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© Ärztekammer für Wien/ Stefan Seelig
FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hätte schlaflose Nächte, würden seine Bediensteten in den Streik treten.
 
Gesundheitspolitik 28. September 2015

Interview mit Heinz-Christian Strache

3 Fragen, 3 Antworten

Der Bau des Krankenhaus Nord könnte Kosten von 1,5 Milliarden Euro verursachen, meint Heinz-Christian Strache. Genaueres werde man aber erst nach der Wahl erfahren. Die Entlastung der Spitalsambulanzen will der Freiheitliche Spitzenkandidat durch verstärkte Bewusstseinsbildung erreichen.

Sie haben Stadträtin Sonja Wehsely der Inkompetenz geziehen. Wenn sie nach der Wahl in die Verlegenheit kämen, selbst Verantwortung zu übernehmen, was würden Sie sofort ändern?

Strache: Ich würde nicht sagen Inkompetenz, sondern ich befürchte, Sie hat bewusst gehandelt, das macht es noch viel fahrlässiger. Man hat eine EU-Richtlinie, eine Vorgabe, zehn Jahre lang gekannt, hat nicht darauf reagiert, hat nicht begonnen, das stufenweise im KAV umzusetzen, und hat bis zur letzten Sekunde zugewartet, um dann ohne Vorbereitungsmaßnahmen, nämlich den niedergelassenen Bereich zu stärken, rechtzeitig dafür Sorge zu tragen, dass dort auch die Strukturen ausgebaut werden, mehr Ärzte im niedergelassenen Bereich als Angebot vorhanden sind, ist man dann hergegangen und hat die Arbeitszeiten im KAV gekürzt und natürlich nicht daran gedacht, dass am Vormittag bei veränderten Zeiten weniger ärztliche Versorgung da ist, neben anderen Fehlentwicklungen. Das heißt: Ich maße mir nicht an, alles besser zu wissen, aber ich rate jedem, der in diesem Bereich Entscheidungen trifft, sich mit den Experten auseinanderzusetzen und vor allen Dingen die Ärzteschaft ernst zu nehmen. Und wenn meine Bediensteten, in dem Fall die Bediensteten der Stadträtin Wehsely, die Ärzteschaft, mit 93 Prozent einen Streik beschließt, dann hätte ich schlaflose Nächte.

Ebenfalls seit Jahren bekannt ist das Problem der vollen Spitalsambulanzen. Wie würden Sie gegensteuern?

Strache: Ein schwieriger Bereich. Natürlich ist das Modell der E-Card und des dortigen Missbrauchs ein Thema. Natürlich auch der Bereich der frühzeitigen Prävention: bei Kindern ansetzen, Sport, gesunde Ernährung. Später dann auch den Patienten das Bewusstsein mit auf den Weg zu geben: Da gibts den niedergelassenen Arzt und zu dem hat man bei Wehwehchen zu gehen und erst ab einer gewissen Problematik in die Ambulanz. Das Bewusstsein für diese Unterscheidung zu schaffen, dass ich nicht wegen Kopfweh ins Spital fahr oder die Rettung rufe, weil das einfach Kosten verursacht, das muss man schaffen.

Die FP argwöhnt, dass es nach der Wahl zu einem Teilabriss des KH Nord kommt, andere Quellen sprechen von Setzungsrissen. Wieder die Frage, was tun?

Strache: Beim KH Nord gibt es viele Gerüchte, man wird sofort festmachen müssen: Was ist dran? Es sind die baulichen Kosten explodiert, das geht in Richtung 1 Milliarde, manche Experten sprechen schon von 1,5 Milliarden Euro Kosten. Das zeigt, dass wahnsinnig unverantwortlich mit den Geldern umgegangen wird, mit dem Geld hätte man gerade im Gesundheitsbereich in Wien viel machen können. Die Frage ist: Ist ein Teilabriss notwendig? Wie geht man mit dem Projekt weiter um. Es soll kein Milliardengrab werden, was teilweise befürchtet wird. Allein was durch Planungs- und Bauversagen in Wien in den vergangenen Jahrzehnten an Geld verpufft ist, da wird einem schlecht.

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