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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Gesundheitspass für Jugendliche

Ein Gesundheitspass für Jugendliche ab 14 soll das Bewusstsein für gesunde Lebensgestaltung schon in frühen Jahren fördern. Diesen Plan hegen Schulärzte mit politischer Uterstützung.

„Der Lebensstil von Kindern und Jugendlichen ähnelt immer mehr dem von Erwachsenen“, betonte die Wiener Sozialmedizinerin Prof. Dr. Anita Rieder bei einem Kongress der österreichischen Schulärzte in Linz. Immer früher machten sich deshalb Konsequenzen von chronischem Bewegungsmangel, falscher Ernährung nach dem Motto „zu süß, zu fett, zu viel“, Konsum von Alkohol und Nikotin sowie ein Hang zu riskantem sportlichem Verhalten bemerkbar.
Zehn Prozent der Kinder in Pflichtschulen leiden unter Adipositas, 24% sind von Bein- und Fußanomalien betroffen, 31% haben Probleme mit der Wirbelsäule. Beim Zigarettenkonsum sind Österreichs Jugendliche traurige Spitzenreiter: 41% der 11- bis 15-Jährigen geben an, schon geraucht zu haben. Zwanzig Prozent der Burschen und 26 Prozent der Mädchen über 15 Jahren sagen, sie würden regelmäßig rauchen.
„Gesundheitsförderung ist mehr als Vorsorge“, ist Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat überzeugt. Anzusetzen wäre in den Bereichen Bewegung, Ernährung, Unfall- und Suchtvermeidung, Entspannung sowie medizinische Vorsorge. Dabei hätte die Art und Weise, wie Informationen vermittelt werden, eine entscheidende Bedeutung. In Kooperation mit dem Bildungsministerium wurde ein Gesundheitspass für Jugendliche ab 14 präsentiert. In der achten Schulstufe ist bekanntlich eine schulärztliche Untersuchung vorgesehen. Die dabei gesammelten Daten sollen zudem künftig auf Österreichebene gesammelt ausgewertet werden und damit die Grundlage für gezieltere Kampagnen und andere Vorsorgemaßnahmen liefern.

Erweiterter Mutter-Kind-Pass

Der Pass ist als Fortführung des Mutter-Kind-Passes konzipiert und soll neben Raum zum Eintragen verschiedener Daten und Untersuchungsergebnisse auch ansprechend gestaltete Informationen für die Jugendlichen enthalten. Parallel zur Einführung des Passes, der schon im April zur Verfügung stehen soll, will Rauch-Kallat Gesundheitstage und -projekte in den Schulen fördern: „Dabei haben natürlich die Schulärzte eine besonders wichtige Rolle.“
Dr. Maria Metzler, Schulärztereferentin der Ärztekammer für Oberösterreich, betont, dass „Gesundheitsförderung schon seit Jahren ein wesentlicher Teil unserer Arbeit ist.“ Die Initiative der Gesundheitsministerin wird prinzipiell begrüßt, beim Kongress wurde in Workshops darüber ausgiebig diskutiert. Angeregt wurde unter anderem, dass in dem Pass auch Raum für die jährliche Schularztuntersuchung vorgesehen sein sollte. „Dort werden ja auch der individuelle Gesundheitsstatus und Möglichkeiten zur individuellen Gesundheitsvorsorge thematisiert“, sagt Metzler. Zusätzlich zu dem im Pass vorgesehenen Angebot eines gynäkologischen Checks sollte es ein spezielles Beratungsangebot beziehungsweise eine urologische Konsultation für Burschen geben.„Dass Schulärzte in den Unterricht gehen, hat ebenso in vielen Schulen in Österreich schon Tradition, hing aber bisher von Kooperationen vor Ort ab“, resümiert Metzler. Sie wünscht sich, dass dies noch viel stärker institutionalisiert und so mehr direkter Kontakt zu den Schülern möglich wird. Wenn der Plan zu mehr Gesundheitsförderung an den Schulen ernst gemeint ist, erwartet sich Metzler, dass auch Schulärzte an Pflichtschulen gesicherte Arbeitsbedingungen erhalten. Ihre Bezahlung sei zu sehr von regionalen Gegebenheiten abhängig.

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