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Gesundheitspolitik 22. Juni 2015

Landkarte mit Defi-Standorten

Defibrillatoren können mittlerweile viele bedienen, sofern man einen findet. Eine Plattform soll das sicher stellen.

Diese Datenbank wird den Leitstellen der Rettungsorganisationen zur Verfügung gestellt. So soll die Zahl der Defianwendungen durch Ersthelfer und damit die Zahl der Überlebenden eines Herzstillstands erhöht werden.

Der frühe Einsatz eines Defibrillators kann im Fall eines Herzstillstands Leben retten. Mit der Site www.definetzwerk.at präsentiert die MedUni Wien gemeinsam mit Puls, dem Verein zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes, eine Plattform, in der Defi-Standorte ersichtlich sind, damit im Ernstfall schnell das nächste Gerät gefunden wird.

„Das Projekt Definetzwerk macht das Potenzial der in Österreich kontinuierlich ansteigenden Zahl an öffentlich zugänglichen Defis für die Rettungsleitstellen und in Folge auch für Ersthelfer besser nutzbar.“ sagt Dr. Mario Krammel von der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie der MedUni Wien. „Daher bitten wir auch jeden, der einen Defi-Standort kennt, diesen im Definetzwerk einzumelden.“ Das geht ganz einfach über eine benutzerfreundliche Eingabemaske auf der vom Projektpartner 144 Notruf NÖ programmierten Webplattform, die den Benutzer Schritt für Schritt durch die Eingabe führt.

Zur Verifizierung und Wartung des Datensatzes setzt das Definetzwerk auf die Kooperation mit Einsatzorganisationen, privaten Erhaltern, Einbindung von Defi-Vertriebsfirmen und Crowdsourcing. Das heißt: Jedermann kann einen neuen Defibrillator-Standort selbst online eingeben. Damit der Datensatz auch qualitativ abgesichert ist, wird jede Eingabe jedoch erst nach Verifikation durch interne Administratoren freigeschaltet. Langfristig schafft das Projekt ein laufend gewartetes, nationales, öffentlich zugängliches Defi-Register mit standardisierten Daten in Bezug auf Defi-Standort, Benutzung und Betreuung.

„Wir sind mit der Berufsrettung in acht bis elf Minuten am Einsatzort. Aber diese acht bis elf Minuten sind eine lange Zeit, wenn der Plötzliche Herztod droht“, sagt Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ). Nach vier bis fünf Minuten Herz-Kreislauf-Stillstand kommt zumeist jede Hilfe zu spät. Zwar sind die „öffentlich“ installierten Defis bekannt, doch es gibt auch immer mehr der Geräte für den Einsatz im akuten Herz-Notfall, die in Unternehmen, in Geschäftslokalen und an anderen „privaten“ Standorten aufgestellt sind. Sie sollen jetzt mit entsprechender nachfolgender Datenüberprüfung in die Web-Plattform eingespeichert werden und somit online abrufbar sein. In Zukunft könnte daraus auch eine Handy-Applikation werden.

In Österreich sterben pro Jahr rund 12.000 Menschen an einem Plötzlichen Herztod. „In Wien erleiden jährlich rund 3.500 Menschen einen Herzstillstand, nur zehn Prozent davon überleben“, sagt der Wiener Landtagspräsident Harry Kopietz (SPÖ). In skandinavischen Ländern registriere man eine deutlich höhere Überlebensrate. Mit zusätzlichen Geräten werden ab kommender Woche auch bereits rund 200 Einsatzwagen der Wiener Polizei einen Defi an Bord haben.

APAmed/MedUni Wien, Ärzte Woche 26/2015

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