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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Sportmedizin mit Vorsorgeeffekt

In den letzten fünf Jahren wurden in Tirol über 7.200 Jugendliche im Rahmen der Sporttauglichkeits-Untersuchung gescreent. Dieser wichtige Beitrag zur Vorsorge sollte auch in anderen Bundesländern möglich sein.

Seit 1999 steigt die Zahl der Jugendlichen, die von Sportvereinen zu Sporttauglichkeits-Untersuchungen geschickt werden, kontinuierlich an. Im Zeitraum bis 2002 wurden in Tirol über 5.600 auffällige Befunde erhoben: In mehr als 900 Fällen waren es Auffälligkeiten in den unteren Extremitäten. „Gerade bei Fußballern sind in diesem Bereich Verkürzungen der Muskulatur festzustellen“, berichtet Dr. Erwin Zanier, Sportärztereferent der Tiroler sowie der Österreichischen Ärztekammer. Bei 770 Jugendlichen wurden Probleme im Bewegungsapparat, besonders im Bereich der Wirbelsäule festgestellt. 327 Untersuchungen ergaben Auffälligkeiten im HNO-Bereich, in 351 Fällen wurde eine Sehschwäche festgestellt. Auch wenn die Tauglichkeit für Wettkämpfe und regelmäßige Sportausübung meist trotzdem bestätigt werden kann, ist Zanier überzeugt, dass „durch diese Früherkennung in vielen Fällen bleibenden Gesundheitsschädigungen vorgebeugt werden konnte“.
Ein häufiges Thema ist falsche Ernährung, wobei die Jugendlichen durchaus für Ratschläge der Allgemeinmediziner, die diese Untersuchungen durchführen, offen sind. „Gar nicht so selten stellen wir bei den Untersuchungen hohe Cholesterinwerte fest“, berichtet Zanier. Das wachsende Problem des Übergewichts nimmt er eher in seiner Tätigkeit als Schularzt wahr, zu dessen Vermeidung sei regelmäßige Bewegung ein wesentlicher Beitrag. „Wichtig von Seiten der Ärzte ist die Rückkoppelung der Untersuchungsergebnisse zu den Trainern; diese können unsere Ratschläge verstärken“, betont Zanier. Wenn die Trainingsmethoden nicht zu stark auf bestimmte Körperregionen konzentriert sind, wie bei Fußballern die unteren Extremitäten, können dort Überbelastungen vermieden werden. „Bei den Sportkletterern ist es hingegen wichtig, dass die Beine im Training entsprechend berücksichtigt werden“, gibt Zanier ein weiteres Beispiel.

44 Euro Honorar für die Tauglichkeits-Untersuchung

Die Sporttauglichkeits-Untersuchungen werden vom Land Tirol und der Gebietskrankenkasse fi-nanziert. „Vorher haben das viele Kollegen wie ich ehrenamtlich gemacht. Nun werden die Unter- suchungen als wichtige Beiträge etwa zur Vorbeugung von Diabetes und Hypertonie sowie von Problemen im Fettstoffwechsel oder Bewegungsapparat gesehen“, analysiert Zanier. Pro Untersuchung bekommt der Arzt 44 Euro, wobei ein Selbstbehalt von sieben Euro eingehoben wird. „Es geht hier also nicht um Unsummen“, meint Zanier. Er ist seit 1990 Sportärztereferent auf Österreichebene und hat verschiedene Gesundheitsminister kommen und gehen gesehen. Wenn er das Thema ansprach, wurde zwar betont, wie wichtig diese Art der Vorsorge doch wäre und dass es doch kein Problem darstellen könne, sie flächendeckend in ganz Österreich anzubieten. „Es blieb aber bei der geäußerten Begeisterung und leeren Versprechungen; die Geldmittel fließen stattdessen in die ‚ansprechende’ Gestaltung von Gesundheitspässen“, kritisiert Zanier.
In Österreich gibt es derzeit etwas mehr als 1.000 Ärzte für Allgemeinmedizin, die das Diplom für Sportmedizin der Ärztekammer erworben haben. Diese Zusatzausbildung muss in maximal drei Jahren durchlaufen werden. „Auch neben dem Ordinationsbetrieb sind die acht Module sowie die Besuche bei einschlägigen Kongressen in eineinhalb Jahren relativ leicht unterzubringen“, ist Zanier überzeugt. Insbesondere für Wahlärzte wären Sportuntersuchungen bei Jugendlichen eine gute zusätzliche Einkommensquelle. „Allerdings gibt es eben in anderen Bundesländern wenig Bereitschaft der öffentlichen Hand, hier zu investieren. Sportmedizin ist oft eine brotlose Kunst“, bedauert Zanier. Mögliche Einkünfte hängen vom Goodwill der Sportvereine bzw. den finanziellen Möglichkeiten der Familien der jugendlichen Sportler ab.

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