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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Pharma erzürnt über lange Zulassungsfristen

Das aktuelle Heilmittelverzeichnis verzeichnet für Jänner 2004 die Aufnahme nur eines neuen Arzneimittels– 97 Medikamente wurden gestrichen.

Die Pharmig, die Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen in Österreich, beklagt Bürokratie und Ausweitung des Zulassungsverfahrens. „Mühsam“, so gestaltet sich laut Erhard Geisler, Geschäftsführer der Pharmig, die Aufnahme neuer Substanzen ins österreichische Heilmittelverzeichnis. Rund 15.000 Blatt Papier seien pro Antrag einzureichen, durchschnittlich dauere es zwei Jahre, bis ein neues Medikament im Heilmittelverzeichnis aufscheine, sagte auch Pharmig-Vorstand Dr. Hubert Dreßler bei einer Pressekonferenz in Wien.

Hoffnungen nicht erfüllt

Enttäuscht zeigt sich Dreßler von der Gesundheitsreform: „Wir hatten gehofft, dass man sich mit der 61. ASVG-Novelle auf ein für die Patienten sinnvolles Verfahren einigt. Doch leider wurden unsere Hoffnungen nicht erfüllt.“ Zu restriktiv sei seit vielen Jahren die Aufnahme neuer Medikamente ins Heilmittelverzeichnis. „Wir haben in Österreich vier Medikamente registriert, die in der ganzen EU erstattungsfähig sind – nur in Österreich nicht“, sagt der Geschäftsführer von Merck, Sharp & Dohme Österreich, Gus van der Vat. Ein registriertes Medikament, das seit mehreren Jahren auf dem Markt ist und derzeit nur über die Bewilligung des Chefarztes gegeben werden darf, wird zur Therapie der Schizophrenie eingesetzt: „Dieses Depotpräparat erspart den Patienten das tägliche Tablettenschlucken, was gerade psychisch kranken Menschen oft schwer fällt. Das Medikament ist EU-weit erstattungsfähig, nur in Österreich nicht“, sagt Geisler.

Hauptverband empört

Er sieht das Land – bei gleichbleibender Zulassungspolitik - „auf dem Weg zur Zwei-Klassen-Medizin“. Empört reagierte darauf der Geschäftsführer des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger: „Solche Aussagen verunsichern die Patienten. Im vergangenen Jahr hat die Pharmawirtschaft insgesamt 441 Arzneimittel-Anträge zur Aufnahme in das Heilmittelverzeichnis des Hauptverbandes gestellt, mehr als die Hälfte davon wurden tatsächlich ins Heilmittelverzeichnis aufgenommen.“
Positiv sieht Probst auch das neue Zulassungsverfahren mit Hilfe des geplanten „Drei-Boxen-Systems“: Dabei kommen alle neuen Medikamente zuerst in die „red box“. Die Preiskommission des Gesundheitsministeriums stellt dann fest, ob die Preise für das neue Medikament nicht über dem EU-Durchschnitt liegen. In der „yellow box“ werden in der Folge die Kriterien für eine Erstattungsbewilligung festgeschrieben, und die „green box“ entspricht der Aufnahme ins Heilmittelverzeichnis und der Erstattungsfähigkeit. Für Probst soll dieses neue Modell für verschreibende Ärzte und Patienten mehr Klarheit und Sicherheit bringen. Mehr Bürokratie sieht dagegen die Pharmig im neuen Verfahren. „Nicht umsonst muss der Hauptverband zusätzliche Beamte einstellen, um das Gesetz überhaupt exekutieren zu können“, sagt Dreßler und fordert vom Hauptverband: „Wir wollen einen schnelleren Zugang zu innovativen Medikamenten und einen Abbau der Bürokratie.“ Alles andere könne nicht im Sinne der Patienten sein.

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