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Dr. Karlheinz Kornhäusl Obmann der Bundessektion Turnusärzte in der ÖÄK und Obmann-Stellvertreter der Kurie Angestellte Ärzte in der ÄK Steiermark

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Dr. Beate Prettner Landeshauptmann-Stellvertreterin für Kärnten, zuständig für Gesundheit und Krankenanstalten in der Landesregierung

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Dr. Arnold Gabriel KABEG-Vorstand

 
Gesundheitspolitik 10. November 2015

Arbeitskampf am LKH Wolfsberg

Im Landesklinikum Wolfsberg drohten Turnusärzte aus Unzufriedenheit über ihre Ausbildungsbedingungen mit kollektiver Kündigung. Die Ärztekammer forderte interne und politische Konsequenzen. Verbesserungen seien längst in Umsetzung, entgegnete das KABEG-Management. Zu Kündigungen kam es bislang nicht. Für die Politik ist das Schnee von gestern.

Es war starker Tobak, den der in der Österreichischen Ärztekammer für die Turnusärzteausbildung zuständige Sektionsobmann Karlheinz Kornhäusl vor einigen Tagen via Aussendung verstreute. Unter dem Titel „Alarmierende Kündigungswelle in Kärnten“ schrieb Kornhäusl wörtlich: „Im Kärntner Landeskrankenhaus Wolfsberg sei die Situation trotz Ausbildungsreform und verschiedener vom Spitalsträger KABEG beschlossener Maßnahmen so unbefriedigend und demotivierend, dass alle acht Turnusärzte ihre Kündigung eingereicht hätten.“ Hintergrund für diesen drastischen Schritt seien auf der einen Seite „Schwächen in der Führungsebene“ im Krankenhaus selbst, auf der anderen Seite würden sich dahinter „Systemfehler“ verbergen. Die jahrelangen „Hilfeschreie“ der Spitalsärzte würden „in manchen Häusern offenbar ungehört verhallen“. Zudem sende die Landespolitik mit dem Ansetzen des Sparstiftes und der damit verbundenen Umstrukturierung des Gesundheitssystems „völlig falsche Signale. So hält man sicher keine jungen, motivierten Menschen im Land“, bezeichnete Kornhäusl die Zukunftsperspektiven der Jungmediziner als „alles andere als rosig“.

Als die Ärzte-Woche-Redaktion die politisch Verantwortlichen um eine Stellungnahme ersuchte, gab man sich in der Kärntner Landesregierung ob dieses Anliegens verwundert, da es in Wolfsberg zwar Probleme in Einzelfällen gegeben haben möge, jedoch „sicher keine einzige Kündigung“. Überhaupt sei das alles Schnee von gestern und alle Probleme zur Zufriedenheit aller gelöst. Es bestünde also eigentlich wenig Informationsbedarf. Wir haben trotzdem um eine Darstellung gebeten, weil zu viel plötzlich auftretende Harmonie immer ein wenig stutzig macht.

Doppelte Verantwortung

„Was die jungen Ärzte forderten, sollte eigentlich selbstverständlich sein.“

Dass sämtliche Turnusärzte eines Krankenhauses geschlossen ihre Kündigung einreichen wollen, sollte einem Krankenhausbetreiber, aber auch den ärztlichen Vorgesetzten zu denken geben. Ein so drastischer Schritt kann nicht ausschließlich durch Systemfehler motiviert sein, sondern lässt auch auf Schwächen der Führungsebene schließen.

Zwar hat auch die KABEG im Zuge der Ausbildungsreform einige Maßnahmen zur Verbesserung der Ärzteausbildung gesetzt. Offenbar hat man aber nicht darauf geachtet, dass diese Vorgaben auch wirklich in allen Häusern gelebt werden.

Dabei waren die Erwartungen der jungen Kollegen weiß Gott nicht überschießend: Sie wollten einfach nicht mehr so gut wie ausschließlich mit Administration und dem Anhängen von Infusionen beschäftigt sein, sondern etwa endlich auch an Visiten teilnehmen, bei der Arbeit am Patienten mitwirken und Erfahrung sammeln. Was diese jungen Ärzte forderten, sollte also eigentlich selbstverständlich sein und belegt vor allem eines: hohe Motivation und ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Es ist unfassbar, dass solche Mindestanforderungen noch immer nicht selbstverständlich sind.

So kann man junge, motivierte Mediziner nicht im Land und schon gar nicht im öffentlichen Gesundheitssystem halten. Verschärfend kommt hinzu, dass die Zukunftsperspektiven für Ärzte in Ausbildung auch in Kärnten nicht gerade rosig sind. Bei der Umstrukturierung des Gesundheitssystems regiert allein der Sparstift. Offenkundig sind sich manche Verantwortungsträger noch immer nicht im Klaren darüber, dass der Ärztemangel jedenfalls in ländlichen Regionen und in der Peripherie längst Realität ist.

