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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Chefarztpflicht endgültig abschaffen

Für undurchführbar hält die Wiener Standesvertretung die geplante chefärztliche Bewilligung per Fax. Bei Öffnungszeiten von Ordinationen bis 20 Uhr werde wohl kein Chefarzt mehr verfügbar sein.

Ab dem Jahr 2005 soll die chefärztliche Genehmigung nicht mehr der Patient, sondern der Arzt von der Krankenkasse einholen. Dazu will der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger elektronische Kommunikationsschienen zwischen Ärzten und Sozialversicherung einrichten.

Eine „Schnapsidee“

Aus Sicht der Wiener Ärztekammer stellt das keine Erleichterung, sondern eine Hürde, sowohl für Arzt als auch für Patient, dar. Vizepräsident Dr. Johannes Steinhart: „Die Einholung einer Bewilligung chefarztpflichtiger Medikamente per Fax, wie es die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA) in einer Aussendung vergangene Woche vorgeschlagen hat, ist eine Schnapsidee und in den täglichen Ordinationsalltag einfach nicht zu integrieren.“ Laut Vorschlag von SVA-Obmann Christoph Leitl soll die Antwort des Chefarztes „unverzüglich innerhalb einer halben Stunde bis Stunde“ erfolgen. Steinhart dazu: „Abgesehen von der Tatsache, dass eine Stunde wohl nicht unverzüglich ist, bleibt die entscheidende Frage: Wohin schicke ich in dieser Zeit meinen Patienten? Soll ich ihm raten, einstweilen ein paar Runden um den Häuserblock zu drehen? Und wer garantiert mir, dass die Bewilligung auch wirklich innerhalb von 30 bis 60 Minuten bearbeitet wird?“

Problem: Lange Öffnungszeit

Anhand der im neuen Gesamtvertrag mit der Wiener Gebietskrankenkasse vereinbarten verlängerten Öffnungszeiten der Arztordinationen wird die Einholung der Bewilligung nochmals erschwert. Steinhart: „Viele Ordinationen haben an bestimmten Tagen bis 20 Uhr geöffnet. Es glaubt doch wohl kein Patient, dass zu dieser Zeit noch irgendjemand in einer Sozialversicherung arbeitet.“

Was passiert, wenn 50 Ärzte gleichzeitig ein Fax schicken?

Steinhart fragt sich weiters, wie lange es dauern wird, wenn 50 Ärzte gleichzeitig ihre Anfrage zur Bewilligung an den Chefarzt faxen und vielleicht noch Rückfragen an diesen haben. Dann werde die Bewilligung wahrscheinlich ein bis zwei Arbeitstage dauern, und auch der Datenschutz ist nicht in jedem Fall gegeben. „Und dieses System verkauft Leitl als Erleichterung?“ Eine wirkliche Erleichterung wäre einzig und allein die komplette Abschaffung der Chefarztpflicht, betonte Steinhart. Steinhart weiß, dass in der täglichen Praxis nur cirka 30 Prozent der chefarztpflichtigen Medikamente abgelehnt und 70 Prozent bewilligt werden. Steinhart: „Die Kostenersparnis durch die Ablehnung mancher Medikamente steht definitiv nicht in Relation zum Bürokratieaufwand, der durch die Chefarztpflicht entsteht. Und dann soll man uns gleich erklären, was eine chefärztliche Begutachtung bringen soll, wenn der Chefarzt den Patienten nie zu Gesicht bekommt und lediglich ein Fax in Händen hält.“ Für Chefärzte gebe es im Bereich der medizinischen Beratung der Sozialversicherung genug andere Aufgaben. Für Steinhart steht definitiv fest, dass die Abschaffung der Chefarztpflicht dringend notwendig ist und der Hauptverband nun endlich die Chance nutzen sollte, diese „uneffektive Hürde für Patient und Arzt“ loszuwerden. Steinhart: „Der Zugang zum Gesundheitssystem soll für Patientinnen und Patienten schließlich ohne unnötige bürokratische Schikanen erfolgen. Mit diesem System haben wir wieder mehr Bürokratie.“

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