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© Florian Lems/MSF
Mario Thaler ist der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Österreich. „Weniger Bürokratie und mehr Menschlichkeit“ ist seine Devise.
 
Gesundheitspolitik 31. August 2015

Unwürdiges Behörden-Ping Pong

3 Fragen, 3 Antworten

Auch wenn sich die Zahl der Menschen in der Betreuungsstelle um 1.000 auf 3.400 reduziert hat, für die „obdachlosen“ Flüchtlinge bleibt die Lage verzweifelt.

Wie schlimm ist es?

Thaler: Die hygienische Situation ist zweifelsohne besorgniserregend. Ärzte ohne Grenzen möchte keine Vergleiche mit Ländern ziehen in denen zivile und medizinische Strukturen teilweise oder komplett zusammengebrochen sind. Tatsache ist aber, für ein mitteleuropäisches Land sind die Zustände inakzeptabel. Es wäre ein Leichtes die Mängel im hygienischen Bereich schnell und effektiv zu beheben.

Glauben Sie das was uns öffentlich mitgeteilt wird, nämlich, dass sich die Zustände im Lager rasch bessern werden, nun, da ein eigener Asylkoordinator am Werk ist?

Thaler: Eine Verbesserung der Situation könnte relativ rasch erreicht werden, wenn Hilfe, die zahlreichen österreichischen Hilfsorganisationen und Privatinitiativen anbieten, vom BM.I angenommen werden würde. Würde man z. B. die „Initiative zur medizinischen Beratung in Traiskirchen“ die Möglichkeit geben innerhalb der Betreuungsstelle tätig zu werden, könnte man den Menschen schnell ein umfangreicheres medizinisches Angebot zur Verfügung stellen und die Mediziner innerhalb der Einrichtung entlasten.

Eine rasche Veränderung ist langfristig dann möglich wenn bürokratische und verwaltungstechnische Hürden beseitigt werden, dass dies möglich ist hat Österreich in den 90er-Jahren während des Bosnienkonfliktes bewiesen.

Welche organisatorischen Konsequenzen sollten in Österreich gezogen werden? Die Syrer können nicht in ihr Land zurück, auch wenn sie das gerne wollten, es werden eher noch mehr kommen als jetzt schon da sind. Was sind unsere Hausaufgaben?

Thaler: Die österreichischen Verantwortungsträger auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene muss klar werden, dass es sich um eine Notsituation handelt in der es weder hilft sich gegenseitig Verantwortlichkeiten zuzuschieben, noch sich hinter bürokratischen Verordnungen zu verstecken. Das Behörden-Ping Pong auf dem Rücken der Menschen trägt in keiner Weise zu einer Lösung bei. Als medizinisch, humanitäre Organisation ist es für Ärzte ohne Grenzen vor allem wichtig, dass Strukturen geschaffen werden, die eine ausreichende medizinische Versorgung und einen würdevollen Umgang der Menschen sicherstellen. Weniger Bürokratie und mehr Menschlichkeit muss die Devise lauten!

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