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OA Dr. Michael Peintinger ist an der Abteilung für Anästhesie am KH Gött-licher Heiland in Wien tätig. Er ist Vorsitzender der Ethikkommission.
 
Gesundheitspolitik 24. Mai 2016

Wenn die Pharmafirmen Nein sagen, warum sollten dann nicht auch die Gefängnisärzte Nein sagen?

3 Fragen, 3 Antworten

Der Experte für Ethik in der Medizin, Michael Peintinger, kann sich vorstellen, dass der Schritt des Pharmaunternehmens Pfizer die Fragwürdigkeit der Todesstrafe faktisch untermauert. Der nächste Schritt, eine eindeutige Ablehnung der staatlichen Hinrichtungen, sollte, so hofft Peintinger, von der Ärzteschaft in den USA gesetzt werden.

Wie bewerten sie den Schritt der Pharmawirtschaft?

Peintinger: Ich begrüße das absolut. Was ich positiv finde, ist, wenn die Pharmafirmen die Verwendung untersagen, egal wie durchschlagend jetzt die Wirkung ist, weil es die Fragwürdigkeit der Todesstrafe in den Raum stellt – oder Leute darüber zumindest nachdenken lässt.

Kennen Sie eine vergleichbare Wortmeldung zu Todesstrafe oder Folter aus der Ärzteschaft?

Peintinger: Der Weltärztebund WMA hat zumindest zur Thematik „Beihilfe der Ärzte bei Foltern“ eine Stellungnahme herausgegeben (Anm.: in einem Brief an den saudi-arabischen König gegen die Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi). Diese Sensibilität würde ich auch bei der Todesstrafe begrüßen. Die Frage müsste man aber auch an die American Medical Society richten. Kann man sich dort zu einer dezidierten Absage an die Todesstrafe durchringen, oder bleibt man auf dem Standpunkt, dass die Beteiligung eines Arztes die humanste Lösung ist, wenn es denn schon sein muss. Dahinter steht die Frage, ob die Gesellschaft humaner werden würde, oder ob gewisse Staaten nüchtern feststellen: Wir machen ein Erschießungskommando.

Sie glauben an eine Wende zum Besseren?

Peintinger:Was ich mir vorstellen könnte, ist, dass, wenn die Pharmafirmen Nein sagen, die Gefängnisärzte auch sagen, dass sie nicht mehr tätig werden können, weil es keine Mittel mehr gibt. Davon kann man ja theoretisch ausgehen. Wenn uns das nun, in Kombination mit den ökonomischen Aspekten, die in den USA diskutiert werden, wieder eine Schraubendrehung weiter bringt, nämlich, dass der eine oder andere Bundesstaat von der Todesstrafe absieht, dann wäre das ein Erfolg – dies zumindest als optimistische Sichtweise.

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