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... kritisiert Biotrial wegen seiner Informationspolitik.
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Frankreichs Gesundheitsministerin Marisol Tourraine...

 
Gesundheitspolitik 25. Jänner 2016

Toter bei Medikamententest in Rennes

Strengere Vorschriften konnten Unglück bei Phase-I-Test nicht verhindern.

Ein Proband starb in Rennes, nachdem er zuvor für hirntot erklärt worden war, den fünf weiteren Betroffenen geht es besser. Das Forschungszentrum Biotrial verteidigt sich.

Nach dem fehlgeschlagenen Medikamententest in Frankreich mit einem Toten und mehreren Erkrankten sieht die Regierung keinen Anlass für einen generellen Stopp solcher Studien. Gesundheitsministerin Marisol Touraine sagte am vergangenen Montag, bei dem Drama während der klinischen Studie handle es sich um ein „massives und nie da gewesenes Problem“, das umfassend geklärt werden müsse.

Die Ursache des Pharma-Dramas ist noch unklar. Aufsichtsbehörden und Staatsanwaltschaft ermitteln. „Nichts rechtfertigt jedoch, derartige Studien jetzt komplett abzubrechen“, sagte Tourraine. In den vergangenen Tagen waren in Rennes insgesamt sechs Menschen nach einem Medikamententest ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein Mann, der zunächst für hirntot erklärt wurde, starb am Sonntag, vier der fünf anderen Patienten wiesen neurologische Probleme auf, einige wurden in heimatnahe Krankenhäuser überwiesen. Vergangenen Donnerstag verließ dann der letzte Erkrankte am vergangenen Freitag die Universitätsklinik der westfranzösischen Stadt Rennes. Der Patient sei mit verbessertem Gesundheitszustand nach Hause entlassen worden, hieß es.

Gesundheitsministerin Marisol Touraine sagte, sie sei erst am vergangenen Donnerstag über den Vorfall informiert worden, obwohl der erste Proband schon am Sonntag zuvor ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Eine raschere Benachrichtigung durch das zuständige Labor wäre wünschenswert gewesen.

Das Forschungszentrum Biotrial verteidigte sich, für die Benachrichtigung wäre das portugiesische Pharmaunternehmen Bial zuständig gewesen, in dessen Auftrag der Test ausgeführt wurde. Außerdem hätten die Ärzte bei dem ersten Patienten zunächst einen Schlaganfall befürchtet und dessen Beschwerden nicht unmittelbar mit dem Medikamententest in Verbindung gebracht. Wie schlecht es um ihn stand, sei erst später bekannt geworden, erklärte Biotrial.

Insgesamt hatten 90 Probanden das Medikament, ein Mittel gegen Schmerzen und Angstzustände, in verschiedenen Dosierungen eingenommen. Dutzende weitere Testpersonen erhielten ein Placebo. Der Test wurde nach dem Vorfall gestoppt.

Drei verschiedene Untersuchungen sollen nun klären, wie es zu dem Drama kommen konnte. Mit Ergebnissen rechnet die französische Regierung allerdings nicht vor Ende des Monats.

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