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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Ärztlicher Rat als Orientierungshilfe

In der oberösterreichischen Region Rohrbach gibt es seit langem eine „Arbeitsgemeinschaft sozialer Dienste“, die interdisziplinär organisiert ist. Hausärzte sind als Berater für die verschiedenen Angebote besonders gefragt.

Laut aktuellen Analysen wird es 2010 bereits in jeder vierten Familie einen pflegebedürftigen Angehörigen geben. 80 Prozent der Pflege finden im familiären Umfeld statt, zum Großteil von Frauen durchgeführt. „Ein großes Problem dabei ist, dass sich viele Angebote rein auf die Behandlung von Krankheiten konzentrieren oder auf den medizinischen Umgang mit speziellen Pflegesituationen“, sagt Dr. Franz Burghuber, Arzt für Allgemeinmedizin in Rohrbach. Deutlich zu kurz komme die Vorsorge: „Körperliche, geistige und seelische Fitness sollten gezielt gefördert werden.“ Viele Folgeprobleme ließen sich so vermeiden. „Sinnvoll wäre, den Vorsorgeansatz des Mutter-Kind-Passes in diesem Bereich fortzuführen“, meint Burghuber. Er wünscht sich vom Gesundheitsministerium konkrete Taten zu den Worten der zuständigen Ministerin Maria Rauch-Kallat. Der neue „Schulpass“ sei zu wenig, sie habe spezialisierte Gesundheitspässe für verschiedene Altersgruppen angekündigt.
Eine wichtige Zielgruppe sind aus Burghubers Sicht die pflegenden Angehörigen: „Viele Familien haben eine große Scheu, Fremde in den privaten Bereich zu lassen, oder meinen, sie müssten doch alles selbst schaffen können.“ Manchmal werde nicht einmal das Pflegegeld in Anspruch genommen. Die unterstützenden Maßnahmen reichten nicht aus, vor allem bei der umfassenden Beratung und Begleitung. Diese sei in Bezug auf die Förderung der Eigenverantwortung von Menschen mit Pflegebedarf, chronischen Krankheiten, Behinderungen, psychosozialen oder psychiatrischen Problemen von besonderer Bedeutung. „Hausärzte sollten die verschiedenen Angebote überblicken, um entsprechende Beratung bieten zu können“, meint Burghuber. In der Region Rohrbach gibt es seit langem eine „Arbeitsgemeinschaft sozialer Dienste“, die auch regelmäßige interdisziplinäre Gespräche organisiert bzw. in Broschüren und via Internet informiert, wer was anbietet. „Die Regelmäßigkeit der Kontakte ist zum einen die Grundlage einer guten Kooperation und hilft weiters dem Arzt, zu entscheiden, welchen Rat er geben soll“, betont der Allgemeinmediziner. Mit einigen Anbietern gebe es inzwischen die Vereinbarung, dass im Bedarfsfall Gespräche möglich sind, bei denen neben Arzt und Patient auch ein Mitarbeiter, z.B. einer psychosozialen Beratungsstelle, dabei ist. Diese Art der Koordinierung werde allerdings weder finanziell abgegolten noch institutionalisiert gefördert.
Als vorbildliche Beratungsstelle, wie ganzheitliche Beratung aussehen kann, gilt das „Arcus Sozialnetzwerk“, das seit dem Jahr 2000 im Großraum Oberes Mühlviertel tätig ist. Neben mobiler Hilfe, Beratung und Unterstützung für ältere Menschen sowie Personen mit psychiatrischen Krankheiten wird, regional orientiert, mobile Familienunterstützung, Wohnbegleitung und Freizeitgestaltung für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige angeboten. Die Beratungsstelle „Mikado“ richtet sich speziell an Kinder und Jugendliche sowie deren Familien. Neben psychologischer Beratung wird Abklärung durch einen Facharzt für Psychiatrie oder einen Psychotherapeuten geboten. Weiters im Programm sind mobile, nachgehende Betreuung und Beratung zu Hause. Gefördert wird weiters die Entstehung und die Arbeit von Selbsthilfegruppen. „Wir haben eine sehr gute und intensive Kooperation, vor allem auch mit den Allgemeinmedizinern der Region“, unterstreicht Geschäftsführer Franz Stadlbauer: „Unser Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität der Menschen und langfristig ihre eigenständige Lebensorientierung ohne Hilfe von außen.

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