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Mag. Helmut Kern MA, Gesamtleiter Barmherzige Brüder
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Prim. Dr. Manfred Greher Sprecher der Plattform der acht Wiener Ordensspitäler

© Willfried Gredler-Oxenbauer / picture alliance

Das Orthopädische Spital Speising soll zu einer orthopädischen Fachklinikausgebaut werden.

 
Gesundheitspolitik 10. Februar 2016

„Kurzfristige Vereinbarungen führen zu kurzfristigem Denken“

2016 wurde zum „Schlüsseljahr für Wiens Ordensspitäler“ ausgerufen. Die Verantwortlichen versuchen der Politik ihre Forderungen für die Finanzierungsverhandlungen zu diktieren.

Jeder fünfte stationäre Patient in Wien wurde im vergangenen Jahr in einem der acht gemeinnützigen Ordensspitäler der Stadt betreut.

Besonders hoch – also deutlich über 20 Prozent – liegt der Versorgungsanteil der Ordensspitäler bei Nerven- und Gehirnerkrankungen, Behandlungen des Gastro-Intestinal-Traktes, des Stütz- und Bewegungsapparates und vor allem in der Palliativmedizin. Fast jedes zweite Wiener Palliativbett steht heute in einem Ordensspital.

Eine Vorreiterrolle nehmen die Ordensspitäler laut ihrem Sprecher, Prim. Dr. Manfred Greher, beim wachsenden Anteil tagesklinisch betreuter Patienten ein. Dank eines kontinuierlichen Ausbaus des Angebots konnten im Vorjahr bereits über 31.000 Patienten tagesklinisch behandelt werden. Auch im Bezug auf die zuletzt „deutlich reduzierte Verweildauer“ der stationären Patienten schneiden die Ordenshäuser im Vergleich zu den Gemeindespitälern gut ab, betont Greher, Ärztlicher Direktor des Herz-Jesu Krankenhauses.

Mag. Helmut Kern, MA, Gesamtleiter Barmherzige Brüder, Krankenhaus Wien, hebt die Bedeutung der acht Ordensspitäler als wesentlicher Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in der Stadt hervor: „Wir beschäftigten 2015 rund 4.310 Mitarbeiter, das macht uns zu einem der größten privaten Arbeitgeber Wiens.“ Die Bandbreite der beschäftigten Berufsbilder reicht vom Arzt über Pflegepersonal, Therapeuten, Psychologen, Seelsorgern und Sozialarbeitern bis hin zu Technikern, Verwaltungspersonal, Reinigungs- und Küchenkräfte sowie Kindergärtnerinnen. Auch zahlreiche Lehrstellen werden angeboten.

Mit Ende des Jahres läuft die vierjährige Finanzierungsvereinbarung mit der Stadt Wien aus. Verhandlungen für eine Nachfolgeregelung stehen also in Kürze bevor. Um dafür ein gutes Gesprächsklima zu schaffen, bedankt sich Greher als Sprecher der Plattform der acht Wiener Ordensspitäler für die bisherige Unterstützung der Stadt: „Wir sehen das auch als Wertschätzung durch die Stadt, dass unsere Häuser zur Gesundheitsversorgung einen wichtigen, qualitativen Beitrag geleistet haben.“ Die erstmals über eine Periode von vier Jahren reichende, aktuelle Finanzierungsvereinbarung habe sich laut Dreher bewährt, weil sie eine Planungssicherheit mit sich gebracht hat.

Darüber habe die Stadt bei massiven, unvorhersehbaren Veränderungen der Rahmenbedingungen auch entsprechende Flexibilität gezeigt, etwa was das neue Arbeitszeitgesetz betrifft. So sei es erstmals überhaupt möglich gewesen, einen für alle acht Spitäler gültigen, einheitlichen Ärzte-Kollektivvertrag zu verhandeln. Der sich daraus ergebende finanzielle Mehraufwand wurde dabei von der Stadt übernommen – über die laufende Finanzvereinbarung hinaus. „Wir haben gesehen“, erläutert Greher, „dass unterwegs Dinge passieren können, die bei einer solchen Vereinbarung noch gar nicht absehbar und planbar sind. Der aktuelle Vertrag enthält einen entsprechenden Passus, um darauf rasch und flexibel reagieren zu können.“

Auch Kern bilanziert die letzten vier Jahre positiv, wünscht sich ab 2017 eine „wieder mindestens über vier Jahre laufende Vereinbarung“, alles andere wäre aus wirtschaftlicher Sicht unsinnig. „Kurzfristige Vereinbarungen führen zu kurzfristigem Denken“, sagt Kern, das aber habe besonders im Gesundheitsbereich nichts zu suchen.

