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© Nicolas Loran / iStock.com
Die Forschung der vergangenen Jahre hat sich ausgezahlt, 2016 kommen interessante Medikamente auf dem Markt.
 
Gesundheitspolitik 15. Februar 2016

Die glorreichen Sieben

Heuer gibt es sieben Wirkstoff-Kandidaten, denen ein besonderer Durchbruch am Pharmamarkt zugetraut wird.

Wirkstoffe gegen HIV und Hepatitis C, Orphan Drugs gegen Krebs und Leberzirrhose, neue Optionen gegen Lungenhochdruck und Parkinson. Das sind die umsatzträchtigsten Neueinführungen, mit denen 2016 zu rechnen ist.

Das Geschäftsmodell forschender Pharmafirmen sind Innovationen. Der Unternehmenserfolg hängt nicht zuletzt vom Management des Produktlebenszyklus ab, sprich: von der Fähigkeit, turnusmäßige Umsatzeinbußen nach Patentablauf durch Neueinführungen zu kompensieren. Wie gut das der Branche derzeit gelingt, hat das Analystenhaus Thomson Reuters ermittelt. Laut dem Report „Drugs to Watch 2016“ werden dieses Jahr wenigstens sieben neue Wirkstoffe den Markt erreichen, denen man zutraut, mittelfristig – hier ab 2020 – Blockbusterstatus zu erreichen: Wirtschaftlich vielversprechendster Kandidat ist Thomson Reuters zufolge Obeticholsäure zur Behandlung chronischer Lebererkrankungen, insbesondere primärer biliärer Zirrhose (PBC). Entwickelt wird das Präparat von dem New Yorker Unternehmen Intercept und der japanischen Sumitomo Dainippon.

Analysten schätzen 2,6 Milliarden Dollar

Die Zulassung für den als Orphan Drug klassifizierten Wirkstoff wurde sowohl in den USA als auch in Europa bereits beantragt. Die Analysten erwarten, dass „das erste Therapeutikum gegen PBC, das seit mehr als 20 Jahren den Markt erreicht“, 2020 rund 2,6 Milliarden Dollar erlöst. Mittelfristig zweifaches Blockbusterpotenzial wird auch der fixen HIV-Kombi Emtricitabin plus Tenofovir-Alafenamid bescheinigt, die Gilead und Japan Tobacco derzeit durch die Zulassung bringen. Dieser Wirkstoffcocktail, ergänzt um den nicht-nukleosidischen Reverse Transkriptase-Hemmer Rilpivirin von Janssen, belegt Platz drei auf der Reuters-Liste. Dieser HIV-Kombi werden ab 2020 Verkäufe um 1,6 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Ähnlich umsatzträchtig wird eine neue Pille zur Behandlung chronischer Hepatitis C vom US-Konzern Merck & Co. eingeschätzt.

Die Kombination des NS3/4A-Inhibitors Grazoprevir mit dem NS5A-Hemmer Elbasvir wurde kürzlich von der US-Oberbehörde FDA gegen HCV-Genotypen 1, 4 und 6 zugelassen; Warenzeichen dort ist Zepatier ™. In Europa liegt ein Zulassungsantrag gegen die HCV-Genotypen 1, 3, 4 und 6 vor, über den jedoch noch nicht entschieden ist.

Vielversprechende neue Option

Ebenfalls Orphan-Drug -Status hat der von Abbvie und der Roche-Tochter Genentech entwickelte BCL-2-Inhibitor Venetoclax, eine vielversprechende neue Option gegen chronisch lymphatische Leukämie bei Patienten mit einer 17p-Deletion. Im November wurde die Zulassung bei der FDA eingereicht, einen Monat später bei der europäischen EMA. Die Reuters-Analysten prognostizieren ab 2020 Jahresumsätze von rund 1,5 Milliarden Dollar.

Nächster Kandidat ist der Serotoninblocker Pimavanserin. Der von der kalifornischen Acadia Pharmaceuticals entwickelte inverse 5-HT2A-Rezeptoragonist erhielt in der Indikation Psychosen bei Parkinson von der FDA den Status eines Therapiedurchbruchs. Laut Terminkalender der Behörde soll der Zulassungsantrag Anfang Mai beschieden werden. In Europa wurde noch kein Dossier eingereicht. Bemerkenswert: 2009 hatte Pimavanserin in einer Phase-III-Studie enttäuscht, inzwischen scheinen bessere Daten vorzuliegen. Die Substanz, die voraussichtlich unter dem Namen „Nuplazid“ vertrieben werden wird, könnte mittelfristig 1,4 Milliarden Dollar einspielen.

Letzter Blockbusterkandidat – laut Reuters mittelfristig 1,3 Milliarden Dollar schwer – ist das orale Prodrug Selexipag (Uptravi®), ein selektiver Prostazyklin-Agonist zur Behandlung des Lungenhochdrucks. Ein Expertenausschuss der europäischen EMA gab Ende Januar eine positive Zulassungsempfehlung ab. Die Marktfreigabe durch die EU-Kommission gilt damit als sicher. In den USA wurde das von Actelion in Lizenz von Nippon Shinyaku entwickelte Mittel im Dezember zugelassen und ist bereits eingeführt.

Christoph Winnat, Ärzte Woche 7/2016

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