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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Brustkrebsgene: Kein Geld für Tests und Beratung

Seit 1994 werden in Österreich die Brustkrebsgene BRCA 1 und BRCA 2 erforscht. Nun sei es an der Zeit, das Projekt in die Regelversorgung zuübernehmen, meinen die Wissenschafter. Bislang fehlt jedoch ein Finanzierungskonzept.

In manchen Familien scheint Brustkrebs wie ein Fluch zu sein: Er betrifft mehrere Generationen und schon ganz junge Frauen fallen ihm zum Opfer. „Rund fünf bis zehn Prozent der jährlichen Neuerkrankungen sind auf Vererbung zurückzuführen“, sagt Prof. Dr. Ernst Kubista, Leiter der Klinischen Abteilung für Spezielle Gynäkologie im Wiener AKH. Für Österreich wird angenommen, dass etwa 250 bis 400 Frauen pro Jahr an vererbtem Mammakarzinom erkranken. Die Entdeckung der Brustkrebsgene BRCA 1 und BRCA 2 Mitte der 90er-Jahre hat die Forschung einen großen Schritt weiter gebracht. Doch bei weitem nicht jede Frau, die einen Brustkrebsfall in der Familie hat, ist Mutationsträgerin. Der Stammbaumanamnese und Beratung kommt daher bei der Testung eine bedeutende Rolle zu. Auch die Betreuung der Frauen, bei denen Genmutationen festgestellt wurden, ist sehr intensiv.
Gemeinsam mit den teuren Tests erzeugt das hohe Kosten, die bisher allein durch Forschungsbudgets gedeckt waren. Seit einiger Zeit fordern Wissenschafter – bislang vergeblich – eine Übernahme der Kosten durch die Sozialversicherung. Diese steht auf dem Standpunkt, dass dieser Aufwand durch ihre Pauschalbeiträge an die Spitäler gedeckt sei. Von der ÄRZTE WOCHE dazu befragt, stellte das Gesundheitsministerium eine rasche Lösung in Aussicht. Doch das Thema ist viel weitreichender und beschränkt sich nicht auf Brustkrebsgene. Denn Experten prophezeien eine starke Ausweitung der prädiktiven Diagnostik und Beratung in den kommenden Jahren. Dies wird unser System vor weitere finanzielle, aber auch ethische Fragen stellen.

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