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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Kasse und Land gegen privates Dialysezentrum

Prim. Dr. Helmut Katschnig kämpft weiter verzweifelt um Kassenverträge für sein privates Dialysezentrum in Mödling. Er glaubt an die Vernunft.

Was ihm in Judenburg in der Steiermark problemlos möglich war, wollte der Internist Katschnig auch in Mödling verwirklichen: die Gründung einer privaten, auf dem letzten Stand der Technik stehenden Dialysestation. Sie wurde im Jänner 2000 eröffnet und bietet 14 Plätze. Dafür machte der Primar 1,81 Millionen Euro locker.
Katschnig rechnete nicht ohne Grund mit einer guten Auslastung, denn die Bedarfsprüfung war positiv ausgefallen. Untersuchungen hatten zudem ergeben, dass 70 Patienten im Umkreis von 25 Kilometern dreimal in der Woche eine lebensrettende Blutwäsche benötigen.

Keine Behandlung vor Ort

Abgesehen davon, hatte sich die Anzahl der Nierenkranken österreichweit in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. Patienten aus dem Raum Mödling waren bis zur Eröffnung von Katschnigs privatem Dialysezentrum gezwungen, sich in weit entfernten Spitälern in St. Pölten, Mistelbach, Wiener Neustadt, Eisenstadt und Wien behandeln zu lassen. Dadurch sahen sich die Betroffenen in den Lebensrhythmus eines Schichtarbeiters versetzt.
Trotz 50.000 Protestunterschriften der Mödlinger Bevölkerung, einer Petition des Gemeinderates, Interventionen von Volksanwalt Dr. Peter Kostelka und von Gesundheitsstaatssekretär Dr. Reinhard Waneck sowie durchwegs positiven Reaktionen niederösterreichischer Landespolitiker erhält Katschnig nicht die notwendigen Verträge mit der Wiener und der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse.

„Unmoralisches“ Angebot

Dabei kann der Primar derzeit sogar direkt mit Krankenkassen anderer Bundesländer und sogar mit deutschen Kassen abrechnen und dadurch ausländische und Gastpatienten aus anderen Bundesländern betreuen. Lediglich einmal erhielt Katschnig ein Angebot von Land und Krankenkasse. Dieses lehnte er aber als „unmoralisch“ ab. Dem Primar war von der NÖGKK unterstellt worden, seine Gewinne vor das Wohl der Patienten zu stellen. Katschnig kontert: „Das Übereinkommen scheiterte letztlich daran, dass die Gebietskrankenkasse den verhandelten Vertrag einseitig um einen Fahrtkostenausgleich reduzierte.“ Ohnehin sei mit einer Abgeltung von 174 Euro pro Behandlung keine Kostendeckung gegeben gewesen. Im Sinne der Patienten hätte Katschnig aber trotzdem zugestimmt. Niederösterreichs VP-Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka entschied daraufhin, im Krankenhaus Baden, das Teil des Thermenklinikums ist, eine Dialysestation zu errichten. Das führte prompt zu einem heftigen Protest der Bezirksärztever treter. Derzeit werden an der neu errichteten Abteilung im Badener Spital 15 Patienten dreimal wöchentlich dialysiert. An eine Erweiterung der Behandlungsplätze ist gedacht.
Katschnig kämpft aber dennoch weiter um einen Kassenvertrag. Im Interview mit der ÄRZTE WOCHE sagte er: „Ich glaube immer noch an die Vernunft. Auch wenn hier nicht rechtens gehandelt wird und Steuergelder vergeudet werden.“

Dr. Patricia-Maria Geiger-Tomek, Ärzte Woche 2/2004

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