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© Hotli Simanjuntak / picture alliance
 
Gesundheitspolitik 12. April 2016

Vernichtendes Urteil

„Krieg gegen die Drogen“ schadet der Welt.

Bericht der „Johns Hopkins-Lancet-Kommission“ zeigt: die Prohibition ist gescheitert – ausbalancierte Maßnahmen gefordert.

Der in vielen Staaten der Welt geführte „Krieg gegen die Drogen“ nützt nichts, er schadet der Welt und bringt statt weniger sogar mehr Kriminalität und Leid. Das ist das Ergebnis, welches ein internationales Expertenteam (Johns Hopkins-Lancet-Kommission) vor kurzem veröffentlicht hat. Gefordert wird eine ausbalancierte Drogenpolitik, die Gefahren und die Kriminalisierung von Menschen reduziert.

Seit 1912 und dem damaligen Beschluss der Opium-Konvention in Den Haag sowie der „Single Convention on Narcotic Drugs“ (1961) der UNO ist die internationale Drogenpolitik von Prohibition, Polizei- und Militärmaßnahmen gekennzeichnet. Unter dem Titel „Eine drogenfreie Welt – Wir können das erreichen!“ stand 1998 eine Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen.

Doch laut der Expertenkommission unter Mitwirkung einer der beiden weltweit angesehensten Medizinfachzeitschriften (The Lancet) waren Grundgedanke und Strategien zum größten Teil falsch. „Die Ansicht, dass jeder Drogenkonsum gefährlich und böse ist, hat zur scharfen Maßnahmen geführt, die es schwierig machen, potenziell gefährliche Drogen genauso zu betrachten wie potenziell gefährliche Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol“, hieß es in einem zusammenfassenden Kommentar vor einigen Tagen im Lancet (2. April).

Eine Drogenpolitik, die auf dem Gedanken der Prohibition aufbaue, sei einfach kontraproduktiv, stellen die Experten fest: „In Mexiko war der dramatische Anstieg der Mordfälle seit die Regierung im Jahr 2006 beschloss, das Militär gegen Drogenhändler einzusetzen, so groß, dass er die Lebenserwartung der Gesamtbevölkerung reduziert hat.“ In dem Land war zwischen 1990 und 2006 die Zahl der Mordfälle pro Jahr von 15.000 auf etwa 10.000 gesunken, stieg dann aber von 2007 bis 2010 auf rund 28.000 an. Zuletzt wurde ein Rückgang registriert.

„Wir haben herausgefunden, dass eine repressive Drogenpolitik sehr stark zu dem Risiko für HIV-Infektionen durch intravenösen Drogenkonsum beiträgt“, schrieben die Experten unter Joanne Csete von der Columbia University. Die Versorgung der Heroinabhängigen mit sterilen Nadeln bzw. Spritzen und die Substitutionstherapie mit oral einnehmbaren Opiaten würden mehr helfen. Das „exzessive Einsperren“ von Drogenkonsumenten wird sehr kritisch gesehen: „ Suchtgiftkonsum und das Injizieren von Suchtgiften findet in Gefängnissen statt, auch wenn das die offiziellen Stellen bestreiten.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

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