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© Christian Husar

Prof. Dr. Robin Rumler Vizepräsident der Pharmig, Pfizer Corporation Austria

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

©  Christian Husar

Mag. Martin Munte Amgen GmbH, neuer Präsident der Pharmig

 
Gesundheitspolitik 11. Mai 2016

Transparenz! – das Motto des neuen Pharmig-Präsidenten

Nach sechs Jahren übergibt Robin Rumler den Platz an der Spitze der Pharmaindustrie an Amgen-Österreich-Chef Martin Munte.

Zusammenarbeit ist ein Muss. Die Pharmig leistet dazu ihren Beitrag

„Zumindest die Lebensqualität durch Medikamente ist ganz entscheidend angestiegen.“

Als ich vor sechs Jahren das Amt des Pharmig-Präsidenten übernahm, habe ich mir überlegt: Wofür stehe ich? Welche Ziele stelle ich mir, um die Pharmaindustrie weiterzuentwickeln? Bei meiner Antrittsrede habe ich dann auf einem Chart folgende Punkte formuliert:

Die Lebenserwartung weiter steigern. Das ist uns gelungen. Sie ist von 80,3 inzwischen auf deutlich über 81 Jahre angestiegen, wir haben in den vergangenen sechs Jahren also weit mehr als ein zusätzliches Jahr gewonnen.

Ist auch die Lebensqualität weiter gestiegen? Zumindest die Lebensqualität durch Medikamente ist ganz entscheidend angestiegen. Natürlich bestimmen Medikamente nicht alleine die Lebensqualität, wer aber darauf angewiesen ist, der weiß es zu schätzen, wenn zum Beispiel Immuntherapien bei Krebs zur Verfügung stehen, wir plötzlich Hepatitis C heilen oder bei Rheuma weitaus bessere Medikamente anbieten können.

Wir haben uns besonders auch dem Thema „seltene Erkrankungen“ angenommen und etwa allein im Vorjahr in diesem Bereich 14 neue Produkte auf den Markt gebracht.

Apropos Innovationen: Wir haben uns 2010 auch vorgenommen, viele moderne Medikamente zu entwickeln. Das ist uns zweifelsohne gelungen: In den vergangenen sechs Jahren wurden mehr als 150 komplett neue Produkte zugelassen. Derzeit laufen 500 klinische Studien mit über 6.000 Patienten. Damit liegen wir im europäischen Vergleich deutlich über dem Durchschnitt. Unsere Pipelines sind also gut gefüllt. Darauf dürfen wir wirklich stolz sein. Gleichzeitig stehen wir aber vor der Herausforderung, aufzeigen zu müssen, was diese neuen Medikamente auch dazu beitragen können, Kosteneinsparungen für das Gesundheitswesen zu bringen.

Schließlich hatte ich mich 2010 noch gefragt: Schaffen wir es, ein partnerschaftliches Denken an die Stelle des Silodenkens zu setzen? Diese Bilanz fällt gemischt aus. Wir haben nach wie vor definitiv sehr starke Partikularinteressen, schließlich ist jedem Einzelnen das Hemd näher als der Rock. Gleichzeitig wissen wir aber auch: Wir müssen zusammenarbeiten. Und als Pharmig versuchen wir, dazu unseren Beitrag zu leisten.

Ein Beispiel dafür ist der viel gelobte Rahmen-Pharmavertrag. Seine Verlängerung bis 2018 haben mich persönlich zwar einige Monate an Lebenserwartung gekostet, aber wir haben es schließlich doch geschafft und ein extrem gutes Produkt präsentiert. Wir haben 2011 auch das Gremium Gesundheitsziele ins Leben gerufen. Heute laufen in diesem Rahmen 49 Projekte für Kindergesundheit und Prävention, jedes einzelne mehr als 100.000 Euro wert. Da ist etwas gelungen, wo man in der Welt wirklich suchen kann, ob man Vergleichbares findet.

Gleiches gilt auch für die Initiative Arznei und Vernunft. All diese Beispiele zeigen, was wir erreichen können, wenn wir wollen – und wenn wir dafür alle gemeinsam arbeiten.

Forschung und Entwicklung ist sehr kostenintensiv und risikoreich

„Wir sind eine enorm leistungsstarke Industrie, bringen den Patienten viel Benefit.“

Den von meinem Vorgänger geprägten Kurs der Partnerschaftlichkeit werde ich weiterverfolgen. Wir werden auch weiterhin gemeinsam für die Gesundheitswirtschaft arbeiten, den Forschungsstandort attraktiv halten und ausbauen, weitere klinische Studien nach Österreich bringen.

