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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Geld für den Hausarzt als Koordinator

Im „Dschungel“ diverser Angebote von Gesundheits- und Sozialleistungen muss sich der Hausarzt immer mehr behaupten. Als Koordinator, z.B. in der Betreuung von Menschen mit Behinderung, kann er die richtigenWeichen stellen.

„In Oberösterreich gibt es seit kurzem einen Zuschlag für Koordinierungstätigkeiten“, berichtet Dr. Helmut Heiter, Arzt für Allgemeinmedizin in Gaspoltshofen und Präsident des Hausärzteverbandes für Oberösterreich. „Allerdings ist dieser mit etwa 10 Euro deutlich unterdotiert, kann nur in maximal sechs Prozent der Fälle sowie einmal pro Patient und Quartal verrechnet werden.“ Oft bedeutet koordinierende Tätigkeit aber deutlich mehr Aufwand und auch mehrmalige Begleitung. Denn mit der Vielfalt an Angeboten im Gesundheits- und Sozialbereich sind immer mehr Patienten und Angehörige überfordert.
„Wir brauchen – jeweils auf den aktuellen Stand gebrachte – Organigramme mit den Anbietern in einer Region. Deren Angebote müssen dann noch jeweils auf den konkreten Patienten und seine individuelle Situation umgelegt werden“, meint Heiter. Der Hausarzt würde hier eine wesentliche Rolle als Vermittler und Drehscheibe spielen. Dies sei aber nicht immer so leicht, da es öfters am Engagement Einzelner liege oder am Zufall, ob der Hausarzt von spezialisierten Angeboten erfährt oder nicht. „Der Hausarzt könnte sich auch bei regionalen Koordinierungsgesprächen einbringen“, meint Heiter.

Arbeit mit Behinderten

Die Aufgabe als „Drehscheibe“ hat bei der Begleitung von Menschen mit Behinderungen für den Allgemeinmediziner besondere Bedeutung: Es würde viel von Selbstbestimmtheit gesprochen und Stärkung der eigenen Kompetenzen. „Dazu gehört eine entsprechende Unterstützung, eine Haltung, die diesen Ansatz ernst nimmt“, so Heiter. Er betreut Patienten in einer Einrichtung der „Assista“, in der Menschen mit mehrfacher Körperbehinderung leben. Freie Arztwahl ist dort selbstverständlich. Im Umgang mit diesen Menschen ist für Heiter wichtig, die Intimsphäre zu wahren: „Oft ist bei den Besuchen eine diplomierte Schwester dabei, es gibt aber Themen, die der Patient mit mir alleine besprechen möchte.“ Grundsätzlich sollten „Behinderte“ so wie alle anderen Patienten behandelt werden.
Selbstbestimmung zählt„Assista“ hat sich aus dem Projekt „das Dorf“ in Altenhof entwickelt. „Wir drücken mit dem Namen aus: Menschen mit Behinderung haben ein hohes Maß an Selbstständigkeit, wir assistieren“, so Dr. Heinz Mairhofer, Geschäftsführung für „externe Projekte“ und pädagogischer Leiter von Assista. Als wichtige Maßnahme zur Eigenständigkeit sieht er das im neuen Chancengleichheitsgesetz vorgesehene Recht auf ein Mindesteinkommen. Der Paradigmenwechel in der oberösterreichischen Behindertenpolitik wird bei Assista umfassend umgesetzt. Das „Dorf“ wird verkleinert, in den frei werdenden Räumlichkeiten ein innovatives Projekt verwirklicht: eine soziale Rehabilitation für Menschen mit schweren Schädel-Hirn-Verletzungen.

Betreuung nach Rehabilitation

„Nach dem Aufenthalt im Rehab-Zentrum gibt es derzeit eigentlich keine Angebote, die Wirkung verpufft oft“, so Mairhofer. In der neuen Einrichtung wird in einem maximal zwei Jahre langen stationären Aufenthalt die motorische Fähigkeit wieder aufgebaut. Vor allem geht es auch um die Unterstützung der sozialen Kompetenzen; Ziel ist, dass die Betroffenen wieder eigenständig leben können. Im Rahmen der „Wohnoffensive“ des Landes (siehe Kasten) werden von Assista an mehreren Orten dezentrale Wohneinheiten geschaffen. „Wir haben schon seit 26 Jahren eine sehr starke Bewohnervertretung – diese hat den gesamten Prozess der Verkleinerung und Dezentralisierung von Anfang an mitgetragen und mitbestimmt“, betont Mairhofer. Die nötige mobile medizinische und soziale Unterstützung wird zum Teil selbst von Assista aufgebaut, zum Teil mit Angeboten und Dienstleistern vor Ort kooperiert.

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