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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Credo für bessere Diabetiker-Betreuung

Wie beurteilen niedergelassene und Spitalsärzte die Versorgungssituation? Die Schwächen liegen jeweils bei den anderen, aber an Verbesserungen sind alle interessiert.

Das Institut für Qualitätssicherung führte im Auftrag der oberösterreichischen Ärztekammer eine Befragung aller niedergelassenen Allgemeinmediziner und Internisten sowie auf Diabetes spezialisierter Spitalsärzte durch. „Die Ergebnisse sollen zu einer besseren Vernetzung und Kooperation beitragen“, betont Dr. Georg Witzmann, Arzt für Allgemeinmedizin in Neumarkt, der beim Projekt mitgewirkt hat. Bei der Umfrage beklagen die Spitalsärzte jedenfalls, dass sie aus dem niedergelassenen Bereich oft unvollständige oder unklar formulierte Informationen bekommen. Verbesserungsbedarf in der Vorsorge von Diabetes oder bei der Vermeidung der Spätfolgen sehen Spitalsärzte vor allem in Zusammenhang mit Vorsorgeuntersuchungen. Allerdings werden auch Verbesserungsmöglichkeiten bei der Kooperation innerhalb des Krankenhauses und beim Management der Entlastung wahrgenommen. Ein wichtiger Wunsch sind daher häufigere Nachschulungen, die zumindest alle zwei Jahre stattfinden sollten. Besonders beim Altersdiabetes müsste die Patientenschulung intensiviert werden. Ein Wunsch an die Gesundheitspolitik ist die stärkere Gewichtung des Gesprächs bei Patienten mit chronischen Krankheiten wie eben Diabetes. Die niedergelassenen Ärzte sehen im Spitalsbereich Mankos in der Abstimmung der Behandlung und Beratung auf die individuelle Lebensweise im Alltag. Defizite werden zudem in der Abstimmung der Behandlung auf den ambulanten Bereich sowie der konkreten Gestaltung der Entlassung wahrgenommen.

Schlechte Patientenführung

Gegenseitig teils kritisch beurteilt wird die Behandlungsqualität. Fast ein Drittel der Allgemeinmediziner bewertet die Führung von Patienten mit Typ1-Diabetes als „eher schlecht“. Ein Drittel der Internisten sieht bei den Hausärzten Defizite in der Betreuung des Altersdiabetes. „Zum Internisten kommt eher die Gruppe der Problemfälle“, analysiert Witzmann die Aussagen. „Hausärzte erleben immer wieder Probleme bei der Einstellung auf Insulin.“ Deshalb wären standardisierte Zielvorgaben sinnvoll. „Anstatt gegenseitiger Schuldzuweisung geht es um die Förderung der Kooperation, vor allem bei der Unterstützung der Selbstverantwortung von Patienten“, betont Witzmann. Einig sind sich alle Ärzte, dass gemeinsame Qualitätszirkel zu einer Verbesserung der Versorgung beitragen würden. Einige Potenziale werden zudem bei der Einbindung anderer Berufsgruppen geortet, insbesondere von diplomierten Diätassistentinnen. Forciert werden sollten zudem das Blutzucker-Screening in Risikofamilien sowie Kampagnen in Betrieben.„Mehr als die Hälfte aller niedergelassenen Ärzte wäre bereit, Schulungen für Patienten durchzuführen“, berichtet Witzmann. Der Ball liegt aus seiner Sicht bei den Kassen, die strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen für die Umsetzung schaffen müssten.

Nachholbedarf bei Schulungen

Derzeit läuft in Oberösterreich ein Pilotprojekt, bei dem 20 Ärzte aus verschiedenen Richtungen eingebunden sind. Inzwischen wurden die Daten zur Betreuung von etwa 500 Patienten ausgewertet. Auch bei diesem Projekt zeigt sich klar, „dass gerade bei der Schulung großer Nachholbedarf besteht“, so Witzmann. Getragen wird das Projekt vom Land, der Oberösterreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (OBGAM) und der OÖ Gebietskrankenkasse. Bewusst wurden ländliche Regionen gewählt, da es dort sowohl bei der Aufklärung als auch bei der Behandlung besonderen Nachholbedarf gibt. Im Rahmen des Projekts werden möglichst alle Dienstleister mit einbezogen, das sind außer den niedergelassenen Ärzten die örtlichen Spitäler, Selbsthilfegruppen, die Orthopädieschuhmacher und Fußpfleger. Eingesetzt wird auch hier das Düsseldorfer Modell der Diabetesschulung, das mit vier Schulungseinheiten arbeitet. „Dieses Modell ist am ehesten für eine flächendeckende Umsetzung geeignet“, meint Witzmann und wünscht sich entsprechende konkrete Maßnahmen der gesundheitspolitisch Verantwortlichen.

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