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Dr. Gernot Rainer, Begründer und Obmann der Asklepios Gewerkschaft für angestellte Ärzte in Österreich.
 
Gesundheitspolitik 22. Februar 2016

„Dieser Bescheid ist keineswegs in Stein gemeißelt“

3 Fragen, 3 Antworten

In den Social-Media-Foren wird kontroversiell über Asklepios diskutiert. Der Vorsitzende, Dr. Gernot Rainer, nimmt sich auch kein Blatt vor den Mund.

Ein häufig geteilter Kommentar lautet: Wenn die Ärzte schlau sind, dann nützen sie die Gunst der Stunde und streiken quer durch die Bank. Richtig?

Rainer:Eine akute Streikgefahr sehe ich nicht. Wenn sich die Dinge zuspitzen, kann die Stimmung innerhalb der Ärzteschaft bald kippen. Wir befinden uns an einem Wendepunkt und haben zu entscheiden, wohin wir das Gesundheitssystem entwickeln möchten. Ich befürchte einen Abbau des öffentlichen Solidarsystems. Das wird den niedergelassenen Bereich ebenso treffen wie die angestellten Ärzte – und damit die Patientenversorgung verschlechtern. Wohin das führen kann, haben uns die Vorgänge in der Kinderambulanz im SMZ Ost dramatisch vor Augen geführt. Da ging es nur mehr um Krisenmanagement, mit seriöser Medizin hatte das nichts mehr zu tun. Wir werden sehen, wer dagegen kämpfen wird.

Sollen Ärzte einen gemeinsamen Kollektivvertrag verlangen?

Rainer:Das Thema wird auch innerhalb unserer Gewerkschaft gerade intensiv diskutiert. Für mich persönlich könnte ein Mindest-Kollektivvertrag durchaus Sinn machen. Es gibt aber auch Gegenargumente, etwa die Hoffnung, dass in einer freien Marktwirtschaft Verbesserungen in einer Region automatisch auf andere Regionen oder Bereiche übergreifen und so gleichsam ein Wettbewerb um die besten Köpfe entsteht, der sich positiv auf die Arbeitsbedingungen und Gehälter auswirkt. Ich sehe aber ehrlich gesagt einen solchen freien Markt im Gesundheitswesen nicht.

Hätten Sie sich nicht viel Ärger erspart, wenn Sie vor Gewerkschaftsgründung einen Arbeitsrechtler konsultiert hätten?

Rainer:Das sehe ich nicht so. Nach Meinung der Arbeitsrechtler, mit denen ich gesprochen habe, ist der ablehnende Bescheid nicht in Stein gemeißelt. Außerdem handelt es sich dabei offensichtlich um einen rein österreichischen Usus.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

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