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Gesundheitspolitik 8. Juni 2015

„Belastet sind eigentlich alle, Kinder sind aber eine ganz besonders sensible Bevölkerungsgruppe“

3 Fragen, 3 Antworten

Die Aufnahme von Industriechemikalien lässt sich in einer Welt, die gewisse Bequemlichkeiten schätzt, nicht vermeiden. Aber die sehr kontroversiell geführten Diskussionen über Bisphenol A und Phthalate haben bereits zu Verboten und zum Herabsetzen von Grenzwerten durch die Lebensmittelbehörden geführt.

Aufgrund der gefundenen Referenzwerte, muss ich mir Sorgen um meine Gesundheit oder die meiner Kinder machen?

Lorbeer:Im Sorglospaket sind die erhobenen Werte nur dann enthalten, wenn wir es als gegeben annehmen, dass wir Industriechemikalien im Körper haben. Das heißt nichts anderes, man muss sich keine Sorgen machen, dass man sofort krank wird oder stirbt, dennoch ist es schon ernst zu nehmen, dass wir belastet sind. Bei den Phthalaten so gut wie jeder. Bei Bisphenol A sind wir nicht so stark belastet, da ist jeder zehnte bis zwanzigste belastet.

Warum ist die Belastung mit Phthalaten für Kinder so riskant?

Lorbeer:Belastet sind eigentlich alle, aber Kinder sind eine sensible Bevölkerungsgruppe. Die Menge des Essens von Kindern ist im Vergleich zum Körpergewicht eine größere als bei einem Erwachsenen und die Chance, dass sie mehr Schadstoffe aufnehmen ist höher. Die hormonelle Wirkung ist vor allem bedenklich, wenn sie bereits im Fötus eintritt.

Die Effekte von Bisphenol A werden seit Jahren kontrovers diskutiert, wie ist der aktuelle Stand?

Lorbeer: Die Kontroverse hat letztendlich dazu geführt, dass wir die Bisphenol A-freien Babyfläschchen haben. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Efsa, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, den Wert für die tägliche tolerierbare Aufnahme evaluiert und gesenkt hat. Man geht jetzt doch noch einmal in Richtung mehr Sicherheit. Das zeigt schon, dass diese Belastungen etwas Ernstzunehmendes sind und man schauen muss, die Einfallspfade in den Menschen zu verkleinern. Die modernen Industriechemikalien machen uns das Leben angenehm, aber sie entfalten ihre Wirkung ungewollt nicht nur dort, wo man sie haben will, sondern auch direkt in die Umwelt. Und von der Umwelt gelangen sie über verschiedene Pfade in den Menschen. Dann haben wir sie in uns drinnen. Genau das wird mit dem humanen Biomonitoring festgestellt.

Ganz ausschalten wird man das Eindringen der Industriechemikalien wahrscheinlich nicht können. Man kann aber gegensteuern: Erstens sich vernünftig verhalten. Und zweitens wird bei den bedenklichen Stoffgruppen regulatorisch viel getan. Man sieht das bei den Phthalaten und beim Bisphenol A, bei denen es eine Reihe von Verboten gibt. Es gibt also berechtigten Grund zur Annahme, dass sich solche Maßnahmen positiv auswirken.

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