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Prof. Dr. Hanna Mayer Vorstand Institut für Pflegewissenschaft, Uni Wien

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mag. (FH) Erich Fenninger Bundesgeschäftsführer Volkshilfe

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dr. Christine Ecker, MBA, MAS Leitung Pflege, Samariterbund Burgenland

 
Gesundheitspolitik 21. September 2015

Wer hat Angst vor McPfleger?

Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser hat dieser Tage wenig Fortune mit ihren Gesetzesentwürfen. Nach der PHC-Punktation stößt auch die Neugestaltung der Pflegeausbildung auf wenig Zustimmung. Die Langzeitpflege wähnt sich gegenüber der Spitalspflege in der Verliererrolle.

Der Poststempel auf dem Gesetzesentwurf zur Novelle des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes (GuKG) war noch nicht trocken, da trudelten die ersten Einwände und Ablehnungen ein. Inzwischen ist die Liste der Nachbesserungswünsche so lang, wie jene der Enttäuschten.

Was steht drin im Gesetzesentwurf? Die Novelle sieht eine Ausbildungsreform der Pflegeberufe vor, die zukünftig drei – statt wie bisher nur zwei – Stufen umfassen soll. Neben einer Pflegeassistenz ist auch die Schaffung einer „Pflege-Fachassistenz“ vorgesehen, die mehr Kompetenzen haben soll. Beide Berufsbilder sollen weiterhin an den Krankenpflegeschulen ausgebildet werden, die Ausbildung dauert ein bzw. zwei Jahre.

Die Schulung der gehobenen Pflegefachkräfte (derzeit: „diplomierte Pflegekräfte“) soll dafür generell akademisiert werden und ausschließlich an Fachhochschulen erfolgen. Inkrafttreten soll die Neuregelung stufenweise bis 2024.

Was wird kritisiert? Die Arbeiterkammer hält eine „Dualisierung in Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz“ für nicht sinnvoll, weil sie befürchtet, dass die schlechter ausgebildeten und damit auch billigeren Pflegekräfte bevorzugt beschäftigt werden. Die Ärztekammer fürchtet „Probleme für die anordnenden Ärzte“, da aufgrund der zunehmenden Komplexität kaum noch überblickbar sei, an welche Pflegepersonen sie welche Tätigkeiten delegieren können.

Der Gesundheits- und Krankenpflegeverband bedauert, dass im Bereich des gehobenen Dienstes die zuvor „vielfach angekündigten Reformen aus dem vorliegenden Entwurf verschwunden sind“.

Das ist keine mutige Reform

„Eine zehnjährige Übergangsfrist brauchen wir nicht.“

Vorweg das Positive: Ich begrüße es sehr, dass der gehobene Pflegedienst endlich flächendeckend auf die tertiäre Ausbildungsebene gehoben wird. Unverständlich ist für mich allerdings die vorgesehene Übergangsfrist von zehn Jahren. Das ist viel zu lange, das brauchen wir nicht. Das erzeugt nur unnötige Unsicherheit und Unruhe. Wir sind dafür bestens gerüstet, es gibt schon jetzt genug Lehrpersonal, das die Ausbildung kompetent übernehmen kann. Und auch was die Nachfrage betrifft, sehe ich keinen Grund für eine Verzögerung. An den FHs sind die Bewerbungszahlen vier- bis fünfmal so hoch wie die freien Plätze, das Interesse ist also enorm. Ich plädiere daher für eine Übergangsfrist von maximal fünf Jahren. Da gehört jetzt wirklich ein konsequenter Schnitt gemacht.

Was mir im Entwurf zur Gänze fehlt, sind Überlegungen, wie es nach oben – über den gehobenen Pflegedienst hinaus – in der Ausbildung weitergeht. Im Gesetz wurde viel nach „unten“ investiert und festgelegt, dazu gibt es das Zuckerl des Bachelors – und dann hört es jedoch auf. Das nenne ich keine mutige Reform.

Es gäbe genug Bereiche, wo die Pflege ihre Kompetenzen erweitern und zusätzliche Aufgaben übernehmen könnte, fachliche oder auch krankheitsbezogene Spezialisierungen wie etwa Schmerzmanagement, Onkologie oder auch Geriatrie. Dazu finden sich in dem Papier aber leider keinerlei Ansatzpunkte. Ich rede damit nicht der „operierenden Krankenschwester“ das Wort, vor der sich die Ärzte fürchten, sondern einer inhaltlich vertieften Pflegepraxis, die kompetent und beratend unterstützt, wie das in vielen anderen Ländern heute der Fall ist, etwa in der Schweiz.

Apropos Ärzte: Was mich durchaus irritiert ist, dass vor weiteren Spezialisierungen eine „Anhörung der österreichischen Ärztekammer“ erforderlich ist. Das finde ich nicht sehr fortschrittlich.

Wo ich in der praktischen Umsetzung auch eine gewisse Gefahr sehe: Es darf auf keinen Fall passieren, dass man seitens der Betreiber die gehobenen Pflegedienste aus Kostengründen in irgendwelche übergeordneten Leitungsfunktionen weghievt. Die am besten ausgebildeten Pflegekräfte müssen direkt beim Patienten eingesetzt werden.

