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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Neues Punkteranking für Kassenstellen in Oberösterreich

Auch im Land ob der Enns wurde jetzt für dieVergabe von Kassenstellen eine neue Regelung geschaffen. „Ich meine, dass die neuen Richtlinien insgesamt eine Verbesserung bringen“, so Dr. Otto Pjeta, Präsident der Ärztekammer für OÖ.

Aufgebaut wurde bei der notwendigen Überarbeitung auf die Erfahrungen mit dem schon bisher sehr transparenten und objektiven Punktesystem, nach dem Ärztekammer und Gebietskrankenkasse seit 1996 in Oberösterreich entschieden haben. Ähnlich wie in Salzburg, bringen nach den Vorgaben durch das Gesundheitsministerium nun die Herkunft aus dem Bundesland wie auch die „besondere örtliche Nähe“ des Bewerbers keine Punkte mehr. Ebenso fallen die viel diskutierten Punkte für ein verwandtschaftliches Verhältnis weg. Auch für die Tätigkeit als Kammerfunktionär gibt es keine eigenen Punkte mehr. Präsenz- und Zivildienst, Mutterschutz- und Karenzzeiten gelten nur mehr nach der Promotion. Weiters fallen jene Punkte weg, die es bisher für eine Vollbeschäftigung bis zur Promotion gab.
„Mehr Gewicht als bisher hat die fachliche Eignung“, unterstreicht Pjeta. So können zusätzlich zu anderen ärztlichen Tätigkeiten nach der Promotion auch ärztliche Tätigkeiten innerhalb des EWR-Raumes sowie für österreichische Hilfsorganisationen im Ausland angerechnet werden. Ebenso berücksichtigt werden Vertretungstätigkeiten bei einem Kassenarzt bzw. in einer Vertragsgruppenpraxis oder im Rahmen des Not- und Bereitschaftsdienstes. „Letzteres spielt ja gerade im niedergelassenen Bereich eine besonders wichtige Rolle und wird nun endlich auch entsprechend bewertet“, freut sich Pjeta.
In Zukunft gibt es in Oberösterreich auch Punkte für eine unmittelbar vorangegangene Mitarbeit in einer Vertragsgruppenpraxis nach Modell 2 oder 3, wenn der Bewerber diese Praxis übernehmen will. Berücksichtigt wird dabei der konkrete Anteil, den der Bewerber dort übernommen hat. „Dies soll eine zusätzliche Motivation sein, sich auf eine solche Kooperation einzulassen, bzw. jene Ärzte unterstützen, die derzeit in einer Gruppenpraxis tätig sind“, kommentiert Pjeta. Zusätzliche Punkte bringt eine mindestens 15-monatige Tätigkeit als Wahlarzt; diese muss nicht unmittelbar vor der Bewerbung gelegen sein, darf aber nicht länger als 60 Monate zurückliegen.
Punkte gibt es auch in einem neuem Bereich, und zwar wenn ein Arzt verbindlich die Absicht bekundet, dass die Ordination behindertengerecht ausgestattet wird. Dabei geht es vor allem um den barrierefreien Zugang zu allen Räumlichkeiten bzw. eine entsprechende Ausstattung der sanitären Bereiche.
Diskussionen ergaben sich in Oberösterreich aus dem Wegfall der Frauenförderung. Bislang gab es etwa für Ärztinnen, die sich für eine gynäkologische Praxis bewarben, einen Bonus. „Zu bedenken ist, dass sowohl bei den Promoventen als auch bei den Ärzten in Ausbildung Frauen inzwischen in der Mehrzahl sind“, erklärt Pjeta. Wenn eine Bewerberin oder ein Bewerber mehr als 95 Prozent der Punkte des Erstgereihten erreicht bzw. es mehrere Erstgereihte gibt, ist in der neuen Vereinbarung mit der Gebietskrankenkasse ein gemeinsames Hearing vorgesehen. Bei gleicher Punktezahl wird die Frau bevorzugt. Diese Regelung gilt laut Pjeta für alle medizinischen Fächer, wo Frauen derzeit in der Minderheit sind, beispielsweise die Gynäkologie.
Obwohl die Veränderung insgesamt als positiv bewertet wird, kann Pjeta nur wenig Begeisterung für die ebenfalls neue Liste an Bewerbern aufbringen. Diese muss ab sofort von der Ärztekammer geführt werden. Allgemeinmediziner oder Fachärzte, die ihr Diplom vor dem 1. März 2004 erhalten, werden in die Liste automatisch aufgenommen. Alle anderen müssen einen Antrag auf Eintragung stellen, an den aber keine weiteren Bedingungen geknüpft sind.
„Für uns ist nicht klar, welchen tieferen Sinn diese Liste dann machen soll“, sagt der Kammerpräsident. Entscheidend bleibt aus seiner Sicht die Reihung in der Punkteliste. Die vom Ministerium verordnete Liste bringt also keinen Mehrwert und nur höheren administrativen Aufwand.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 2/2004

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