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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Netzwerk unterstützt Hausärzte

In Oberösterreich gibt es seit zwei Jahren einen psychosozialen Betreuungsplan. Dieser soll Menschen mit psychosozialen Schwierigkeiten oder (ehemaligen) Patienten aus dem psychiatrischen Bereich eine Betreuung am Lebensort ermöglichen.

Die Grundsätze im psychosozialen Plan klingen gut: mobil vor stationär, am unmittelbaren Lebensraum orientiert, regionale Netzwerke nutzend. Allerdings haben die Leistungsanbieter Schwierigkeiten bei der langfristigen Planung. „Das Verhältnis zwischen Anbietern und öffentlicher Hand muss noch genauer geklärt werden“, meint Mag. Christian Rachbauer, Geschäftsführer von pro mente Oberösterreich. Einerseits werden Leistungen ausgelagert, andererseits ist es oft schwierig oder unmöglich, langfristige Finanzierungszusagen zu bekommen. Die Höhe der Budgets hängt oft am Goodwill einzelner Politiker.
Die Betreuung von Menschen mit psychiatrischen Krankheiten und psychosozialen Problemen braucht laut Rachbauer ein Netzwerk der Betreuung. „Wobei es immer öfter vorkommt, dass Pflegebedürftigkeit mit psychosozialen Problemen kombiniert ist“, analysiert DGKS Eva Keferböck, Pflegedienstleiterin im Hilfswerk für OÖ. Bei immer mehr Klienten werde daher eng mit pro mente zusammengearbeitet.„Ich bin davon überzeugt, dass gerade bei psychosozialen Problemen oder im Bereich der psychiatrischen Nachsorge eine gemeindenahe und am Lebensraum des Patienten orientierte Betreuung wichtig ist“, meint Dr. Johannes Hammerle, Gemeindearzt in Schönau (Mühlviertel). Der Hausarzt spielt als direkter Ansprechpartner sowie Teil eines stützenden Netzwerks eine wichtige Rolle.
Pro mente will dazu beitragen, dass nicht psychiatrische Ressourcen von Gemeinden stärker genutzt werden und eine Versorgung im Lebensumfeld verwirklicht wird. „Jeder Ort hat Ressourcen im Arbeits-, Wohn- und Freizeitbereich. Oft kann ein wichtiger Teil der Betreuung und Begleitung dort erfolgen“, unterstreicht Rachbauer. Die Klientenanzahl in stationären Einrichtungen von pro mente soll reduziert werden und die frei werdenden personellen Kapazitäten für die Kontaktarbeit und das gemeinsame Case-Management mit Gemeinden genutzt werden. Ein vorbildhaftes Projekt ist die Unterstützung der „Mühlviertler Alm“. Dieser Zusammenschluss von neun Gemeinden setzt nicht nur Akzente im Tourismussektor, sondern auch zur Integration. „Es geht darum, Menschen mit psychosozialen Schwierigkeiten und psychiatrischen Erkrankungen in den Gemeinden zu integrieren, also im Berufs-, Freizeit- und Sozialbereich“, so Rachbauer. Bei diesem Vorzeigeprojekt sind auch Wirtschaftsbetriebe der Region involviert, die zum einen finanziell beitragen und zum anderen entsprechende Arbeitsplätze anbieten. Auch das Land unterstützt das Projekt finanziell.

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Individuelle Unterstützung

Gemeinsam mit dem Klienten wird ein individueller Unterstützungskreis aufgebaut. In diesem können neben dem Hausarzt die Eltern, Geschwister, Freunde, ehemalige ArbeitskollegInnen, regionale Politiker, Freunde, Nachbarn, Vermieter, Laienhelfer, Hauskrankenschwestern, Gastwirte, Lehrer und andere vertreten sein. „Dieses Projekt ist sehr positiv und setzt den Gedanken der Integration sehr gut um“, meint Hammerle. Eine Unterstützung, die im unmittelbaren Lebensumfeld ansetzt, habe besonders nachhaltige Effekte. Die Arbeit des Hausarztes, der immer wieder mit psychosozialen Problemen zu tun hat, wird so unterstützt und erleichtert. Ein wichtiger Aspekt, „der in diesem Projekt auch berücksichtigt wird“, ist laut Hammerle die Aufklärung des Umfeldes, in die so ein Patient hineingestellt wird.

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