Meine Präsidentschaft stelle ich unter das Motto „Transparenz“. Als einen ganz wesentlichen Schritt zu noch mehr Transparenz sehe ich die Veröffentlichung aller geldwerter Leistungen, die wir als Pharmaunternehmen an die Angehörigen der Fachkreise zahlen, spätestens ab 1. Juli 2016 auf unseren Homepages.

Ein zweiter Punkt betrifft die Transparenz bei Innovationen. Wir sind eine enorm leistungsstarke Industrie, bringen den Patienten viel Benefit. Das müssen wir auch kommunizieren. Hier waren wir in der Vergangenheit vielleicht ein bisschen zu defensiv, wollen zukünftig aktiver werden. Wir möchten die Stakeholder schon frühzeitig in die Prozesse einbinden, gemeinsam die Themen weiterentwickeln und darauf achten, das System leistungsstark zu halten.

Forschung und Entwicklung ist sehr kostenintensiv und risikoreich, Pharmaunternehmen geben 15 bis 20 Prozent ihres Umsatzes dafür aus. Forschungsprojekte dauern im Durchschnitt zwölf Jahre und am Ende, nachdem zwischen 5.000 und 10.000 Substanzen gescreent wurden, schafft es eine einzige bis zur Zulassung.

Transparenz ist aber auch wichtig bezüglich der Arzneimittelkostenentwicklung: Im letzten Jahr verzeichneten wir eine Ausgabensteigerung von insgesamt 5,4 Prozent. Wenn man sich dazu die aktuellen Zahlen ansieht – im ersten Quartal 2016 sind die Kosten um nur knapp ein Prozent gestiegen – dann lässt sich daraus erkennen, dass die prognostizierte Explosion der Kosten im Arzneimittelbereich nicht stattgefunden hat.

Von unserer Seite her werden wir unsere Ankündigung größter Transparenz in all den genannten Bereichen einhalten. Machen Sie mich dafür verantwortlich. Transparenz funktioniert allerdings niemals einseitig. Transparenz nur von unserer Seite ist zu wenig, alle unterschiedlichen Stakeholder im Gesundheitssystem sollten sich dazu verpflichten.

Frau Bundesministerin Dr. Oberhauser hat gesagt: „Gemeinsam können wir es schaffen.“ Das ist ganz in unserem Sinn. Daher bitte ich alle Partner: Reden wir frühzeitig und aktiv miteinander, sobald ein Thema ansteht.

Seitens der Politik ist es uns darüber hinaus aber auch wichtig, langfristig planbare Verhältnisse vorzufinden. Mit planbar meine ich nicht ein oder zwei Jahre, Konzernentscheidungen werden auf fünf oder zehn Jahre im Voraus getroffen. In diesem Sinn schließe ich mit einer langfristigen Ankündigung:

Mein Ziel ist es, den Rahmen-Pharmavertrag über das Jahr 2018 hinaus zu verlängern. Ich möchte fortführen, was hier in der Vergangenheit aufgebaut wurde. Das ist mir ein großes Anliegen.

Gemäß Statuten durfte Prof. Dr. Robin Rumler nach zwei Amtsperioden nicht mehr zur Wahl des Pharmig-Präsidenten antreten. Dieser vertritt die Interessen von 120 Unternehmen – 95 Prozent der gesamten heimischen Pharmabranche. In diesen Unternehmen sind 18.000 Mitarbeiter beschäftigt, 75 Prozent davon in produzierenden Betrieben. Rumlers Nachfolger, Mag. Martin Munte, Österreich-Geschäftsführer des Biotech-Konzerns Amgen kann auf eine gute Gesprächsbasis mit den maßgeblichen Playern im Gesundheitswesen aufbauen. So ließ es sich etwa Gesundheitsministerin Dr. Sabine Oberhauser (SPÖ) nicht nehmen, zur Pharmig-Generalversammlung zu kommen, um dem nunmehrigen Past-Präsidenten Rumler Rosen zu streuen: „Ich habe die immer Zusammenarbeit sehr geschätzt“, sagte Oberhauser, „weil wir einen guten, konstruktiven Umgang miteinander hatten. Es war ein Spielen, aber ein Spielen mit offenen Karten.“ Vor allem der seit 2008 laufende und Ende des Vorjahres nach zähen Verhandlungen und Drohungen eines Scheitern von beiden Seiten bis 2018 verlängerte Pharma-Rahmenvertrag sei im Sinne der Sozialpartnerschaft und ein gutes Beispiel dafür, was sich mit Zusammenarbeit zwischen Industrie und Politik „weiterbringen lässt“. Oberhauser weiter: „Von meiner Seite steht der Verhandlungstisch bereit, ist meine Hand offen, nicht nur, um Geld von der Industrie zu nehmen, sondern für eine gute und faire Zusammenarbeit.“

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 19/2016

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