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Gesundheitspolitik 22. Juni 2015

PCSK9-Hemmer werden durchgewunken

Trotz fehlender Ergebnisse stimmen FDA-Berater für eine Zulassung. Die EMA zieht nach.

Ein Berater-Ausschuss der US-Arzneimittelbehörde FDA hat jeweils mit großer Mehrheit eine Marktzulassung von zwei Cholesterinsenkern aus der neuen Wirkstoffklasse der PCSK9-Hemmer empfohlen.

In zwei separaten Sitzungen hat der Gutachter-Ausschuss für endokrinologisch und metabolisch wirksame Arzneimittel (EMDAC) der FDA am 9. und 10. Juni 2015 darüber beraten, ob die beiden PCSK9-Hemmer Alirocumab und Evolocumab in den USA zugelassen werden sollen. Mit großer Mehrheit wurde die Zulassung sowohl von Alirocumab als auch Evolocumab befürwortet.

Die FDA-Gutachter haben sich damit mehrheitlich für eine positive Empfehlung entschieden, obwohl Ergebnisse der laufenden großen Endpunktstudien zur Wirkung dieser PCSK9-Hemmer auf die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität noch ausstehen. Diskussionen gab es bei den Sitzungen darüber, ob die für PCSK9-Hemmer in Studien gezeigte starke Cholesterinsenkung als Surrogat für die Wirkung auf kardiovaskuläre Ereignisse ausreichend ist. Am Ende war es vor allem der konstatierte ungedeckte Bedarf (unmet need) an Therapien speziell für Patienten mit familiärer Hypercholesterinämie, der die Experten mehrheitlich für eine Zulassungsempfehlung stimmen ließ.

Sicherheit noch nicht bestätigt

Nicht ganz einig war man sich auch in der Beurteilung der Sicherheit der neuen Cholesterinsenker. Zwar gibt es bislang in den Studien keine Anzeichen für spezifische Sicherheitsprobleme bei der Therapie mit PCSK9-Hemmern. Allerdings ist der zugrunde liegende Beobachtungszeitraum noch relativ kurz, weshalb einer Minderheit unter den FDA-Beratern die Zulassung zum jetzigen Zeitpunkt als verfrüht erschien.

Ergebnisse der großen klinischen Studien zur Wirkung auf kardiovaskuläre Ereignisse werden frühestens für 2017 erwartet. Mit Evolocumab läuft derzeit die FOURIER-Studie und mit Alirocumab die ODYSSEY-Outcomes-Studie.

Ein Experten-Beirat der europäischen Arzneimittelagentur EMA hatte bereits im Mai 2015 die Zulassung von Evolocumab in den Ländern der EU empfohlen. Der Zulassungsantrag zu Alirocumab ist im Jänner 2015 von der EMA akzeptiert worden, das Verfahren läuft noch.

Alirocumab und Evolocumab sind gegen das Protein PCSK9 (Proprotein Convertase Subtilisin-Kexin Typ 9) gerichtete monoklonale Antikörper, die subkutan injiziert werden. PCSK9 fördert den Abbau von LDL-Rezeptoren in der Leber. Wird dieses Proteins gehemmt, resultiert eine verstärkte Expression von LDL-Rezeptoren in Leberzellen mit der Folge, dass LDL-Cholesterin verstärkt gebunden und aus dem Blut eliminiert wird.

Quelle: www.kardiologie.org

© Springer Medizin

Peter Overbeck, Ärzte Woche 26/2015

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