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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Lobby für eine halbe Million geriatrische Patienten

Etwa eine halbe Million Menschen in Österreich brauchen geriatrische Betreuung. Ein neuer Verband fordert umfassende Änderungen.

Der „Verband Geriatrischer Krankenhäuser Österreichs“ (VGKÖ) vertritt jene geriatrischen Krankenhäuser in Österreich, die nicht nur Pflege, sondern auch medizinische und rehabilitative Langzeit-Betreuung bieten. Bei einer Pressekonferenz thematisierten dessen Proponenten Fairness für rund 500.000 geriatrische Langzeit-Patienten. Deren Diskriminierung sei weithin unbekannt.

Ziele des Verbandes

Gegründet wurde der VGKÖ als gemeinnütziger Verein im Jänner 2004 vom „Geriatrischen Krankenhaus der Stadt Graz“ und dem Wiener „Haus der Barmherzigkeit“. Ziele sind die Gleichstellung von geriatrischen Krankenhäusern bei der Finanzierung sowie einheitliche Standards für Betreuungseinrichtungen. Der Verband will konkrete Lösungsansätze für die geplante Gesundheitsreform einbringen: einerseits die Erarbeitung eines geriatrischen Gesundheits- und Sozialplanes (Alten-Gesundheitsplan), andererseits die Schaffung eines geriatrischen Krankenanstaltenplanes. „In Österreich gibt es Regionen, die diesbezüglich gänzlich unterversorgt sind“, so der VGKÖ. Geriatrische Patienten sind pflegebedürftig und ein hoher medizinischer Aufwand ist erforderlich. Laut VGKÖ werden alte chronisch kranke Menschen vor allem bei längerer Pflegebedürftigkeit gegenüber jüngeren diskriminiert. So werde zum Beispiel die Aufenthaltsdauer in einem „normalen“ Akutkrankenhaus nur bis zu einer maximalen Dauer ersetzt. Bei Überschreitung ist der Sozialversicherungsträger vom Kostenersatz befreit.

Problem Sozialversicherung

Wird die „maximale Dauer“ überschritten, übernimmt der Sozialversicherungsträger auch keinen Kostenersatz auf Rehabilitation. Der Betroffene hat einen theoretischen Anspruch auf Sozialhilfe, die wiederum Landessache ist. Der VGKÖ sieht das Problem bei den Sozialversicherungsträgern: „Die geriatrische Rehabilitation im Sinne einer Funktionserhaltung bei alten Menschen wird schlichtweg ignoriert“, kritisiert der Obmann Prof. Dr. Christoph Gisinger, Internist am AKH-Wien. Es sei an der Zeit, einen Rechtsanspruch auf geriatrische Rehabilitation festzuschreiben.„Geriatrische Krankenhäuser arbeiten in Österreich zum Teil gratis. Sie leisten ärztliche und therapeutische Betreuung, weil sie rechtlich vorgeschrieben und medizinisch notwendig ist. Kostenersatz wird nur für Heilmittel und Konsiliarleistungen gestattet. Die Differenz müssen oder sollen sie durch Almosen oder Budgetabgang ausgleichen“, erklärte der Schriftführer Dr. Wolfgang Huber. „Es muss endlich eine faire Kostenübernahme für medizinische Leistungen in den bereits bestehenden geriatrischen Krankenhäusern geben.“ Außerdem besteht in Österreich eine relativ hohe Zahl von Krankenhausbetten im Akutbereich. Gleichzeitig besteht ein eklatanter Mangel an Betten für chronisch erkrankte Patienten. Laut VGKÖ ist der Versuch, akutgeriatrische Abteilungen zu schaffen, ein erster Schritt. „Aufgrund der Kostenstruktur sollten aber wirtschaftliche Mindestgrößen bedacht werden“, so Huber. Als weitere Forderung an den Gesetzgeber hat der VGKÖ einen einheitlichen Begriff für geriatrische Pflegeeinrichtungen auf seiner Liste.

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