zur Navigation zum Inhalt
© (2) Georg Hochmut / picture alliance
Dr. Josef Penninger, Jahrgang 1964, ist als wissen- schaftlicher Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie, kurz: IMBA, in Wien tätig. Der Genetiker aus Oberösterreich betreibt Grundlagenforschung und ist Wittgenstein-Preisträger 2014.

Dr. Norbert Bischofberger,Jahrgang 1957, ist Vizepräsident der US-Pharmafirma Gilead Sciences, für die er seit 1990 tätig ist. Der Biochemiker aus Vorarlberg hat Mitte der 1990er-Jahre das Influenza-Therapeutikum Tamiflu entwickelt. Heute beschäftigt er sich bei Gilead mit Forschungen zum Ebola- und Zika-Virus.

© chromorange/picture alliance
 
Gesundheitspolitik 15. Februar 2016

Part of the game

Es geht nicht mit ihnen und nicht ohne sie – Forscher und ihr Verhältnis zu Medien.

Zwei Experten, zwei Zugänge: Während der Biochemiker Bischofberger nur mit Investoren kommuniziert, ist sich Genetiker Penninger auch für klassische Pressearbeit nicht zu schade.

Going public meint sowohl einen Börsengang wie auch allgemein „an die Öffentlichkeit gehen“. Dr. Norbert Bischofberger versteht darunter eher ersteres, Dr. Josef Penninger – Wittgenstein-Preisträger 2014 – wählt den direkten Zugang zu wissenschaftsaffinen Medien und Politikern.Die beiden Experten trafen auf Einladung des Clubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten und des VLKÖ (Verband der leitenden Krankenhausärzte Österreichs) zusammen, um ihren Umgang mit der Öffentlichkeit und der veröffentlichten Meinung darzulegen. Bischofberger meint, es sei dringend geboten die Öffentlichkeit zu erziehen. Ein Grund dafür: „Manche Hollywood-Celebrities verbreiten, dass Impfungen Autismus hervorrufen können, eine Behauptung, für die es keine wissenschaftlichen Belege gibt.“ Die Pressearbeit von Gilead ist allerdings äußerst zurückhaltend. „Wir machen Presseaussendungen für Investoren. Wenn man seriös rüberkommt, hat man einen guten Job gemacht, es gibt wenig zu gewinnen, aber viel zu verlieren.“ Journalisten seien an Schlagzeilen interessiert, sagt Bischofberger. Viele wissenschaftliche Veröffentlichungen seien außerdem schlicht unverständlich für Laien. Als das Influenzamittel Tamiflu® zugelassen wurde, „war es sehr ruhig“, sagt Bischofberger, erst mit der Vogelgrippe 2004 sei die Welt aufgewacht. „Wir sind nie proaktiv auf die Medien zugegangen. Heute ist mir klar – wir hätten es tun sollen.“ Der Hintergrund: An der Wirksamkeit des Grippemittels gab es Zweifel, schwer wog etwa die Kritik der Cochrane Collaboration, einem Netzwerk von Wissenschaftlern und Ärzten, die Studien auf ihre Aussagekraft abklopfen und die 2009 bemängelten, dass ein Großteil der Daten aus den Phase III-Studien zu Tamiflu® nicht veröffentlicht wurden.

Während Bischofberger jedes Wort auf die Goldwaage legt, können Grundlagenforscher durchaus etwas gewinnen, wenn sie mit Wissenschaftsjournalisten über ihre Forschung sprechen. Penninger erhielt am Ontario Cancer Institute in Toronto ein fundiertes Medientraining. Das Ziel: Mit Forschungsergebnissen in die Schlagzeilen kommen, um finanzkräftige Investoren anzulocken. Penninger: „Medien sind ,part of the game’.“ Als er dem Ruf nach Österreich folgte, musste der Forscher seine Medienarbeit verstärken: „Es ist wichtig für uns, in der Öffentlichkeit zu stehen und zu erklären, was wir tun. Es gab damals eine politische Initiative für ein Gen-freies Österreich. In diesem Umfeld musste ich ein Genetik-Institut aufbauen.“

M. Burger, Ärzte Woche 7/2016

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben