zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 24. August 2005

Neue Gesellschaft für Ärzte mit Psy-Diplom

Die Österreichische Gesellschaft für psychosomatische und psychotherapeutische Medizin (ÖGPPM) bietetÄrztinnen und Ärzten aus allen Fach-bereichen eine neue Plattform.

Durch EU-Richtlinien wurde eine Neuregelung aller medizinischen Spezialdiplome nötig. Für die Psy-Diplome wurde eine Kommission zusammengestellt, die Ärztekammer musste gleichzeitig die Auflösung der Österreichischen Gesellschaft für Psychotherapeutische Medizin (ÖGPM) beschließen. Die Psy-Diplome für psychosoziale und psychosomatische Medizin entstanden in den 90-er Jahren. Wesentliche Veränderungen brachte das Psychotherapiegesetz 1991. Im Jahr 1994 entstand die ÖGPM mit Referaten in allen Landesärztekammern. Diese entwickelte dann das Psy-3-Diplom, deren Absolventen gründeten die „Arbeitsgemeinschaft für therapeutische Medizin“ (Arge PSY-Med). Gemeinsam wurde nun die Gründung der ÖGPPM beschlossen. Diese hat als Auftrag die wissenschaftliche Beratung der Ärztekammer, versteht sich als Förderer psychosomatischer und psychotherapeutischer Medizin, engagiert sich für Aus- und Fortbildung der „Psy-Mediziner“ und bietet Ärzten aus allen Fachbereichen eine Plattform. Die ÖGPPM wird in allen Bundesländern tätig werden. Erst durch die kürzlich realisierte Änderung der medizinischen Ausbildungsordnung werden im Studium auch Aspekte wie Kommunikationstraining bzw. die Offenheit und Aufmerksamkeit für psychische, psychosoziale und psychosomatische Faktoren vermittelt.
„Inhaltlich läuft dies, unter anderem durch Bed-Side-Teaching, in etwa auf jenen Standard hinaus, der durch das Psy-1-Modul zu erreichen ist“, analysiert Dr. Manfred Kolar. Der Arzt für Allgemeinmedizin in St. Pölten bietet auch psychotherapeutische Medizin an und ist Vizepräsident der neu gegründeten Österreichischen Gesellschaft für psychosomatische und psychotherapeutische Medizin“ (ÖGPPM). „Diese Weiterentwicklung der Ausbildung ist ein Schritt in die richtige Richtung“, ist Kolar überzeugt. Etwa 1.500 Ärzte haben bislang das Psy-2-Diplom und ca. 700 das Psy-3-Diplom erworben. Ein Schritt, der sicher auch für Absolventen der neuen Ausbildungsordnung Sinn machen würde, betont Kolar: „Es geht um eine immer stärkere Umsetzung des bio-psycho-sozialen Modells in den Alltag des Mediziners – unabhängig von seiner Fachrichtung, wobei dieser Ansatz besonders für den Allgemeinmediziner Bedeutung hat.“ Kolar verweist auf Studien, die zeigen, dass im niedergelassenen Bereich mindestens 30 Prozent der Patienten mit somatoformen Störungen in die Praxen kommen: „Ein Mensch funktioniert nicht wie eine Maschine, wesentliche Faktoren sind das soziale Umfeld, die Gefühle und Emotionen.“ Der Allgemeinmediziner sieht es als wichtiges Ziel der ÖGPPM, noch mehr Ärzte zu motivieren, sich damit konkret auseinander zu setzen. Es würde nicht darum gehen, dass alle Ärzte zu Psychotherapeuten werden, sondern um die ganzheitliche Sichtweise und den damit verbundenen Ansatz der Diagnose und Behandlung. „Psychosomatische und psychotherapeutische Medizin greift auf eine methodenübergreifende Qualifikation zurück und ermöglicht, dass sowohl körperliche Symptome als auch deren subjektives Erleben, ihre psychosozialen Hintergründe und Auswirkungen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen können“, erklärt Kolar.
Dieser Ansatz müsse auch die Vernetzung mit anderen Gesundheits- und Sozialberufen umfassen, insbesondere mit Sozialarbeitern, Psychologen und Psychotherapeuten. „In unserem Betätigungsfeld besteht ein großer Handlungsbedarf“, so der Vizepräsident der ÖGPPM. „Das zeigen auch die oft sehr langen Wartezeiten auf Beratungs- und Therapieplätze.“ Niemand müsse deshalb befürchten, dass ihm von anderen seine Patienten bzw. Klienten abspenstig gemacht werden. Eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung dieses Ansatzes spielt aus seiner Sicht die neu gegründete ÖGPPM.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben