zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Aus für einzige AIDS-Intensivstation?

Die für März 2004 geplante Sperre der AIDS-Intensivstation im Wiener Otto Wagner Spital gefährdet die medizinische Versorgung von HIV-infizierten Patienten. Und provoziert Protest.

Nach der kürzlich erfolgten Bekanntgabe des Wiener Krankenanstaltenverbundes, dass die international anerkannte AIDS-Intensivstation der 2. Internen Abteilung im Wiener Otto Wagner Spital mit 1. März 2004 geschlossen werden soll, erfolgte sowohl in der medizinischen Landschaft Österreichs als auch unter den direkt betroffenen Menschen, die mit HIV leben müssen, ein Aufschrei der Entrüstung. Die auch in Österreich immer größer werdende Zahl an HIV-positiven Patienten macht sich zu Recht große Sorgen, denn die Schließung der AIDS-Intensivstation auf Pavillon Annenheim würde bedeuten, dass die einzige intensivmedizinische Station in Österreich mit Schwerpunkt HIV/AIDS nicht mehr für ihre Betreuung zur Verfügung steht, sollten sie an lebensbedrohlichen Komplikationen der HIV-Infektion erkranken.

Begründung: Eine 3-Betten-Station ist unwirtschaftlich

Die „kollegiale Führung“ des Otto Wagner Spitals und der Wiener Krankenanstaltenverbund begründen ihre Entscheidung für die Sperre der AIDS-Intensivstation damit, dass der Betrieb einer 3-Betten-Intensivstation unwirtschaftlich sei. Diesem Argument sollte aber entgegengehalten werden, dass die Rettung von Menschenleben keine Frage der Wirtschaftlichkeit sein darf – schon gar nicht in einem der modernsten und reichsten Länder der Erde. Bei allem Verständnis für die Knappheit von Ressourcen darf nicht an der falschen Stelle gespart werden.
Das medizinische Fachwissen zur Versorgung von HIV-positiven Patienten ist an der größten AIDS-Versorgungseinheit Österreichs in hohem Maße gegeben. An der 2. Internen Abteilung werden unter Leitung von Prim. Dr. Norbert Vetter seit vielen Jahren Patienten mit HIV/AIDS in der Ambulanz, auf der Tagesklinik, auf der Normalstation und auf der Intensivstation von einem bestens ausgebildeten Ärzte- und Pflegeteam betreut. Eine adäquate Betreuung von intensivpflichtigen AIDS-Patienten ist nur an dieser Abteilung möglich. Das bestätigt auch die Tatsache, dass HIV-positive Patienten, die eine intensivmedizinische Betreuung benötigen, aus der gesamten Ostregion Österreichs auf diese Intensivstation transferiert werden. Die Probleme anderer Intensivstationen bei der Betreuung von Patienten mit HIV/AIDS liegen vor allem am Mangel an Know-how und Erfahrung sowie an hygienischen Vorbehalten.
Seit Bestehen der AIDS-Intensivstation auf Pavillon Annenheim wurden 164 HIV-positive Patienten intensivmedizinisch behandelt. Die Überlebensrate von 95% bei HIV-infizierten Patienten im Jahr 2003 bestätigt laut Prim. Dr. Norbert Vetter die Notwendigkeit einer Betreuung durch ein speziell geschultes Ärzte- und Pflegeteam. Die Überlebensrate von 95% ist wesentlich höher als bei HIV-negativen intensivpflichtigen Patienten.
Die Notwendigkeit der Erhaltung dieser AIDS-Intensivstation zeigt sich nicht nur an dieser Erfolgsbilanz, sondern ergibt sich auch aus der Entwicklung, dass in den nächsten Jahren mit einer Zunahme an intensivpflichtigen Patienten mit HIV/AIDS zu rechnen ist. Diese Zunahme wird sich aufgrund von Neuinfektionen, längerer Überlebenszeit von HIV-Infizierten unter antiretroviraler Kombinationstherapie, HIV-spezifischen und HIV-unabhängigen Komplikationen, unerwünschten Nebenwirkungen der AIDS-Therapie und der weiteren Öffnung zu den östlichen Nachbarländern im Rahmen ihres EU-Beitritts ergeben.
Viele österreichische Ärzte einschließlich Intensivmediziner und AIDS-Experten sowie die österreichische HIV-Community richten deshalb einen einstimmigen Appell an die Verantwortlichen: „Die AIDS-Intensivstation im Wiener Otto-Wagner-Spital soll erhalten bleiben!“

Runder Tisch zum Thema „AUS für die AIDS-Intensivstation“ am Do, 5.2., 19.30 Uhr im Tageszentrum der AIDS-Hilfe Wien.
Info: 0699/114-03-426 (Wiltrud Stefanek).

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben