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© Martin Burger
Prof. Dr. Michael Kiehn arbeitet an einem Frühwarnsystem, das anspringt, wenn der Handel mit Heilpflanzen sprunghaft ansteigt.
 
Gesundheitspolitik 19. April 2016

„Heil- und Nutzpflanzen aus Süd- und Mittelamerika sind stark im Kommen – Beispiel: Stevia“

3 Fragen, 3 Antworten

Artenschützer beschäftigen sich derzeit insbesondere mit den so genannten „neuen Medizinalpflanzen“. Das sind Arten, die vor allem in der TCM und der Ayurveda-Medizin verwendet werden. Medizinalpflanzen werden zudem im Schamanismus genutzt, dessen Praktiken in Europa wieder modern geworden sind.

Die nächste CITES-Vertragsstaatenkonferenz soll eine Ausweitung einiger geschützter Arten auf Gattungsniveau beschließen. Gibt es für „unser“ Adonisröschen einen Doppelgänger?

Kiehn:Doppelgänger hat Adonis vernalis (Anm.: Das ist der lateinisch-botanische Name des gelbblühenden Adonisröschens) nicht, macht also keine Probleme. Die Gattung Adonis hat aber natürlich eine größere Zahl von Arten, und im Zierpflanzenhandel gibt es weitere Vertreter, zum Beispiel die Adonis amurensis (Anm.: das Amur-Adonisröschen, das ebenfalls gelb und früh blüht). Man wird sich sicher auch bei der Gattung Adonis früher oder später Gedanken machen müssen, ob A. vernalis das einzige Taxon ist, das hier genutzt wird. Wir wissen, dass Adonis amurensis ebenfalls medizinisch genutzt werden kann. Das sind genau die Untersuchungen, die wir hier in Wien durchführen können, wir können uns Handelsdaten anschauen, wir haben die Information auf der taxonomisch-systematischen Ebene, wir können uns anschauen, was über die Nutzungen bekannt ist, und dadurch haben wir eine hohe Kompetenz hier in Wien, mit der wir die Ursprungsstaaten, die diese Untersuchungen oft nicht machen können, unterstützen.

Adonis vernalis etwa wird momentan vor allem in den Balkanländern wild geerntet und in der Arzneimittelindustrie genutzt. Das ist eine Pflanze, die in der traditionellen europäischen Kräuterheilkunde starke Verwendung findet.

Welche Pflanzen haben Sie derzeit im Visier?

Kiehn:Stark im Kommen sind Heil- und Nutzpflanzen aus Süd- und Mittelamerika, Beispiel: Stevia, sowie einige potenziell appetithemmende Arten, die medizinisch genutzt werden. Hier gibt es fast keine Daten, und das ist eine ähnliche Situation, wie wir sie vor 15, 20 Jahren mit der Traditionellen Chinesischen Medizin hatten. Da gibt es Pflanzen, die es auf einmal massenhaft im Online-Handel zu kaufen gibt und wo offensichtlich ist, dass diese Nutzung nicht nachhaltig ist.

Was ist hierzulande gefragt?

Kiehn:Für Österreich relevant ist z. B. die Teufelskralle, und zwar nicht die afrikanische, sondern die süd- und mittelamerikanische. In Österreich gibt es eine Firma, die diese Pflanze als Medizinalpflanze für Arzneimittel nutzt. Erklärung: Diese Pflanze hat potenziell krebshemmende Inhaltsstoffe. Gerade jetzt sind auch diverse Kaffeegewächse stark nachgefragt, da sie bei der multiplen Sklerose hilfreich sind. Das betrifft Taxa, die entweder aus dem südlichen Afrika oder aus Mittelamerika kommen. Hier versuchen wir eine Art Frühwarnsystem zu entwickeln, für den Fall, dass hier nicht nachhaltige Tendenzen zu befürchten sind. Als CITES-Fachstelle versuchen wir die Taxa selbst zu erfassen und zu schauen, ob es Indizien für einen sprunghaft steigenden Handel gibt, um regulierend einzugreifen, bevor diese Arten Gefahr laufen, ausgerottet zu werden.

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