Pflegehilfe eigenständig erhalten

„Langzeitpfleger bleiben verunsichert zurück.“

Die aktuelle Novelle des GuKG hat unmittelbare Auswirkungen auf die Pflegekräfte im Langzeitpflegesetting, die mit den Berufen der Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege, der Pflegehilfe und den Sozialbetreuungsberufen abgebildet sind. Dem Langzeitpflegebereich ist eine qualitative und umfassende Versorgungssicherheit wichtig, deshalb ist eine planbare und durchlässige Personalstruktur in allen Pflegesettings zu berücksichtigen. Die aktuelle Novelle hat einen starken Fokus auf dem Krankenhausbereich und lässt somit wichtige Aspekte für die Langzeitpflege fast völlig außer Acht. Nach Einschätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft freie Wohlfahrt, in der die Volkshilfe gemeinsam mit anderen Trägerorganisationen vertreten ist, wird der Personalmangel im Langzeitpflegebereich mit der aktuellen Gesetzesnovelle verschärft, so es nicht noch zu wichtigen Änderungen kommt.

Eine Erweiterung der Ausbildung der Pflegehilfe in theoretischer und praktischer Hinsicht sowie mehr Kompetenzen sind durchaus wünschenswert, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das nötige Rüstzeug für steigende Herausforderungen und komplexer werdende Pflege- und Betreuungssituation mitzugeben. Die geplante Einführung einer zusätzlichen Berufsgruppe lässt aktuell den Langzeitpflegebereich mit viele Vermutungen und Unsicherheiten über die zukünftige Rolle dieser Pflegefachassistenz zurück. Denn gleichzeitig besteht der Wunsch aus der Praxis, die einjährige Ausbildung der Pflegehilfe (neu: Pflegeassistenz) als eigenständige Ausbildung und Berufsbild zu erhalten, um damit auch weiterhin den Wieder- und Quereinstieg zu ermöglichen.

Einig ist man sich grundsätzlich in der Frage, die Möglichkeit der Verordnung und Weiterverordnung von Medizinprodukten für den gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege realitätsnäher und effizienter zu gestalten und diese Forderung in der Novelle zu berücksichtigen.

Schließlich ist auch die Erhöhung der Attraktivität der Pflege- und Betreuungsberufe ein großes Anliegen des Langzeitpflegebereichs. Diese ist dann gegeben, wenn es künftig eine Durchlässigkeit vom Regelschulsystem, wünschenswert wären berufsbildende höhere Schulen für Gesundheits- und Pflegeberufe, in Schulen für Pflegeassistenzberufe bzw. FHs gibt.

Chancen nicht verpassen

„Durch das Aufsplittern in drei Ebenen wird die Qualität sinken.“

Die inhaltlichen Anforderungen an die Pflegeberufe werden in den kommenden Jahren bedingt durch die demografische Entwicklung und den drohenden Ärztemangel extrem steigen. Daher muss diese Novelle des GuKG dazu dienen klare Zielsetzungen in diese Richtung zu schaffen und die Pflegeberufe auf die sich stark ändernden Anforderungen vorzubereiten. Dies bedingt eine erhebliche Weiterentwicklung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetz wie sie in der derzeit vorliegenden Form nicht enthalten ist.

Durch das Aufsplittern der Berufsgruppe in drei Ebenen werden die vermeidlich ökonomischen Effekte nicht eintreten, gleichzeitig allerdings die Qualität der Leistungen sinken, da die Gruppe der Pflegeassistenten und Pflegefachassistenten mit Tätigkeiten konfrontiert sein werden ohne die entsprechenden Ausbildungen und Praxisfertigkeiten in der vorgegebenen Zeit erlangen zu können.

Die Gruppe des Gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege wird dezimiert werden. Ebenso sind die Erfordernisse der Langzeitpflege, der Versorgung behinderter Menschen und der Hauskrankenpflege in den vorliegenden Kompetenzprofilen so gut wie nicht abgebildet. Dies ist zwingend zu überarbeiten. Die vermeintlichen Kosteneinsparungen im Personalbereich kommen in der Langzeitpflege überhaupt nicht zur Geltung, da die Personalschlüssel bereits auf ein Minimum an Diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal reduziert sind.

Folgende Elemente sind in die GuKG-Novelle aufzunehmen, um die Chancen der Weiterentwicklung der Pflegeberufe im Sinne der Gesundheitsversorgung nicht zu versäumen: Erweiterte Tätigkeitsprofile und Kompetenzen nach entsprechender Ausbildung (Spezialisierung) im Bereich des Gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege, zum Beispiel der Bereich Wundmanagement inklusive Verordnungskompetenz für Wundversorgung, Arzneimittelverordnung im Bereich Weiterverordnung bei bestehender Therapie inklusive Verlaufskontrolle, Verordnung von Medizinprodukten und Heilbehelfen im Bereich der pflegerischen Maßnahmen; Palliativ care, Hygiene, Geriatrie/Gerontologie und Aufnahme der Familiengesundheitspflege.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 39/2015

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