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Gesundheitspolitik 1. Dezember 2005

Nachbarschaftshilfe in Gefahr

Sozialmedizinische Betreuungsringe (SMB) sorgen in vielen oberösterreichischen Regionen für eine sehr am Lebensraum der Patienten orientierte Betreuung. Das Heimhilfegesetz stellt für diese Arbeit aber ein Problem dar.

In Oberösterreich gibt es insgesamt 30 SMB. Davon sind 15 als „Gesundheitsplattform“ organisiert. Sie bieten also keine eigenen Dienste an, sondern versuchen, vorhandene Angebote zu koordinieren.„Vom Gesetz her sind in den Sozialhilfeverbänden zwar auf Bezirksebene Fachkonferenzen vorgesehen, dort treffen sich aber nicht die Personen, die vor Ort auf regionaler Ebene zusammenarbeiten“, analysiert Mag. Alois Alkin, der in der oberösterreichischen Ärztekammer die Aktivitäten der SMB betreut. Die SMB nehmen also das aktuelle Konzept der Lebensraumorientierung sehr ernst. „Und nur regelmäßige Treffen bewirken, dass wirklich erkennbar wird, welche Angebote es vor Ort gibt oder wie bestimmte Fälle am besten zu betreuen sind“, so Alkin.

In Betreuungsringen spielen Hausärzte eine zentrale Rolle

In den SMB spielen Hausärzte meist eine zentrale Rolle. „Es gehört aus meiner Sicht zu unserem Berufsbild, dass wir uns auch um die soziale Versorgung kümmern“, erklärt Dr. Ernst Ehrenbrandtner, Gemeindearzt in Unterweißenbach. Er ist auch Obmann des SMB der Region, in der sechs Gemeinden versorgt werden. „Wir haben eine diplomierte Krankenschwester sowie eine Heimhelferin angestellt.“ Dazu kommen je nach Bedarf bis zu 25 Laienhelfer (zumeist Frauen), die über freie Dienstverträge verschiedene Tätigkeiten übernehmen: Unterstützung bei der Pflege und im Haushalt, Besuchsdienste, Ausflüge usw. Einige SMB sind auch in den Bereich des betreubaren Wohnens eingestiegen. Ehrenbrandtner und Alkin sind sich einig, dass in SMB engagierte Allgemeinmediziner davon viel profitieren. „Zunächst das Wissen, was es in der Region überhaupt gibt – manchmal werden neue Angebote geschaffen, von denen viele Kollegen auch zwei Jahre nach Einführung noch nichts wissen, und das nicht aus bösem Willen“, so Alkin. Wissen und regelmäßige Begegnung fördert auch die Kooperation. Der Ärztekammer ist es bei den aktuellen Verhandlungen gelungen, mehr Geld für koordinierende Tätigkeiten von Hausärzten zu bekommen. Gerade angesichts der Trends in der Bevölkerungsentwicklung nehmen diese Bereiche stark an Bedeutung zu. Durch die regelmäßigen Treffen entstehen auch neue Formen der Zusammenarbeit. „Die Ärztekammer bietet bei der Gründung eines SMB natürlich Unterstützung, außerdem gibt es eine jährliche Tagung“, erklärt Alkin.
Dass die Arbeit der SMB auch von offizieller Seite sehr geschätzt wird, zeigt sich auch darin, dass in einigen Regionen wie im Bezirk Freistadt die Arbeit mit finanziellen Zuschüssen unterstützt wird.

Gesetz bringt SMB in eine schwierige Lage

Das seit dem Vorjahr gültige Heimhilfegesetz bringt aber die SMB in eine schwierige Situation. „Das Gesetz ist sehr weit formuliert, umfasst alle Tätigkeiten, die Menschen in der Lebens- und Haushaltsführung unterstützen.“ Grundlage für die/den HeimhelferIn ist eine 400-stündige Ausbildung.
„Mit diesem Gesetz wird ein Bereich in Gefahr gebracht, wo es letztlich um organisierte Nachbarschaftshilfe geht“, kritisiert Ehrenbrandtner. „Da es sich meist um geringfügige Werkverträge handelt, überlegen viele Laienhelferinnen, ob sie sich eine solche umfassende Ausbildung antun“, berichtet Alkin. Noch dazu gibt es für Heimhelfer derzeit eigentlich etwa in Alters- und Pflegeheimen kaum oder keine Jobs, verlangt wird meist die Aufschulung zur Altenhelferin. „Viele Laienhelferinnen verstehen den Sinn der neuen Regelung nicht: Sie haben selbst viel Erfahrung in Haushaltsführung und können sich nicht vorstellen, dass sie für Bereiche, die sie bisher problemlos bewältigt haben, auf einmal 400 Stunden Ausbildung brauchen“, fasst Alkin zusammen. Einige SMB überlegen, ob sie ihre Angebote so wie bisher überhaupt noch aufrechterhalten können. Die Arbeit der SMB und alle Angelegenheiten der häuslichen Versorgung werden seit Jahresanfang 2004 durch das neue Institut für medizinisches Schnittstellenmanagement unterstützt, das von Ärztekammer-Präsident Dr. Otto Pjeta geleitet wird.

Informationen zu den Sozialmedizinischen Betreuungsringen in Oberösterreich:
http://www.aekooe.or.at
(Vereine/Sozialmed. Betreuungsringe)
Oö. Ärztekammer, Dinghoferstr. 4,
4020 Linz, Tel. 0732/77 83 71–0
E-Mail:

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 5/2004

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