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Martin Rose, MSc CITES Projektadministrator

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Kapaloe, Südafrika: früher vor allem als Abführmittel genutzt.

© Sanjeev Gupta/picture alliance

Das Gift von Russells Viper wird klinisch als Blutgerinnungstest verwendet, auch „dilute Russell’s viper venom time (dRVVT)“ genannt.

 

 

 
Gesundheitspolitik 19. April 2016

Kettenviper im Angebot

Expertenbericht: Hunderte Tier- und Pflanzenarten werden medizinisch genutzt und gehandelt.

Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES ) listet Medizinal-Arten auf, deren Handel bestimmten Regeln unterworfen ist, u. a. auch solche, die illegal aus der Wildnis entnommen werden. 64 Spezies werden explizit wegen ihrer medizinischen Nutzung aufgeführt.

Weltweit werden jährlich ungefähr 570.000 Tonnen mit einem Wert von zwei Milliarden US-Dollar (Durchschnitt 2010 bis 2014) an medizinischen Pflanzen oder Pflanzenteilen international gehandelt (Anm.: Pflanzen für Parfüms sind inkludiert), Tendenz steigend. 2014 hat Österreich 3,2 Tonnen solcher Waren mit einem Gesamtwert von 22 Millionen US-Dollar eingeführt – Tendenz stark steigend.

Die genaue Anzahl der in CITES gelisteten Medizinal-Arten ist schwer zu bestimmen, 64 Pflanzen werden explizit wegen der medizinischen Nutzung genannt. Einige der medizinisch genutzten Tier- und Pflanzenarten sind bedroht, daher wird der internationale Handel reguliert, um eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen. Diese Regelungen sind in einer Konvention festgehalten, dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen, auch CITES genannt.

Zu den explizit wegen der Nutzung als Heilpflanzen gelisteten Arten gehören etwa das heimische Frühlings-Adonis (Adonis vernalis), der Ginseng (Panax ginseng, P. quinquefolius) und die Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis). Bei den Tieren ist in Österreich vor allem die Kettenviper (Daboia russelii) relevant. Das Gift wird klinisch als Blutgerinnungstest verwendet, das „dilute Russell’s viper venom time (dRVVT)“.

Viele Arten sind in der Listung einer Gattung oder Familie enthalten, so werden beispielsweise alle Orchideen und Kakteen aufgeführt. In Europa sind mindestens 13 Orchideen-Arten als Teil von medizinischen Produkten oder als Medizinpflanzen im Handel. Ein Beispiel für eine Gattungslistung ist die Kap-Aloe (Aloe ferox), die durch die Listung von „Aloe spp.“ aufgeführt ist; die bekannte Aloe vera ist davon ausgenommen. Für die meisten Pflanzen- und viele Tierarten ist ein kommerzieller Handel, auch wenn die Individuen aus der Wildnis kommen, erlaubt, muss aber genehmigt werden. Diese Arten sind in Anhang II der Konvention gelistet. Dies gilt teilweise auch für fertig verpackte Medizin.

Ein Beispiel für eine Art des Anhangs I, deren kommerzieller Handel mit Individuen aus der Wildnis verboten ist, ist bei den Pflanzen die Kostuswurzel (Saussurea costus). Die Einfuhr von Schlangenschnaps in die EU und in viele andere Ländern ist grundsätzlich verboten.

Martin Rose, Ärzte Woche 16/2016

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