Bezüglich der bevorstehenden Verhandlungen mit der Stadt über einen neuen Vertrag sei man zwar in „ständigen Gesprächen“, sagte Greher auf Nachfrage der Ärzte Woche, direkte Verhandlungen hätten aber noch nicht begonnen. Die Wiener Gesundheitsstadträtin Mag. Sonja Wehsely will vorerst abwarten, „welcher Spielraum der Stadt zur Verfügung steht“. Die Frage der konkreten Ausgestaltung der zukünftigen Finanzierung hänge nämlich maßgeblich vom Abschluss der FAG-Verhandlungen (red. Anm.: Finanzausgleichs-Gespräche) ab. „Als Stadt stehen wir aber in bewährter Form zu den Ordensspitälern, die wichtige Partnerinnen in der Wiener Spitalslandschaft sind“, ließ Wehsely aber über ihre Sprecherin ausrichten.

Kern verweist in diesem Zusammenhang auf eine ganze Reihe bereits laufender bzw. in Kürze anstehender Investitionsprojekte, wofür entsprechende Planungs- und damit auch Finanzierungssicherheit dringend benötigt werde.

Neben notwendigen Modernisierungen und einem weiteren Ausbau der tagesklinischen Strukturen werden etwa das Krankenhaus Göttlicher Heiland zu einer Fachklinik für Gefäß- und Herzerkrankungen und Neurologie, das Herz-Jesu Krankenhaus zu einer Orthopädischen Fachklinik, das Krankenhaus Barmherzige Schwestern zu einer Fachklinik für den Verdauungstrakt und urologischen Bereich, Onkologie und Psychosomatik, das Orthopädische Spital Speising zu einer Orthopädischen Fachklinik oder das St. Josef-Krankenhaus zu einem Eltern-Kind-Zentrum und einer Fachklinik für Onkologie ausgebaut. Sämtliche Projekte sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Bereits am 1. Jänner 2017 wird außerdem das neue Franziskus Spital in Betrieb gehen, als ein Krankenhaus an zwei Standorten – im dritten (derzeit St. Elisabeth Krankenhaus) und fünften Bezirk (Hartmannspital). „Sie sehen, wir haben nicht nur schon viel getan, sondern wir haben auch noch viel vor“, sagt Kern.

Wo es seitens der Politik nach Ansicht von Greher allerdings massiven und unmittelbaren Handlungsbedarf gibt, ist die „eklatante Unterfinanzierung unserer Ambulanzen“. Manche der Häuser hätten derzeit überhaupt keine Ambulanzverträge, obwohl sie entsprechende Leistungen erbringen, erklärt Greher, manche bekämen „Minipauschalen: 10.000 Euro für mehr als 30.000 Ambulanzbesuche“. Ambulanzdienste seien für das Leistungsangebot der Häuser zwar wesentlich – im Vorjahr wurden 280.000 Patienten ambulant behandelt –, die Kosten dafür würden derzeit „aber nicht einmal annähernd abgedeckt“.

Zukünftig rechnet Greher eher mit einem noch größeren ambulanten Angebot, das notwendig sein wird, um Leistungen zu übernehmen, die der stationäre Bereich nicht länger leisten kann und der niedergelassene Bereich nicht gänzlich zu übernehmen in der Lage sein wird. Die Ordensspitäler seien daher durchaus auch bereit, ihre ambulanten Leistungen noch weiter auszubauen, wenn dies gesundheitspolitisch gewünscht werde. „Wir brauchen dafür nur ein faires Angebot“, sagt Greher und fordert, dass „die bundesweit in Vorbereitung befindliche allgemeine Ambulanzfinanzierung nicht nur vorangetrieben wird, sondern dann auch endlich eine ausgewogene Kostendeckung bringt“.

Ob und wann diese Ambulanzfinanzierung tatsächlich am Tisch liegt, darüber wollte das Gesundheitsministerium „derzeit keine Stellungnahme abgeben“. Die erhoffte langfristige Planungssicherheit muss wohl noch auf unbestimmte Zeit warten, zumindest was die Ambulanzen betrifft.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 6/2016

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