zur Navigation zum Inhalt
 
Gesundheitspolitik 22. Februar 2016

Hygiene rettet Leben

Hygieniker setzen sich für bundesweit einheitliche Standards zur Vermeidung nosokomialer Infektionen ein.

Aktuelle Anlässe haben das Thema der Krankenhausinfektionen in den medialen Fokus gerückt. Um Hygienemaßnahmen effektiv umzusetzen und Infektionen zu vermeiden, ist sowohl die fundierte Ausbildung der Hygienefachkräfte als auch die einheitliche Erhebung von sogenannten „nosokomialen Infektionen“ notwendig.

Nosokomiale Infektionen haben häufig schwerwiegende Folgen für den Patienten und können im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. In so einem Fall dann einen Einzelnen als Schuldigen zu suchen, sei, laut der Referenten des Journalisten-Workshops der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH) zum Thema „Krankenhaushygiene“ (11. Februar, Wien) der falsche Weg. „Es gibt nicht den ‚einen‘ Schuldigen, der mit Absicht andere infiziert“, sagt Prof. Dr. Assadian, Präsident der Gesellschaft.

Für Österreich gibt es keine bundesweit flächendeckenden Zahlen zu tatsächlichen Spitalsinfektionen, man geht jedoch davon aus, dass ca. jeder 20. Patient (4,5–5 %) im Spital von einer nosokomialen Infektion betroffen ist. Durch fehlende Meldepflicht fehlt eine exakte Evidenz, die sich derzeit nur anhand deutscher Statistiken schätzen lässt, da diese u. a. Zahlen aus Österreichs Spitälern beinhalten. Allerdings existieren bereits jetzt in Österreich direkte und indirekte Regelungen und Empfehlungen zur Vermeidung von nosokomialen Infektionen, wie zum Beispiel die „PRO HYG 2.0“. Diese gewährleisten zwar in der Regel ein gewisses Schutzniveau, flächendeckend durchgesetzt haben sie sich aber noch nicht.

Hygieneteams als Schnittstelle

Die Mitarbeiter der Hygieneteams spielen eine zentrale Rolle in der Umsetzung und Kontrolle der Hygienemaßnahmen in Gesundheitseinrichtungen. Ihnen kommt jedoch zu wenig Unterstützung zu. Gerlinde Angerler von der Stabstelle Krankenhaushygiene des Orthopädischen Spitals Speising und Vorstandsmitglied der ÖGKH fasst die Problematik zusammen: „Ein Schwerpunkt der Aufgaben einer Hygienefachkraft ist es, Hygiene und Infektionsprävention durch Maßnahmen der Erkennung, Verhütung und Bekämpfung solcher Infektionen zu optimieren. Als Hygienefachkraft gilt es, im Sinne der Prävention, die Mitarbeiter für Hygiene zu sensibilisieren und dadurch den Patienten zu schützen. Der Ausbildung der Hygienefachkraft kommt somit eine zentrale Bedeutung bei der Senkung von nosokomialen Infektionen zu.“

Aktuelle Fälle rund um Spitalsinfektionen in Österreich lassen viele Fragen offen. Als Schnittstelle in diesem Bereich können eindeutig Experten von Hygieneteams genannt werden. „Als Dreh- und Angelpunkt in der direkten Patientenversorgung hat das Pflegefachpersonal eine zentrale Bedeutung, wenn es um Themen der Krankenhaushygiene geht. Dies betrifft die unmittelbare Anwendung von Hygienemaßnahmen, wie etwa die korrekte Durchführung der Desinfektion der Hände“, erläutert Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbands.

Lauf Assadian sind Verordnungen aus der Politik in Bezug auf die Hygiene auch keine große Hilfe. Was kann etwa die aktuelle Zielsteuerung „Qualitätsstandards Organisation und Strategie der Krankenhaushygiene“ erreichen, wenn selbst einfachste Verordnungen, wie etwa die Nadelstichverordnung vielerorts kurzerhand ignoriert werden? – eben gar nichts.

Einsparungen im Krankenhausbereich stellen für die Hygiene in den Institutionen ein großes Problem dar. Durch Budgetkürzungen ist der Einkauf in Krankenhäusern oft gezwungen, auf billigere Produkte, jedoch hinsichtlich bestimmter Qualitätskriterien ungünstigere Medizinprodukte zurückzugreifen.

Ein offener Umgang mit Krankenhausinfektionen verlangt, dass kritische Themenbereiche angesprochen werden. Das bedeutet, dass ein offener Dialog zwischen Institutionen, Pflegern und Patienten stattfinden muss. „Offenes Umgehen, ein verbindliches Meldesystem, öffentliche Darstellung der Infektionshäufigkeit und verbindliche Qualitätsstandards sind unabdingbar und längst fällig. Dazu kommt, dass viele praktische Strategien zur Infektionsvermeidung, wie etwa die Desinfektion der Hände, zwar dem Gesundheitspersonal bekannt sind, aber trotzdem nicht durchgehend befolgt werden“, sagt Dr. Gerald Bachinger, Sprecher der österreichischen Patientenanwälte.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben