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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Praxisgebühr lockt auch ungebetene Gäste an

Die zu Jahresbeginn in Deutschland eingeführte Praxisgebühr hat den Ärzten nicht nur Ärger mit ihren Patienten eingebracht. Auch ihr Bargeld ist begehrt.

Während die Polizei bislang keinen signifikanten Anstieg der Praxiseinbrüche erkennt, melden einzelne kassenärztliche Vereinigungen (KV) besorgniserregende Vorkommnisse. Präventionsexperten raten den Medizinern dringend, die Sicherung ihrer Praxisräume zu verbessern. Die bislang größte Serie von neun Praxiseinbrüchen hat es in Nürnberg gegeben, wo die Polizei die Sache allerdings nicht zu hoch hängen will. „Da war ein Einbrecher mal bei den Ärzten unterwegs“, sagte ein Polizeisprecher. Schließlich habe es schon immer Einbrüche in Praxen gegeben, wo neben Medikamenten, Computern und Rezeptblöcken halt auch die Kaffeekasse immer beliebtes Objekt der Begierde sei.

„Alles ganz normal!“

Ähnliches ist aus Polizeidienststellen in Berlin und Nordrhein-Westfalen zu hören, wo es auf Anfrage meistens hieß: „Alles ganz normal.“ Einen Zusammenhang zwischen neuen Gebühren und Einbruchserien sehen hingegen die KVen in Berlin und Schleswig-Holstein. Bei sechs Praxiseinbrüchen seit Jahresbeginn seien im nördlichsten Bundesland regelmäßig geringe Geldbeträge gestohlen worden, berichtet KV-Sprecher Robert Quentin. „Wir sehen da einen Zusammenhang zur Praxisgebühr.“
Auch für Norbert Seitz, Direktor des Deutschen Forums für Kriminalprävention, liegt es auf der Hand, dass der bislang ungewohnte Umgang mit Bargeld in den Praxen neue „Tatanreize“ schafft. Sein wichtigster Ratschlag an die Ärzte und ihr Personal ist es daher, das Geld so schnell wie möglich auf die Bank zu bringen, möglichst zwei Mal am Tag.

Öffentliche Zurückhaltung

Bei der KV Hessen hat man an die Mitglieder bislang noch keine Warnungen herausgegeben, obwohl einzelne Einbruchsfälle aus allen Landesteilen berichtet werden. Man wolle, so eine Sprecherin, die Täter nicht öffentlich zum Einbruch auffordern. Die Rüsselsheimer Gynäkologin Dr. Margita Bert hat sich dennoch schon einen kleinen Tresor zugelegt und nach dem Tipp eines Polizisten für 450 Euro einen stärkeren Riegel an der Praxistür anbringen lassen.
„Ich habe eher Angst vor dem Vandalismus als vor dem Verlust einiger Euro“, sagt die Frauenärztin. Mit ihrer Vorsorge gehört Bert nach Einschätzung des Tresorbauers Sven Gümbel aus Siegbach am Fuße des Westerwalds aber zu den Ausnahmen innerhalb ihres Berufsstandes. Wie die Konkurrenz, hat er auf eine Belebung des Geschäfts gehofft, doch bislang sei aus den vielen Anfragen noch kein lohnendes Geschäft entstanden: „Die meisten Ärzte sind der Meinung, dass auch eine abgeschlossene Schublade reicht oder die Gebühr doch noch gekippt wird.“ Für die Vorsichtigen hat er ein Tischmodell mit Schlitz im Angebot, in das die Zehn-Euro-Scheine gesteckt werden können, ohne die Box jedes Mal zu öffnen.
Am sichersten, so meint der Präventionsexperte Michael Blach vom Hessischen Landeskriminalamt, kann man sich nach einer individuellen Risikoanalyse durch die örtliche Polizei sein. Kostenlos prüfen die Beamten das jeweilige Objekt sicherheitstechnisch auf Herz und Nieren, um anschließend ihre Tipps abzugeben. In aller Regel reichten vernünftige Schlösser und Beschläge an Fenster und Türen sowie ein kleiner Tresor – wer will, könne aber auch mehr investieren.

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