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Gesundheitspolitik 23. November 2015

Sterbebegleitung

Was ist dem Arzt erlaubt? Medizinrechtsexperte Wolfgang Putz sagt: Rechtmäßig ist, was fachlich indiziert ist und dem Willen des Patienten entspricht.

Einerseits ist der Arzt durch sein Berufsethos und das Standesrecht verpflichtet, Sterbenden beizustehen. Andererseits drohen bei Überschreiten der vom Gesetzgeber gezogenen Grenzen strafrechtliche Maßnahmen. Erschwerend wirke, dass die Deutsche Bundesärztekammer unter Frank Ulrich Montgomery die ärztlich assistierte Selbsttötung von sterbenskranken Patienten strikt ablehnt. Einem Medienbericht zufolge sagte Montgomery, der Arzt sei „auf keinen Fall dafür da, einem Suizidwilligen zu assistieren“. Man solle es „den Klempner machen lassen, aber eben nicht den Arzt“ (SZ, 12. 12. 2014).

Für Putz ist die Rechtslage „glasklar“: 1994 habe der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass der Arzt nur innerhalb des Patientenwillens dazu verpflichtet sei, Leben zu erhalten. Dies bedeute, „dass man Patienten nach ihrem Willen sterben lassen muss, auch wenn man sie weiter am Leben erhalten könnte“. Der ärztliche Eingriff werde durch zwei Säulen gerechtfertigt: Patientenwille und Indikation. Dabei steche der Wille des Patienten die Indikation, und zwar selbst in Fällen, in denen eine Maßnahme medizinisch absolut indiziert wäre, wie z. B. eine lebensnotwendige Bluttransfusion. Lehne der Patient diese ab, würde „die Rettung zur Straftat“, sagt Putz.

Der Artikel basiert auf der Veröffentlichung „Sterbebegleitung: Was ist dem Arzt erlaubt?“von Dr. Elke Oberhofer in der Zeitschrift „MMW“ 19/2015, © Springer Verlag.

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