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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Was die E-Card pro Ordination kostet

Wer seine Praxis-Hard- und -Software nicht in den vergangenen beiden Jahren auf den aktuellen Stand gebracht hat, muss wahrscheinlich nachrüsten, um ins Gesundheitsinformationsnetz (GIN) einsteigen zu können. Die Kosten dafür sind nicht unbeträchtlich.

Mit durchschnittlichen Kosten von 5.000 bis 6.000 Euro pro Ordina-tion rechnet der burgenländische Gynäkologe Dr. Herbert Schwarz für die Nachrüstung der Ordinations-Hard- und -Software, um für den Einsatz der E-Card gewappnet zu sein. Dies prognostizierte Schwarz vergangene Woche im Rahmen einer Pressekonferenz zum Auftakt des E-Card-Probe-betriebes im Burgenland. Am 28. Februar startete der erweiterte E-Card-Probebetrieb mit 82 Ordinationen und zwei Ambulatorien in Eisenstadt, Eisenstadt Umgebung und Neusiedl am See. Bisher wurden an Patienten insgesamt 105.000 E-Cards ausgegeben. Um am Gesundheitsinformationsnetz (GIN) des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger (HVB) teilnehmen zu können, wird neben einer aktuellen Praxis-Hard- und -Software ein eigener ADSL-Anschluss benötigt – auch dann, wenn bereits eine ADSL-Leitung vorhanden ist. „Es handelt sich dabei um eine so genannte‚sichere Leitung’ zur Datenübertragung zwischen Ordination und Zentralserver beim HVB“, erklärte Mag. Franz Jirik, Regionalleiter der Telekom Austria Business Solutions für das Burgenland und Niederösterreich. Die Errichtung des Anschlusses selbst ist für den Arzt kostenlos, wenn eine Telefonleitung vorhanden ist. Die monatlichen laufenden Kosten betragen Euro 32,70. Vom HVB bezahlt werden die so genannte GINA-Box, der Adapter für das GIN und das E-Card-Lesegerät. Eine Integration der vorhandenen Praxissoftware in GIN ist laut Jirik übrigens problemlos möglich. Auch mit Problemen bei der Datenübertragung rechnet Jirik keinesfalls, denn: „Im Endausbau muss das System für 12.000 Ärzte funktionieren. Bei derzeit 80 Ordinationen im Probebetrieb darf es da gar nicht zu Schwierigkeiten kommen.“

In den vergangenen Tagen wurden insgesamt rund 105.000 E-Cards an die burgenländischen Versicherten im Gebiet des Probegebiets versendet. Am 28. Februar startete der drei Monate dauernde Probebetrieb. Im Endausbau sollen 100 speziell geschulte Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Zwei Anbieter können für die Installation der sicheren Datenleitung gewählt werden: Telekom Austria und UTA AG. Im Burgenland haben sich rund 80 Prozent der am Probebetrieb teilnehmenden Ärzte für den Betreiber Telekom entschieden, der auch alle ÄrztInnen und ArzthelferInnen für den Betrieb des GIN einschulen wird. Dafür sind österreichweit insgesamt 430 Schulungen geplant. „Vor der Installation erfolgt die Vermittlung des notwendigen Know Hows über die Anwendungen in Gruppenschulungen. Im Anschluss an die Installation erfolgt die Einweisung in der Ordination“, erläutert Mag. Franz Jirik, Regionalleiter der Telekom Austria Business Solutions für das Burgenland und Niederösterreich. Für Fragen zur Installation steht die Telekom Austria Hotline 0800 100 800 zur Verfügung.

Kein Ende der Scheine

Der Probebetrieb im Burgenland wird über drei Monate laufen. Ende Mai startet der Rollout in den Bundesländern, der Ende November abgeschlossen sein soll. Erst dann soll auch das endgültige Ende des Krankenscheins gekommen sein. Denn derzeit müssen bei jedem Arztbesuch sowohl E-Card als auch Krankenschein vorgewiesen werden. Ein Mehraufwand, dem der burgenländische Gynäkologe Dr. Herbert Schwarz gelassen entgegen sieht: „Mit dieser Gleichzeitigkeit werden wir vorerst leben müssen. Natürlich hoffen wir, dass mit dem Vollbetrieb der E-Card die Papierflut deutlich eingedämmt werden kann.“

Zu wenige Daten gespeichert

Genau wie der Krankenschein dient die E-Card zur Feststellung, ob der Patient versichert ist. Neben Namen, Adresse, Versicherungsnummer und Geburtsdatum des Versicherten finden sich derzeit keine weiteren Daten auf der Karte. Für Schwarz wäre es allerdings sinnvoll, etwa Notfalldaten und chronische Erkrankungen auf der Karte zu speichern: „Das würde unsere Arbeit sicherlich erleichtern.“ Ganz ohne „Scheine“ wird die E-Card-Ordination allerdings auch in Zukunft nicht auskommen können: So sind, je nach Versicherung, zwar ein Besuch beim Allgemeinmediziner und ein Facharztbesuch pro Monat oder Quartal abgedeckt. Für jeden weiteren Facharztbesuch muss allerdings weiterhin ein Überweisungsschein ausgestellt werden. „Derzeit ist leider noch völlig unklar, wie lange diese Scheine aufbewahrt werden müssen“, stellte Schwarz fest.

Hausbesuch bringt ­Mehraufwand

Auch das Thema Hausbesuch ist für Schwarz noch nicht befriedigend gelöst. Da derzeit noch keine mobilen Lesegeräte für die E-Card zur Verfügung stehen, müssen die Daten nach einem Hausbesuch vom Arzt in der Ordination ins System nachgetragen werden. „In Zeiten wie jetzt, in denen Tausende Patienten mit Grippe darniederliegen, bedeutet das für jeden Arzt, der Hausbesuche macht, natürlich einen erheblichen Mehraufwand“, stellte Schwarz fest.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 9/2005

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