis einen Teil ihrer Arbeitszeit verbringen. „Es geht um weit mehr als die bloße Führung einer Wahl-arztordination neben allen anderen Tätigkeiten“, unterstreicht Pjeta. Dies wäre ein wichtiger Beitrag zu einem besseren Schnittstellenmanagement.

Wissenstransfer erwünscht

Vorteile brächte diese Form der Zusammenarbeit auch für den Erfahrungsaustausch zwischen intra- und extramuralem Bereich, Fachwissen und aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse könnten so stärker in den niedergelassenen Bereich fließen. „Es geht um mehr Kooperation statt Konkurrenz und um eine Aufwertung der Kassenmedizin“, betont Pjeta. Handlungsbedarf sieht der Standesvertreter auch im Tätigkeitsbereich der Allgemeinmediziner: „Diese müssen bei der Umsetzung einer wohnortnahen Medizin unterstützt werden. Gerade die ältere Generation braucht den Arzt als Begleiter und Lotsen durch die Vielfalt der Angebote im Gesundheits- und Sozialbereich.“ Deutlich mehr Mittel erfordert die Hauskrankenpflege, unter anderem einen realitätsbezogenen Tarif für häufigere und aufwändigere Visiten. Eine Verbesserung des Schnittstellenmanagements erwartet sich Pjeta durch den Ausbau der elektronischen Datenvernetzung zwischen Spitälern und niedergelassenem Bereich.

Hausarzt als Qualitätsfaktor

Der Hausarzt könnte auch in Alters- und Pflegeheimen eine bedeutendere Rolle spielen. Pjeta wünscht sich eine intensivere Einbindung in deren Strukturen, „damit der Arzt mehr als bisher die Qualität der Betreuung mitgestalten kann“. In diesem Zusammenhang wiederholt Pjeta die Forderung nach prästationären Betten im Heimbereich als Vorstufe zum Spitalsaufenthalt mit Betreuung durch Allgemeinmediziner. Soziallandesrat Josef Ackerl kann dieser Forderung wenig abgewinnen, da die Heime schon jetzt mit den zur Verfügung stehenden Mitteln kaum zurechtkommen würden und oft auch das nötige pflegerische Personal gar nicht vorhanden wäre. Für Pjeta geht es bei dieser Diskussion aber eben um eine neue Verteilung der Mittel und deren sinnvollen Einsatz.

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