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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Was Ärzte im Gesundheits- und Sozialservice tun können

Vernetzung im Gesundheits- und Sozialbereich ist ein Gebot der Stunde. Ärzte können dann zielgerichtet agieren, wenn das Netzwerk insgesamt funktioniert.

„In der Gesundheitsversorgung haben die Faktoren Vorsorge und Hilfe zur Selbsthilfe im Vergleich zur Betreuung rund um die Uhr an Bedeutung zugenommen“, analysiert Mag. Bernhard Gruber, der bei der Volkshilfe Oberösterreich für den Bereich mobile Pflege und Betreuung zuständig ist. Die Volkshilfe konzentriert sich auf die Arbeit in den Regionen und hat zahlreiche dezentrale Anlaufstellen, die stärker als bisher den Kontakt zu Hausärzten suchen. „Sie können eine wichtige Funktion als Drehscheibe haben“, ist Gruber überzeugt.

Kritische Stimmen

Seit 1998 gibt es zwar in jedem Bezirk im Land ob der Enns Sozialberatungsstellen, die eine Art Clearingfunktion übernehmen sollen. Im Bereich Altenhilfe ist dieses Konzept teilweise schon aufgegangen, allerdings gibt es auch kritische Stimmen. So merkt etwa Rektor Dr. Gerhard Gäbler vom Diakoniewerk in Oberösterreich, das selbst eine solche Stelle betreut, an: „Es ist oft zu wenig, jemanden, der einen Platz in einem Heim sucht, einfach zur Gemeinde weiter zu schicken – das ist noch keine Vernetzung oder individuelle Betreuung.“ Laut Gäbler haben die Sozialberatungsstellen für eine wirkliche Begleitung zu wenig Ressourcen. Das bestätigt auch eine Evaluierung des Landes, wonach die Niederschwelligkeit des Angebots noch ausbaufähig ist. Das Diakoniewerk baut seine Heime übrigens derzeit zu Kompetenzzentren aus, die auch mobile Beratung und Therapie anbieten bzw. mehr tagesstrukturierende Angebote.

Förderung der Vernetzung

Ein Beispiel für gelungene Vernetzungsarbeit ist Steyr. Der Arzt für Allgemeinmedizin Dr. Michael Schodermayr hat dort maßgeblich an der Gründung des Vereins „Gesundheits- und Sozialservice“ mitgewirkt. „Wir sind eine Art Sozialmedizinischer Betreuungsring (siehe ÄRZTE WOCHE Nr. 5 vom 11.2.), der die Vernetzungsarbeit massiv fördert, die Sozialberatungsstelle betreibt und für die Region einen Sozialplan inklusive Leitbild für die nächsten zehn Jahre erstellt.“ Die Stadt Steyr hat die Mittel der Sozialberatungsstelle so aufgefettet, „dass tatsächlich eine Art Case-Management möglich ist“. Es kommen, so Schodermayr, vor allem PatientInnen mit vielschichtigen Problemen oder solche, denen es nicht gelingt, den dichten Dschungel an Versorgungs- und Begleitangeboten zu durchdringen. „So konnten wir auch oft Delogierungen verhindern“, berichtet der Allgemeinmediziner.

Entlastung für den Hausarzt

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit des Vereins ist die Vernetzungsarbeit: „Durch regelmäßige Treffen behalten alle den Überblick, welche Angebote es gibt und wo Menschen mit speziellen Problemen tatsächlich Unterstützung bekommen.“ Dies bringe auch eine Entlastung für den Hausarzt. Eine aktuelle Übersicht aller Angebote gibt es auch in schriftlicher Form.„Natürlich ist es nötig, dass ich als Arzt die erhaltenen Informationen auch verarbeite und in meine tägliche Praxis einbeziehe“, betont Schodermayr, „die Qualität der Versorgung steigt aber deutlich.“ Und der Arzt habe dadurch mehr Unterstützung bei Patienten mit vielschichtigen Problemen.

Innovative Projekte

Neben der Vernetzungsarbeit sind innovative Projekte gefragt, um auf die aktuellen Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialbereich entsprechend reagieren zu können. Die Volkshilfe in Steyr, bei der Schodermayr im Vorstand mitwirkt, betreibt unter anderem ein Tagespflegezentrum für Menschen mit Demenz. Ein vorbildhaftes Projekt ist weiters die mobile Pflegeberatung mit einer diplomierten Krankenschwester: „Hier geht es nicht um die Leistung an sich, sondern die gute Vorbereitung, die ganzheitliche Unterstützung der Pflegenden und ihrer Angehörigen“, berichtet Schodermayr. Ein weiteres Projekt nennt sich „Stufe und Schwelle“. Dabei werden sowohl Bauträger als auch Einzelpersonen und ebenso Ordinationen bei der barrierefreien Planung von Neu- und Umbauten beraten. Unterstützt werden auch Patienten, z.B. nach einem Schlaganfall, bei der entsprechenden Adaption der Wohnung.

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