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Gesundheitspolitik 12. Jänner 2016

Heimat bieten

Plädoyer für die Überwindung der Ängste

Die diffusen Ängste sind die gefährlichsten: Sie lassen sich so schlecht fassen und damit auch schlecht abbauen. Gleichzeitig lassen sie sich wunderbar für Regulierungs- und Verbotsmaßnahmen missbrauchen. Nur ein ganz kleiner Teil der Bevölkerung ist tatsächlich direkt betroffen von diesen Wanderbewegungen und das sind jene, die in den Grenzorten der Flüchtlingsrouten oder nahe den Aufenthaltsstationen der vor unfassbaren Zuständen fliehenden Menschen leben. Faszinierend dabei ist: Der Großteil dieser direkt Betroffenen hat die Ängste längst hinter sich gelassen und ist aktiv geworden, hilft, unterstützt auf vielfältige Weise. Weil „die“ Flüchtlinge zu Individuen geworden sind, zu Mitmenschen, vielfach auch zu Freunden. Egal wo sie herkommen.

Jeder Mensch mit seinem Schicksal

Die Ängste auf Seiten der Flüchtlinge sind dagegen sehr real und handfest und sehr, sehr viele sind von dem Erlebten in ihrer Heimat traumatisiert. Die Massenlager im Libanon und andernorts stellen zwar einen Schutz vor den Kampfhandlungen dar, aber keinen Schutz vor Wetter, Krankheit und Tod. Die hygienische Situation in diesen Flüchtlingslagern ist äußerst mangelhaft. Vor allem Kinder sind diesen extremen Rahmenbedingungen oft nicht gewachsen, sie erfrieren oder sterben an Infektionen. Hätten die Menschen dort eine Perspektive zu leben, zu arbeiten, zur Schule zu gehen – sie würden bleiben.

Aber anstelle den Menschen vorort zu helfen, solange eine politische Lösung und ein dauerhafter Frieden im Herkunftsland nicht absehbar sind, werden Unterstützungsprogramme gekürzt und die Menschen im Stich gelassen. Hilfe kommt von einigen internationalen NGOs oder auch Privatinitiativen, die unter anderem aus Österreich betrieben werden – von engagierten Menschen, die häufig selbst aus dem arabischen Raum stammen und seit Jahren in Österreich leben – als Ärzte, als Wissenschaftler, als Unternehmer, die kamen, als Österreich vor 30 oder 40 Jahren sie willkommen hieß.

Wirtschaftliche Impulse

Deutschland könne den Flüchtlingsstrom wirtschaftlich verkraften, erklärten kürzlich die fünf Wirtschaftsweisen, wenngleich sie bezüglich des Mindestlohns eine Bremse empfehlen. Allerdings wird dabei auch festgehalten, dass durch die steigende Bevölkerungszahl auch wirtschaftliche Impulse ausgehen werden, wie etwa mehr Bedarf an Wohnraum. Zahlreiche andere Dienstleistungen und Aspekte der Nachfrage werden sich ebenfalls ergeben. Die Deutsche Industrie ist bereit, qualifizierte Arbeitskräfte aufzunehmen, in absehbarere Zeit wird Deutschland sehr froh sein, wenn die Bevölkerung wächst.

Das sollten wir auch sein. Gleichzeitig sollte man aber auch bedenken, dass sehr viele Menschen, die vor der Gewalt und Lebensbedrohung in ihrem Heimatland geflohen sind, gerne wieder zurückgehen werden, sobald dies in einigermaßen friedlichen Verhältnissen wieder möglich sein wird. Gerade die Menschen Syriens haben eine sehr große Liebe zu ihrem Land. Sie gehen, wenn sie gehen, sehr schweren Herzens. Selbst wenn sie aufgrund relativ günstiger Umstände in den Arabischen Emiraten unterkommen können, weil Familienangehörige dort Unterschlupf bieten, aber dort zur Untätigkeit gezwungen sind, ist der einzige große Wunsch: Rückkehr – in jenes Land, von dem ein Sprichwort sagt: Jeder Mensch hat zwei Heimaten – seine eigene und Syrien. Es wäre Zeit, auch bei uns Heimat anzubieten

meint Ihre

Verena Kienast

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