Mit schönen Worten und Imagetexten ist es nicht getan. Es ist unabdingbar, dass alle österreichischen Spitäler Ärzte so ausbilden, wie es internationalen Standards entspricht – und zwar jetzt. Das impliziert auch, dass die Häuser die nötigen Ressourcen bereitstellen müssen.

Denn mit Nachdruck sei gesagt: Spitalsbetreiber als Arbeitgeber und Ausbildungsstätten haben eine doppelte Verantwortung: ihren Mitarbeitern gegenüber und gegenüber den Patienten.

Höchste Ausbildungsqualität

„Die Lehrverantwortlichen gehen ihrer wichtigen Aufgabe mit größter Sorgfalt nach.“

Vorab sei klargestellt, dass es weder in Wolfsberg, noch an einem anderen Krankenhausstandort Kärntens zu einer kolportierten „Kündigungswelle“ der Turnusärzte gekommen ist.

Fakt ist, dass es in Wolfsberg unter den Turnusärzten gewisse Unzufriedenheiten mit den im Alltag gelebten Ausbildungspraktiken gab.

Mit diesen Anliegen wandten sich die Turnusärzte an die medizinische Leitung und in mehreren Gesprächsrunden, an denen auch die Abteilungsvorstände teilnahmen, konnten sämtliche Missverständnisse ausgeräumt werden.

Fakt ist, dass das Land Kärnten partnerschaftlich mit der Kärntner Ärztekammer ein verbessertes Ausbildungsmodell für Turnusärzte auf die Beine gestellt hat, das unter anderem die Lehrpraxis, den Notfallmedizinerkurs, integrierte Schmerztherapieausbildung oder auch ein geregeltes Arbeitszeitmodell mit einer planbaren Abfolge der Ausbildungsfächer beinhaltet.

In diesem Punkt sind sich Land Kärnten und Ärztekammer einig, denn unser aller Interesse ist es, gut ausgebildete und motivierte Nachwuchsmediziner in Kärnten zu haben.

Die Vorgaben, die für eine hochwertige Ausbildung der Turnusärzte seitens des Landes und der Ärztekammer festgelegt wurden, sollen in allen Kärntner Spitälern für höchste Ausbildungsqualität sorgen.

Sowohl in Wolfsberg, als auch an allen anderen Kärntner Spitalsstandorten sind sich die Lehrverantwortlichen ihrer wichtigen Aufgabe bewusst und gehen dieser auch mit größter Sorgfalt nach.

Offen für konstruktive Anregungen

„Hochwertige Ausbildung durch gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen.“

Die Ausbildung der Jungärzte hat in den KABEG-Häusern einen hohen Stellenwert. Dazu gibt es sowohl von mir als Vorstand als auch den Direktoren der Häuser ein klares Bekenntnis. Uns ist bewusst, dass die Situation nicht immer in allen Bereichen optimal ist. Daher werden im Sinne eines laufenden Verbesserungsprozesses Maßnahmen erarbeitet, die die Ausbildungsqualität erhöhen. Künftig wird gemeinsam mit den Abteilungsvorständen besonderes Augenmerk auf die Ausbildung gelegt werden. Das bedeutet, dass die Ausbildung von Jungärzten als wesentlicher Bestandteil der Aufgaben der Führungskraft schriftlich festgelegt ist, daraus Maßnahmen abgeleitet und diese in regelmäßigen Abständen evaluiert werden. Im Zuge der neuen Ausbildungsordnung wird nochmals mit jeder einzelnen Abteilung ein Konzept erarbeitet, in dem die Grundlagen der Umsetzung definiert sind. Diese Ausbildungskonzepte sollen den modernen Standards der Lehrmethodik wie zum Beispiel „bedside teaching“, eigenständige Fallführung oder Präsentationen in den Morgenbesprechungen entsprechen.

Bereits initiiert wurde ein regelmäßiger Austausch mit den Turnusärzte-Vertretern. Eine Reihe von Maßnahmen wurde bereits realisiert. Neben einer deutlichen Gehaltssteigerung arbeiten unsere Turnusärzte maximal 25 Stunden durchgehend und durchschnittlich maximal 48 Stunden pro Woche. Durch den Paragraf 15 des GuKG kommt es zu einer Entlastung der Jungärzte durch die Pflegefachkräfte, was mehr Zeit für die Ausbildung schafft. Zusätzlich stellen die neu etablierten medizinischen Organisationsassistenten eine Entlastung dar.

Beim jüngsten Treffen aller Spitalsträger wurde diskutiert, inwiefern eine engere Kooperation zwischen den Bundesländern möglich ist. Das würde bedeuten, dass eine Rotation nicht nur innerhalb eines Trägers, sondern auch in anderen Häusern angeboten werden kann. Selbstverständlich bin ich für konstruktive Anregungen offen. Ich bin überzeugt, dass wir durch unsere gemeinsame Erarbeitung von Lösungsansätzen langfristig eine hochwertige Ausbildung gewährleisten können.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 46/2015

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