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Gesundheitspolitik 24. August 2005

Pharmaverband verschärft den Verhaltenskodex für Mitgliedsfirmen

Vom eher zahnlosen Kätzchen zum Säbelzahntiger: Die Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen (Pharmig) nimmt ihre Mitglieder strenger als bisher in die Pflicht.

Mittels hoher Geldstrafen, der Meldung von Verstößen von Pharmig-Mitgliedern an die jeweiligen Mutterkonzerne bis zum Ausschluss aus der Interessensvertretung, in der 95 Prozent der österreichischen Pharmaunternehmen Mitglied sind, reichen die Bestimmungen im neuen Code of Conduct, der mit 1. Jänner 2005 in Kraft getreten ist. Verstößt ein Mitgliedsunternehmen innerhalb von 24 Monaten wiederholt gegen eine Bestimmung des Verhaltenskodex oder auch nur einmal gegen bestimmte Auflagen, wie etwa jene für Einladungen zu wissenschaftlichen Kongressen, dann kann eine Geldstrafe in Höhe von 20.000 bis 100.000 Euro gegen das betroffene Unternehmen verhängt werden. Diese Bestimmung ist neu im Verhaltenskodex. Neu ist auch „die Durchsetzbarkeit von Entscheidungen“, erklärte Dr. Hubert Dreßler, Präsident der Pharmig, anlässlich der Präsentation des Kodex Ende 2004 in Wien. Werden Verstöße gegen das Regelwerk angezeigt, besteht die Möglichkeit eines schiedsgerichtlichen Urteils, gegen das keine Berufungsmöglichkeit vorgesehen ist. „Ein solches Urteil ist wie ein Titel in einem ordentlichen Gerichtsverfahren“, betonte Dreßler. Erfolgen sollen Entscheidungen über Verstöße gegen die Bestimmungen im neuen Verhaltenskodex allerdings deutlich schneller als bei Gericht, nämlich innerhalb eines Monats. Eine Beschwerde kann jeder einbringen, egal ob Pharmafirma, Hauptverband, Arzt oder Patient. „Die Pharmig prüft jede Beschwerde, leitet sie an das betroffene Unternehmen weiter und kann, wenn dies notwendig ist, auch ein Schiedsgericht einberufen“, sagte Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär der Pharmig. 2004 gab es sieben Beschwerden, eine davon wurde als Verstoß gewertet. Die neuen Regelungen betreffen unter anderen Einladungen von Ärzten zu Kongressreisen, Geschenke und die Abgabe von Ärztemustern.
Bindend sind die Bestimmungen für alle 114 Mitgliedsfirmen, für Nichtmitglieder findet der Kodex allerdings keine Anwendung. „Verstöße von Nichtmitgliedern werden üblicherweise an den Fachverband der chemischen Industrie weitergeleitet“, erläuterte Dr. Jan Oliver Huber, Generalse­kretär der Pharmig, bei einer Pressekonferenz in Wien. Er sieht im Verhaltenskodex allerdings durchaus auch eine „Richtschnur“ für Nichtmitglieder. Die Betreuung von Ärzten unterliegt in einzelnen Belangen nunmehr strengeren Vorgaben als bisher. Geschenke von Pharmafirmen an ÄrztInnen sind generell untersagt, ebenso dürfen MitarbeiterInnen von Pharmafirmen keinerlei Geschenke mehr annehmen. Verschärft wurden auch die Bedingungen für Einladungen von ÄrztInnen zu Kongressreisen oder anderen medizinisch-wissenschaftlichen Veranstaltungen. „Derartige Veranstaltungen müssen der wissenschaftlichen Information oder Fortbildung dienen und grundsätzlich im Inland stattfinden“, erläuterte Dr. Hubert Dreßler, Präsident der Pharmig. Unerwünscht ist, laut neuem Kodex, die Mitnahme von Begleitpersonen. „Werden diese dennoch mitgenommen, müssen sie selbst für die Kosten der Reise aufkommen“, erklärte Dressler. Verschärfte Regelungen gelten in Zukunft für die Abgabe von Ärztemustern. So dürfen im ersten Jahr der Zulassung einer Arznei­spezialität nur noch so viele Ärztemuster abgegeben werden, wie zur Beurteilung des Behandlungserfolges bei höchstens 10 PatientInnen ausreichend sind.

Vorauseilender Gehorsam

Für Dreßler ist der neue Verhaltenskodex „ein entscheidender Schritt in Richtung saubere Branchenkultur“. Mit der Möglichkeit der Verhängung von Bußgeldern sei der Kodex zudem strenger als die Bestimmungen der Europäischen Interessenvertretung EFPIA (European Federation of Pharmaceutical Industries; www.efpia.org). „Wir rechnen außerdem mit einer weiteren Einschränkung der Werbemöglichkeiten für Arzneimittel auf europäischer Ebene“, sagte Dreßler. „Um nicht gleich wieder nachbessern zu müssen, haben wir unseren Verhaltenskodex bereits jetzt strenger als jenen der EFPIA formuliert.“ Den Pharmig-Verhaltenskodex gibt es seit 1971. Im Jahr 2004 wurde das freiwillige Regelwerk zum dritten Mal novelliert. „Der Kodex hat auch eine wichtige präventive Funktion“, ist Huber überzeugt. „Jedes Jahr werden an die Pharmig rund hundert Anfragen gerichtet, ob diese oder jene Veranstaltung laut Kodex erlaubt ist oder nicht. Damit werden viele Verstöße bereits im Vorfeld verhindert.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 1/2005

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