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© ÄK für Wien/Stefan Seelig
Seit 2004 ist Maria Vassilakou Klubobfrau. Ihr Engagement für die Begegnungszone in Wien 6 polarisiert.
 
Gesundheitspolitik 21. September 2015

VIDEO: Sie will den Schwarzen Schafen das Handwerk legen

Die Chefin der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, geht beim Mystery Shopping ihren eigenen Weg.

Mit Maria Vassilakou bekam Wien im Herbst 2010 seine erste Vizebürgermeisterin mit Migrationshintergrund. Sie war fünf Jahre für Verkehrs- und Planungsagenden zuständig. Bei einer Neuauflage der Koalition mit der SPÖ wird sich RathausRoutinier Vassilakou vermutlich mehr der Bildung, denn der Gesundheitspolitik verschreiben.

An und für sich war Mystery Shopping als Aufreger für den Wahlkampf quasi fix gebucht. Aber dann erreichte der Flüchtlingsstrom Österreich und das Reizthema für die Ärzteschaft verschwand von der Agenda. Und damit auch der Widerspruch zwischen Maria Vassilakou, die in der wichtigsten Landesregierung sitzt, und der Gesundheitsreferentin der Grünen Eva Mückstein, die im Nationalrat die Oppositionsbank drückt. „Hier gibt es in der Tat einen Einschätzungsunterschied“, sagt Vassilakou. Und weiter: „In Wien wollen wir dafür sorgen, dass Betrug nicht betrieben wird.“

Betrugsbekämpfung gebe es in vielen Berufssparten, sei quasi eine Selbstverständlichkeit, „warum dann nicht auch bei den Ärzten“. Wesentlich sei, dass das intime Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten unberührt bleibe. Es gehe nicht darum, wie der Arzt mit einem kranken Menschen umgeht. Auch nicht, welche Behandlungsmethoden er vorschlage. Hier handle es sich einzig und allein um Betrugsfälle. Schwarze Schafe gebe es leider.

Die Standesvertretung fühlt sich und ihre Klientel unter Generalverdacht gestellt und reagiert empfindlich: Vassilakou: „Ich habe Verständnis dafür, dass es niemand gerne hat, wenn er weiß, er könnte kontrolliert werden. Das ist sicher ein mulmiges Gefühl. Auf der anderen Seite gibt es diese Schwarzen Schafe, von denen man weiß, dass sie Patienten krankschreiben, die überhaupt nicht krank sind, und das explizit auch so sagen. Es gibt Fälle von Patienten, die mit einer falschen E-Card erscheinen, sprich: mit der E-Card eines anderen. Für den Besitzer bedeutet das, dass, wenn er innerhalb eines bestimmten Zeitraums erkrankt, seine eigene Karte kein zweites Mal mehr verwenden kann. Das sind klare Betrugsfälle und ich meine, denjenigen, die das machen, sollte man das Handwerk legen.“

Ihre gesundheitspolitischen Schwerpunkte, Frau Vizebürgermeisterin? „Es ist dringend erforderlich, die niedergelassenen Ärzte zu stärken, wir brauchen viel mehr Kassenärzte, wir haben Mangelversorgung in der Kindermedizin, in der Psychiatrie und Psychotherapie. Wir wollen Grätzelschwerstern haben, die vor Ort chronisch kranke Patienten versorgen, das sind nur ein paar Beispiele dafür, wohin die Reise in den kommenden Jahren geht. Unsere Gesellschaft driftet auseinander, wir haben gut ausgebildete Menschen, die wissen, wie sie sich pflegen, um gesund zu bleiben. Und auf der anderen Seite viele Menschen, die in Verhältnissen leben, die krank machen, die wenig über Vorsorge wissen. An erster Stelle muss stehen: Die Vermittlung von Wissen, das jeder Mensch braucht, um selbst Verantwortung zu übernehmen.“

Als Gesundheitsstadträtin sieht sich Vassilakou eher nicht. „Ich warne vor der Fantasie: Maria Vassilakou, Gesundheitsstadträtin.“

Martin Burger, Ärzte Woche 39/2015

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